Rems-Murr-Kreis

Aber sicher: Die große Freiheit auf zwei Rädern

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Motorrad-, aber auch Autofahrer können einiges für die Sicherheit der Biker tun. Foto: Habermann © Habermann/ZVW

Waiblingen.
Den Fahrtwind, die Kraft der Maschine, das Gefühl von Freiheit spüren: Am Wochenende starten wieder viele Motorradfahrer in die neue Saison. Den Krankenwagen rufen, den Unfall aufnehmen, die Folgen ertragen: Dafür, dass die Spritztouren so nicht enden, können Motorradfahrer, und nicht nur sie, eine Menge tun.

Biker haben keine Knautschzone

Das Thema Sicherheit für Motorradfahrer geht nicht nur die Biker an. Rund die Hälfte der Unfälle mit Motorradfahrern verursachen diese nämlich gar nicht selbst. Augen auf: Motorradfahrer sind wieder unterwegs! Das sollten auch Autofahrer beachten. Biker haben keine Knautschzone. Also nicht knapp überholen, Abstand halten, nicht zu dicht einscheren, nicht das Tempo unterschätzen. Und grundsätzlich vorausschauend fahren, die Strecke und mögliche Entwicklungen im Auge behalten, die Vorfahrt nicht erzwingen. Rücksicht nehmen ist besser als Recht haben.

Fahranfänger oder "alter Hase"?

Und die Motorradfahrer selbst? Können auch viel für ihre Sicherheit tun. Erstens: sich realistisch einschätzen. Bin ich fit genug, die Maschine nach der Winterpause zu halten? Bin ich auf die stärkere Beschleunigung gegenüber dem Auto eingestellt? Hat mein Motorrad inzwischen mehr PS? Bin ich Fahranfänger oder "alter Hase"? Bin ich vielleicht sogar Wiedereinsteiger nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten Pause? "Motorradfahren ist nicht wie Fahrradfahren", gibt Bernhard Kohn von der Pressestelle der Polizeidirektion Aalen zu bedenken. Die Technik ändert sich, ebenso wie der Mensch. Ein erneutes Fahrtraining kann durchaus sinnvoll sein. 

An ordentliche Schutzkleidung denken

Sicherheitsausstattung für Motorradfahrer: Dafür gibt der Markt viel her. Das sollte man im Wesentlichen auch nutzen, meint der Polizei-Pressesprecher. Also an ordentliche Schutzkleidung mit Protektoren für Wirbelsäule, Gelenke und Hals denken, an Motorradstiefel, und so weiter. "Die meisten Biker wissen das", meint Bernhard Kohn. Schutzkleidung anziehen, das gilt für größere Maschinen, aber auch für kleinere Motorräder. 

Auf Reifen mit ordentlichem Profil achten

Obacht ist auch bei der Maschine selbst gefragt. "Nicht einfach aus der Garage ziehen, das letzte Mal ist sie auch noch gefahren", schildert Bernhard Kohn das Prinzip, das es zu vermeiden gilt. Also ein Auge haben auf den technischen Zustand, Reifendruck und Licht prüfen, auf Reifen mit ordentlichem Profil achten, auf intakte Bremsen, und so weiter.

Geschwindigkeit, eine Hauptursache für Unfälle

Simpel, aber elementar auch für Motorradfahrer: an Geschwindigkeitsvorschriften halten. "Geschwindigkeit ist eine Hauptursache für Unfälle", weiß Bernhard Kohn von der Polizei-Pressestelle. Auch ein bisschen zu schnell kann sich da erheblich auswirken. Emotionen, Freude, Überschwang, Ärger spielen ebenfalls eine Rolle. Dessen sollte sich der Biker bewusst sein. "Einen kühlen Kopf bewahren", dazu rät der Pressesprecher auch Motorradfahrern. "Nicht in Gedanken woanders sein, aufs Fahren konzentrieren."

Es gibt auch rasende Pkw-Fahrer 

Raser: Das Wort wird fast als Synonym gebraucht für Motorradfahrer, meint Bernhard Kohn und relativiert: "Es gibt ihn, den rasenden Motorradfahrer. Es gibt aber auch den rasenden Pkw-Fahrer." Im Umkehrschluss: "Wenn wir unsere Unfälle untersuchen, können wir nicht davon ausgehen, dass, wenn wir die Raser weghaben, keine schweren Unfälle geschehen." Auch wer nicht rast, kann Unfälle verursachen, sogar als erfahrener Fahrer.

 

Was der ADAC zum Motorrad-Saisonstart rät:

  • Das Motorrad vor der ersten Fahrt gründlich reinigen und auf Fehler oder Roststellen überprüfen 
  • Ausreichend gefüllte und geladene Batterie einsetzen
  • Stand von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel überprüfen, bei Bedarf nachfüllen 
  • Die Lichtanlage und die elektronische Anlage, zum Beispiel Kupplungs- und Seitenständerschalter, testen
  • Antriebskette korrekt spannen und schmieren
  • Bremsbeläge und Bremswirkung prüfen 
  • Profilzustand und Luftdruck der Reifen prüfen, gegebenenfalls auf undichte Stelle untersuchen
  • Eventuelle Mängel vor Fahrtbeginn reparieren lassen
  • Vor dem ersten Start des Motors gegebenenfalls die Schwimmerkammern der Vergaser entleeren. Benzinhahn öffnen und frischen Kraftstoff in den Vergaser füllen
  • Vor der ersten Tour sollte die Maschine gemütlich eingefahren werden, damit sich Körper und Geist an die Fahrdynamik gewöhnen können. Dazu gehört auch ein möglichst defensives und vorsichtiges Fahren. 
  • In der Anfangszeit können Brücken oder Waldstücke noch immer feuchte oder eisglatte Stellen aufweisen. Auch mit Rollsplit und Schlaglöchern muss gerechnet werden. Das Bremsen, vor allem das starke Abbremsen in Gefahrensituationen, sollte geübt werden. 

Der ADAC bietet zum Beispiel Fahrsicherheitstrainings für Motorradfahrer an.