Rems-Murr-Kreis

Amazon und Netflix im Urlaub sehen

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Wenn das Geoblocking fällt, lassen sich die Lieblingsserien auch am Pool im Sommerurlaub über Netflix & Co streamen © Christine Tantschinez

Waiblingen. Streaming-Fans können sich freuen: Zum 20. März entfällt innerhalb der EU das Geoblocking, das bislang den Abruf von Filmen und Serien von Netflix, Amazon Prime oder Sky Go aus dem Ausland verhinderte. Allerdings gilt das nur für "kurzzeitige Aufenthalte".

Nach den Roaming-Gebühren für Auslandstelefonate im letzten Jahr fällt das nächste große Ärgernis für viele deutsche Urlauber weg. Das sogenannte Geoblocking machte es für deutsche Reisende im europäischen Ausland fast unmöglich, vom Urlaubs- oder Geschäftsreiseort auf das eigene Netflix- oder Amazon-Streaming-Konto zuzugreifen. Viele Kunden erhielten beim Einloggen die Fehlermeldung: „Dieser Inhalt ist in Ihrem Land leider nicht verfügbar". Damit ist ab dem 20. März Schluss. Konkret heißt es in einer Mitteilung des Europäischen Rates:

„Reisende in der EU müssen künftig nicht mehr auf Online-Dienste wie Filme, Sportberichte, Musik, E-Books oder Spiele verzichten, für die sie zu Hause bezahlt haben. Zusammen mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem digitalen Binnenmarkt, der allen zugutekommt.“

Das bedeutet, dass Anbieter kostenpflichtiger Streaming-Angebote wie Netflix, Sky Go oder auch Spotify Premium zumindest in Teilen auf das Geoblocking verzichten müssen. Betroffen sind laut der offiziellen Verordnung der EU Dienste für „Musik, Spiele, Filme oder Sportberichte". Dazu gehören aber nicht freie Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Deren Inhalte sind größtenteils bereits jetzt auch problemlos im EU-Ausland zu empfangen, allerdings nicht Übertragungen von Fußballspielen. 

Musik-Dienst Spotify bietet für seinen Gratis-Dienst ebenfalls jetzt schon die Möglichkeit, Songs auch im Ausland 14 Tage lang zu streamen. Manche Anbieter wie der TV-Dienst Zattoo haben bereits jetzt reagiert und ihre AGB schon ab dem 1. Januar 2018 angepasst.

Kein Dauerzustand

Allerdings betont das EU-Parlament, dass die Regelung nur bei "vorübergehenden" Aufenthalten im EU-Ausland gelten muss. Definiert wurde der Begriff "vorübergehend" allerdings nicht. Damit sollen dauerhafte Abonnements aus dem Ausland, um etwa günstig an Liveübertragungen von Bundesligaspielen zu kommen, die in manchen EU-Ländern wesentlich günstiger zu haben sind als in Deutschland, weiterhin unterbunden werden. 

Datenschutz? 

Um Missbrauch zu vermeiden, dürfen die Anbieter den jeweiligen Wohnsitz ihrer Nutzer überprüfen, etwa per IP-Adresse, Ausweis oder Kreditkarte. Loggt sich ein deutscher Kunde dann etwa aus Mallorca ein, prüfen Netflix, Amazon Prime und Sky automatisch diese Daten und schalten dann das Angebot frei. Die Methode der Überprüfung muss „angemessen, verhältnismäßig und wirksam sein.“ Bei der Überprüfung müssen sich die Anbieter an die Datenschutzvorschriften der EU halten.

"Geht noch nicht weit genug"

Der zeitweise Wegfall des Geoblocking geht der Verbraucherschutzzentrale aber nicht weit genug. Der nächste Schritt, so fordert der Bundesverband, müsste sein, dass Verbraucher digitale Inhalte aus anderen EU-Ländern beziehen könnten. Geoblocking für digitale Inhalte solle generell abgeschafft werden. 

Geoblocking beim Online-Shopping

Ebenfalls gekippt wurde Geoblocking beim Online-Handel. Dabei werden Kunden aus bestimmten Ländern beispielsweise auf eine bestimmte Webseiten  gelotst. Stimmt das Parlament zu, könnte die digitale Shopping-Grenze bis zum Ende des Jahres endgültig fallen.