Rems-Murr-Kreis

Angeklagter war am Fundort der Leiche

Landgericht Stuttgart Symbol
Das Stuttgarter Landgericht. © ZVW/Sarah Utz

Stuttgart/Backnang. Es war schon mehrfach im Laufe des Prozesses um den mutmaßlichen Mord an der 22-jährigen Katharina K. aus Backnang-Strümpfelbach angeklungen, nun präsentierten die Beamten der Kripo Waiblingen vor dem Landgericht Stuttgart ein ausführliches Bewegungsprofil des angeklagten Daniel E. in der Tatnacht und den darauffolgenden Tagen bis zu seiner Festnahme.

Beinahe jede Minute kann nachvollzogen werden. Die Beamten wissen inzwischen genau, wann Daniel E. wo war und welches Auto er dabei fuhr. Der Angeklagte hatte nämlich eine Bewegung-App aktiviert, die die Standorte seines Handys aufzeichnete, zudem speicherte sein iPhone jene Orte, die er mehrmals aufsuchte unter „wichtige Orte“ mit den Uhrzeiten seines Besuchs ab.

Dass er selbst und nicht etwa eine ominöse andere Person mit dem Handy unterwegs war, belegten nach Angaben der zuständigen Beamten zudem die Chatverläufe zwischen Daniel E. und seiner besten Freundin, die sich in der Tatnacht und in der Zeit darauf rege austauschten. Als zuverlässigste Quellen erwiesen sich für die Polizei jedoch der in seinem geleasten Mercedes-SUV verbaute GPS-Tracker, sowie das Navigationsgerät im VW Crafters des heute 25-Jährigen.

Wie kam die Leiche in den Schrebergarten?

Die Beweislast gegen den Ex-Freund Katharina K.s ist erdrückend. Unter anderem zeigen die gesammelten Daten der Kriminalpolizei, dass Daniel E. mehrmals jene Schrebergartensiedlung in Eglosheim anfuhr, an der die Leiche der getöteten Katharina K. verbrannt wurde. Und auch mit dem Fundort der Leiche bringen ihn die GPS-Daten zweifelsfrei in Verbindung.

Fraglich blieb für die Beamten lediglich, wo Daniel E. den Anhänger besorgt hat, der auf einem Überwachungsvideo am Mercedes SUV zu sehen ist, und vor allem, wo dieser abgeblieben ist. Von ihm fehlt jede Spur.

Ein grausames Detail: Die Kriminalpolizei hat den Verdacht, der Angeklagte habe die Leiche seiner Ex-Freundin in einer Mülltonne aus der Wohnung geschafft. Anlass dafür gibt die Entdeckung, dass am Haus in Backnang-Strümpfelbach eine 240 Liter fassende Tonne fehlt. Um zu überprüfen, ob diese Vorgehensweise möglich ist, habe man eine Kollegin der Polizei in die Tonne gesteckt, gab der Zeuge an. „Sie hat problemlos reingepasst.“ Auch die Tonne ist nicht wieder aufgetaucht.

Langes Vorstrafenregister

Ein langer Atem war am gestrigen Verhandlungstag auch gefragt, als die Richter fünf Vorstrafen des angeklagten Daniel E. verlasen. Mehr als 40 Fälle von Diebstahl lagen vor, dazu diverse Betrugsdelikte, Urkundenfälschung, Meineid und ein Fall der vorsätzlichen Körperverletzung – im Zeitraum von 2009 bis zu seiner Inhaftierung 2017 war der heute 25-Jährige quasi ständig kriminell aktiv. Eine seiner Maschen: Er schloss im Internet Kaufverträge für elektronische Geräte ab, widerrief diese dann innerhalb der Frist, schickte aber anstatt der Geräte nur leere Verpackungen an den Händler zurück. Für seine Betrügereien nutzte E. zum Teil fiktive Namen, in anderen Fällen legte er Arbeitskollegen rein. Obwohl er mehrmals erwischt und verurteilt worden war, zeigte der Angeklagte offenbar keine Besserung.

In einem Beschluss des Amtsgerichts Waiblingen von diesem Jahr, in dem die Bewährung für eine Verurteilung aus 2016 widerrufen wurde, wird er als „nicht bewährungswürdig“ beschrieben. E. habe die Auflagen „beharrlich nicht erfüllt“, lieferte einen offenbar gefälschten Bescheid über die Ableistung seiner gemeinnützigen Arbeitsstunden ab und beharrte - als sein Betrugsversuch aufflog – laut Gericht auf die „dumm-dreiste Aufrechterhaltung der offenkundigen Lüge“. Daniel E. sitzt derzeit seine zweijährige Haftstrafe ab.

Weitere Aussagen belasten den Angeklagten

Nicht nur die Bewegungsdaten und Vorstrafen des Angeklagten waren Gegenstand des Verhandlungstages. Auch wurden weitere Sachverständige und Zeugen gehört, die den 25-Jährigen zum Teil weiter belasteten. Die Arbeit der Sachverständigen für Textilspuren war zwar an vielen Stellen ergebnislos. Eine Spur erwies sich jedoch als bedeutend, denn sie bringt den VW Crafter des Angeklagten mit dem Fundort der Leiche in Verbindung. An einem Paar orange-grauer Handschuhe, die die Ermittler in der Fahrerkabine des VW fanden, sicherte die Beamtin des Landeskriminalamts insgesamt 18 blaue Plastikfasern - übereinstimmend mit jenen der Plane, die am Brandort gefunden wurde. „Das weist darauf hin, dass jemand die Handschuhe angezogen und damit die Plane angefasst hat“, fasste die Sachverständige zusammen. Zwar könne sie nicht ausschließen, dass die Faser nicht von einer anderen, gleichartigen Plane stammen, schränkte sie ein. Angesichts der Umstände erscheint das aber unwahrscheinlich.