Rems-Murr-Kreis

Ausweiskontrollen auch in Rems-Murr-Bädern?

Kein Platz für Störer im Freibad_0
Meistens geht es friedlich zu im Freibad. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Sie pfeifen auf Regeln, reagieren rotzfrech auf Ansagen und verlassen das Bad erst in Begleitung der Polizei: Mit solchen Typen hat es das Aufsichtspersonal auch in Rems-Murr-Bädern zu tun. Von höherer Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit berichten Verantwortliche – „aber nicht so, dass es ein erhöhtes Problem darstellt“, wie Rene Schmidt von den Stadtwerken Waiblingen sagt. Gleichwohl denkt man über Ausweiskontrollen nach.

Zuletzt sorgten Vorfälle im Rheinbad in Düsseldorf für bundesweites Aufsehen. Rund 60 Halbstarke randalierten, besetzten laut Medienberichten einen Sprungturm und eine Rutsche – bis man sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als das Bad zu räumen. Ende Juni kam es im Inselbad in Untertürkheim zu Ausschreitungen, nachdem mehrere Jugendliche Anweisungen nicht befolgt hatten und sich weigerten, das Bad zu verlassen. Am selben Wochenende musste die Polizei gleich dreimal im Ziegeleiseebad in Schorndorf für Ordnung sorgen. Auch dort hatten sich Jugendliche völlig rücksichtslos verhalten und das Aufsichtspersonal provoziert.

„Wir lassen uns von Chaoten nicht das Bad zerstören“

„Es gibt eine höhere Gewaltbereitschaft“, bestätigt Rene Schmidt, der Leiter der Bäderbetriebe bei den Stadtwerken Waiblingen: „Wir wollen konsequent Störer, Unruhestifter und Provokateure aus dem Bad haben. Wir lassen uns von Chaoten nicht das Bad zerstören.“ Zwar nicht für diese, aber die nächste Saison werde erwogen, Ausweiskontrollen einzuführen: „Es wäre ein Ansatz“, sagt Schmidt, betont aber gleichzeitig, dass die Zunahme der Aggression kein „erhöhtes Problem darstellt“.

Betroffen sei unter allen Bädern, für welche die Stadtwerke Waiblingen verantwortlich zeichnen, nur das Freibad Waiblingen. An heißen Tagen mit vielen Badegästen schieben dort nun vier statt bisher zwei Sicherheitskräfte Dienst, zusätzlich zum Aufsichtspersonal, das regelmäßig Trainings durchläuft, um im Fall der Fälle möglichst deeskalierend vorgehen zu können. Meist funktioniert es und Badegäste benehmen sich nach einem Fehlverhalten wieder ordentlich. Falls nicht, „holen wir die Polizei“.

Im Schorndorfer Oskar-Frech-Bad wird ebenfalls nicht lange gefackelt, wie Bäderleiter Jörg Bay berichtet: Wer sich Anweisungen widersetzt, sich etwa in betrunkenem Zustand daneben benimmt und trotz Aufforderung das Bad nicht verlässt – den wird die Polizei hinausgeleiten. „Es gibt immer uneinsichtige Badegäste, aber das sind fast immer einzelne Personen“, betont Jörg Bay: „Relativ entspannt“ gehe es im Schorndorfer Bad zu; „unsere Leute können damit sehr gut umgehen. Wir sprechen viel darüber.“

Koslowski fordert Eingangskontrollen in Brennpunktbädern

Aus Sicht von Edgar Koslowski vom Verband deutscher Schwimmmeister hat Randale in Bädern „mit Migration“ zu tun. Er sagt das aus dem Bauch heraus, ohne dass er eine belastbare Statistik vorweisen könnte. Koslowski fordert Eingangskontrollen in Brennpunktbädern, damit gar nicht erst in ein Bad gelangt, wer alkoholisiert ist oder Waffen bei sich hat. „Es werden Schwimmbäder schließen, wenn wir es nicht in den Griff kriegen. Wir müssen endlich handeln“, fordert Koslowski.

