Rems-Murr-Kreis

Arbeitgeber: Der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie ist „fair und weitsichtig“

IG Metall Demo
Ende März demonstrierten Beschäftigte in der Metallindustrie mit einem Autokorso in Ludwigsburg. © Gabriel Habermann

Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in der Region Rems-Murr zeigen sich zufrieden mit dem Tarifergebnis, das in der vergangenen Woche für die Branche in Baden-Württemberg gefunden wurde. „Der Abschluss ist weitsichtig und fair für beide Seiten“, sagte Dr. Michael Prochaska, Vorsitzender der Bezirksgruppe Rems-Murr des Arbeitgeberverbands Südwestmetall: „Die Laufzeit bis Herbst 2022 bietet den Unternehmen Planungssicherheit in einem weiterhin sehr schwierigen Umfeld.“

Nach der Nullrunde im Vorjahr liege auch die Kostenbelastung für die Betriebe über nunmehr fast drei Jahre in einem „vertretbaren Rahmen“, sagte Prochaska laut einer Pressemitteilung von Südwestmetall: „Außerdem haben wir Mechanismen vereinbart, die jene Betriebe bei den Kosten entlasten können, denen es nicht gutgeht. Damit haben wir unser wesentliches Ziel in dieser Tarifrunde erreicht.“ So wird in diesem Jahr der tarifliche Zusatzbetrag von knapp 400 Euro automatisch gestrichen, wenn die Nettoumsatzrendite unter 2,3 Prozent liegt. Zudem erhalten M+E-Betriebe in Baden-Württemberg die Option, das Weihnachtsgeld künftig variabel zu gestalten und es zum Beispiel bei schlechter wirtschaftlicher Lage zu halbieren.

Positiv bewertet Prochaska auch die optionalen Bausteine zu sogenannten Zukunftstarifverträgen und zur Arbeitszeitreduzierung, die den Unternehmen helfen sollen, in der anstehenden Transformation Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Sie sind so flexibel ausgestaltet, dass sie die Betriebsparteien eher ermutigen werden, einen solchen Prozess anzustoßen“, so der Südwestmetall-Bezirksgruppen-Vorsitzende, Dr. Michael Prochaska. Zudem sei man im Bemühen, die Tarifverträge attraktiver zu machen, an mehreren Punkten einen großen Schritt vorangekommen. „Heute gibt es zum Beispiel sieben tarifliche Modelle, mit denen geregelt wird, wer wie lange arbeiten darf. Künftig gibt es nur noch ein Modell, das auch noch einfacher und für die Betriebe leichter zu handhaben ist“, so Prochaska.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall ist eigenen Angaben zufolge einer der größten industriellen Arbeitgeberverbände Deutschlands. Er vertritt in Baden-Württemberg die arbeitsrechtlichen, tarif-, sozial- und bildungspolitischen Interessen von mehr als 1600 Mitgliedsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie. Die Bezirksgruppe Rems-Murr betreut 96 Mitgliedsbetriebe mit knapp 20 000 Beschäftigten im Kreis.

IG Metall: Angriffe abgewehrt

Die IG Metall im Rems-Murr-Kreis beurteilt den Abschluss ebenfalls positiv, zumal „der massive Angriff der Arbeitgeber auf tarifliche Standards abgewehrt werden konnte“. Die rund eine Million Beschäftigten in Baden-Württemberg erhalten wie die Kollegen in Nordrhein-Westfalen eine „Corona-Prämie“ von 500 Euro sowie die neu eingeführte tarifliche Sonderzahlung, die für individuelle Entgeltsteigerungen oder Arbeitszeitverkürzung mit Teilentgeltausgleich verwendet werden kann. Für die Themen Beschäftigungssicherung, Zukunftstarifverträge sowie Perspektiven für Auszubildende und dual Studierende seien im Land eigene und zum Teil weitergehende Regelungen gefunden worden. Dual Studierende fallen erstmals unter die Tarifbindung.

Roman Zitzelsberger, Verhandlungsführer und IG-Metall-Bezirksleiter: „Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat in dieser Tarifrunde auf massive Kostensenkungen gedrängt und wollte langjährige Errungenschaften wie tarifliche Pausen und Schichtzuschläge abschaffen sowie die Alterssicherung einschränken. Diesen Angriff haben wir erfolgreich abgewehrt und darüber hinaus für alle unsere Themen zukunftsweisende Lösungen gefunden.“. Möglich geworden sei der Abschluss erst durch den enormen Druck der Beschäftigten, so die IG Metall. Unter Pandemiebedingungen - mit Maske und Abstand - haben in den vergangenen vier Wochen knapp 223 000 Metallerinnen und Metaller die Forderungen der IG Metall mit Warnstreiks, Frühschluss-Aktionen, Kundgebungen, Demozügen, Menschenketten und Mobilitätskorsos unterstützt, so die IG Metall.