Rems-Murr-Kreis

Achtung Ansteckungsgefahr: Hasenpest jetzt auch in Weinstadt

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So munter, wie dieser Feldhase unterwegs ist, muss sich keiner um ihn Sorgen machen. Tiere aber, die lethargisch sind, nicht mehr fliehen, womöglich kurz vor dem Sterben sind, dürfen auf keinen Fall angefasst werden. Sie könnten mit der Hasenpest infiziert sein. © Joachim Mogck

Das Veterinäramt des Landratsamts rät dringlichst: Ein direkter Kontakt mit wilden Hasen, Kaninchen und anderen Nagern sollte aktuell unbedingt vermieden werden. Der Grund: In Weinstadt wurde kürzlich ein Feldhase tot aufgefunden, der an Hasenpest, auch Tularämie genannt, erkrankt war. Für Hasen und andere Nagetiere - wie Wühlmäuse, Eichhörnchen, Kaninchen, Biber und Ratten - ist die Bakterieninfektion sehr gefährlich. Allerdings, so schreibt das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Fellbach, können auch noch andere Tiere, etwa Reh, Fuchs, Wiesel, Igel, aber auch Haustiere wie Schaf, Rind, Schwein, Hund oder Katze sich mit dem Bakterium infizieren. Die Tiere erkranken heftig und verenden an dem Erreger. Das Veterinäramt schätzt die Gefahr, dass sich Hunde anstecken, zwar als „unwahrscheinlich“ ein, dennoch sollten Hundehalter darauf achten, ihre Tiere von Wild fernzuhalten.

An Tularämie erkrankte Tiere zeigen im Übrigen oft ein reduziertes oder fehlendes Fluchtverhalten. Das heißt: Sowohl tote als auch ein noch lebendes, hilfloses Tier sollte nicht angefasst werden.

Das Bakterium kann auf den Menschen übergehen. Das geschieht durch Berühren oder durch Aerosole, die eingeatmet werden, so das Chemisch e und Veterinäruntersuchungsamt. Vor allem Jäger sind daher beim Zerlegen infizierter Tiere gefährdet. Aber auch Zecken, Bremsen und Stechmücken können den Erreger wohl übertragen. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt rät daher zu Mücken- und Zeckenschutz. Unglücklicherweise können bereits geringe aufgenommene Erregermengen zu einer Infektion führen. Die akute Tularämie ruft unter anderem starkes Fieber, Lymphknotenschwellung, Durchfall, Erbrechen oder Atemnot hervor. Die Krankheit kann beim Menschen jedoch mit Antibiotika gut behandelt werden.

Wer ein totes Tier findet, soll das beim Kreisjagdamt des Landratsamts unter der Telefonnummer 0 71 91/8 95 43 69 oder beim örtlichen Polizeirevier melden. Wichtig ist der genaue Fundort der verendeten Hasen. Der zuständige Jagdpächter wird die Tiere dann zur Untersuchung an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach bringen oder über eine Sammelstelle für Tierkadaver unschädlich beseitigen.

Die sogenannte Hasenpest ist in ganz Europa verbreitet. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 bisher 16 Fälle gemeldet, 2019 waren es insgesamt 36 Fälle. Im Rems-Murr-Kreis wurden auch in den Vorjahren immer wieder einzelne verendete Feldhasen gefunden, die an der Hasenpest erkrankt waren. Dieses Jahr sind bisher drei Fälle aufgetreten, in Alfdorf, Schorndorf und nun Weinstadt.

Im Jahr 2017 vermeldete das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Fellbach sogar den seltenen Fall eines an Tularämie gestorbenen Wildschweins. Das war im Landkreis Heidenheim. Die Fellbacher Fachleute führten diese Infektion darauf zurück, dass das Wildschwein einen infizierten Feldhasen-Kadaver gefressen haben muss. Es ist inzwischen davon auszugehen, dass der Erreger dauerhaft in Baden-Württemberg vorkommt.

So kann ich mich vor der Hasenpest schützen

Tot aufgefundene Feldhasen und Tiere, die ein auffälliges Verhalten zeigen – fehlendes Fluchtverhalten, unsicherer Gang –, sollten nicht berührt werden.

Informieren Sie die örtliche Polizeibehörde oder den Inhaber des Jagdreviers, damit das Tier zur Untersuchung an ein Untersuchungsamt gebracht wird.

In der warmen Jahreszeit Insektenschutz verwenden und Zeckenbisse vermeiden.

Jäger sollten beim Versorgen von Wild Einmalhandschuhe und eine staubdichte Atemmaske, gegebenenfalls sogar eine Schutzbrille tragen.

Personen mit Hautverletzungen sollten keine Tiere ausweiden.

Wildbret vor dem Verzehr ausreichend erhitzen.

Hunde von Tierkadavern fernhalten, kein rohes Wild zum Verzehr anbieten und Zeckenprophylaxe anwenden