Rene Schmidt stellt fest, dass aggressives Verhalten im Waiblinger Freibad „vorwiegend“, aber nicht nur von Migranten ausgehe. Ähnlich beschreibt Jörg Bay für Schorndorf die Lage, „aber es gibt auch genug deutsche nicht sozialverträgliche Leute. Es sind eher die Randgruppen unserer Gesellschaft.“ Ausweiskontrollen hält Jörg Bay unterdessen für nicht nötig; „da denken wir überhaupt nicht dran“. Das Oskar-Frech-Bad kommt nach wie vor ohne private Sicherheitskräfte klar.

Das Freizeitbad F 3 in Fellbach hat bereits im vergangenen Jahr Sicherheitsleute beschäftigt, wie der Geschäftsführer Marcus Eichstädt bei einer früheren Anfrage dieser Zeitung sagte. Ein kleiner Teil der Gäste lege durchaus „ein bisschen ein aggressives Verhalten an den Tag“.

Kaum sexuelle Belästigungen in Rems-Murr-Bädern

Sexuelle Belästigungen werden in Rems-Murr-Bädern offenbar selten gemeldet: Der Polizei ist im ersten Halbjahr 2019 kein einziger Fall dieser Art bekannt geworden, berichtet Polizei-Pressesprecher David Ebert. Allerdings wird derzeit noch nicht eindeutig erfasst, ob sich eine Belästigung explizit in einem Bad abgespielt hat.

„So gut wie gar nichts“ an sexuellen Belästigungen spielt sich im Schorndorfer Bad ab, sagt Jörg Bay: Die Fälle in den vergangenen zehn Jahren könne er an einer Hand abzählen. Auch Rene Schmidt spricht von einer „nicht erhöhten Zahl“.

„Im F 3 gibt es, genau wie in jedem anderen Freizeitbad, durchaus Beschwerden und Hausverbote aufgrund sexueller Handlungen“, berichtet unterdessen Marketing-Leiterin Birgit Steinegger. In den meisten Fällen handele es sich aber um „einvernehmliche Handlungen“. Solche Fälle werden mit Hausverboten geahndet.

Auch sexuelle Belästigungen kommen laut Birgit Steinegger im Fellbacher Freizeitbad vor; je nach Schweregrad werde zusätzlich zum obligatorischen Hausverbot Anzeige erstattet.


Das gesellschaftliche Umfeld

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen nimmt auf ihrer Homepage Stellung zu den jüngsten Vorfällen in Bädern. Hier die Antwort auf die Frage: Wie kommt es zu den plötzlichen Gewaltexzessen in Freibädern?

„Verwunderlich ist nicht, dass diese Gewalt aktuell in deutschen Freibädern angekommen ist, es ist vielmehr bemerkenswert, dass sie erst jetzt in den deutschen Freibädern angekommen ist.“

Bisher haben Badbetreiber, insbesondere in den Ballungszentren, die auftretenden Probleme allein in den Griff bekommen. Durch kluge Deeskalationsstrategien, geschickte Kommunikation mit Problemgruppen und vor allem durch gut ausgebildetes und fortgebildetes Personal, aber auch durch hartes Durchgreifen, den Einsatz von Sicherheitsdiensten sowie eine gute Kooperation mit der Polizei waren Freibäder bisher ein Rückzugsort für ein gesichertes Freizeitvergnügen. Dieses Personal, das im Freibad Tag für Tag für einen sicheren Badebetrieb sorgt, ist aber für polizeiliche Aufgaben nicht vorgesehen und auch nicht ausgebildet.

Die in den vergangenen Wochen verstärkt aufgetretenen Probleme haben nicht primär mit dem Freibad zu tun, sie kommen aus dem gesellschaftlichen Umfeld.