Rems-Murr-Kreis

Anstieg der Corona-Fallzahlen: Ist der Grenzwert von 50 Neuinfektionen überhaupt sinnvoll?

Nachdem im Landkreis Esslingen bereits am Freitag strengere Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft getreten sind, gelten Verschärfungen ab Mittwoch auch in Stuttgart. Für zunächst zwei Wochen wird ab dann zum Beispiel in der Innenstadt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) Pflicht. Im Landkreis Esslingen ist ein MNS überall dort vorgeschrieben, „wo der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.“

Sowohl in Stuttgart und Esslingen gilt für private Feiern eine Teilnehmerbeschränkung von maximal zehn Personen. In öffentlichen und angemietete Räumen dürfen sich nur noch höchstens 25 Leute treffen. Grund: Der Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen wurde hier wie dort überschritten.

Im Rems-Murr-Kreis droht ein ähnliches Szenario

Solche Infektionsschutz-Regel-Verschärfungen könnten auch im Rems-Murr-Kreis bald in Kraft treten. Davor warnt Landrat Dr. Richard Sigel. Schon bei Überschreiten von 35 Neu-Infektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen werde es auch im Rems-Murr-Kreis Beschränkungen geben. Beim Wert 35 geht die Corona-Warnampel, die sich der Landkreis gemäß Vorgaben von oben auferlegt hat, auf Gelb.

„Für die Teilnehmerzahl privater Feierlichkeiten müsste dann nach Vorgaben des Sozialministeriums eine Höchstteilnehmerzahl festgelegt werden, die bei öffentlich angemieteten Räumen bei maximal 50 Personen liegt, in privaten Räumen dürften es nicht mehr als 25 Personen sein“, sagt Sigel. Geht die Ampel auf Rot müssten weitere verschärfende Maßnahmen folgen.

 Macht der Grenzwert überhaupt Sinn?

Die so genannte Sieben-Tage-Inzidenz ist derzeit der maßgebliche Gradmesser für staatliche Eingriffe im Rahmen der Pandemie-Steuerung. Auch im Rems-Murr-Kreis – 426 000 Einwohner – liegt die Schwelle bei 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern, also bei 0,05 Prozent. Das entsprächen in unserem Landkreis 213 Neuinfektionen binnen sieben Tagen. Die Vorwarnstufe Gelb würde schon ab 150 Neuinfektionen binnen sieben Tagen erreicht.

Über diese Grenzwerte und dass bei Überschreitung Beschränkungen für die Bevölkerung in einzelnen Landkreisen oder kreisfreien Städten verschärft werden sollten, darüber haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten der Bundesländer am 6. Mai einen Beschluss gefasst. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hingegen „gibt keine Grenzwerte oder Schwellen für Aktivitäten vor“, sagt RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher.

„50 von 100 000 erscheint auf den ersten Blick gering“, sagt Sebastian Gülde, Sprecher des Bundes-Gesundheitsministeriums. „Allerdings berücksichtigt dieser Wert natürlich nur diagnostizierte Fälle und ist ein Abbild der Situation vor etwa zehn bis 14 Tagen, da es Verzögerung durch Entwicklung von Symptomen, Aufsuchen eines Arztes, einer Ärztin, der Diagnostik und dergleichen gibt. Das heißt, von einer gewissen Dunkelziffer ist auszugehen“, so Gülde.

„Die Erfahrung zeigt darüber hinaus, dass es sich lohnt, bei Infektionsgeschehen früh einzugreifen um schwerwiegendere Folgen (und einschränkendere Maßnahmen für die Bevölkerung) zu verhindern“, sagt Gülde. Infektionsketten könnten eine immense Dynamik entwickeln, und ein frühzeitiges Eingreifen sei deshalb sinnvoll.