Rems-Murr-Kreis

Backnang kämpft gegen Fahrverbote

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Symbolbild. © Anne-Katrin Walz

Backnang. Berlin ist dran: Mindestens elf Straßen der Hauptstadt werden ab März 2019 für Diesel der Schadstoffklassen 1 bis 5 gesperrt sein. Und wie sieht’s in Backnang aus? Das Städtle ist stets zusammen mit Metropolen wie München oder Hamburg in den Karten mit den bedrohten Städten eingezeichnet. Muss Backnang ein Fahrverbot fürchten?

„In der Tat“, schreibt der Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, „Backnang gehört zu den bundesweit 14 Städten mit einer NOx-Belastung (Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2), Anm. der Red.) von mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel des Messjahres 2017“. Das heißt: Wird’s in Backnang nicht ganz schnell sehr viel besser, dann drohen Fahrverbote.

Messung an einer stark befahrenen Straße mit „Schluchtcharakter“

Die Messung allerdings – so klingt’s zumindest zwischen Noppers Zeilen – gefällt dem OB nicht so richtig. Denn die Landesanstalt für Umwelt habe nur „an einer einzigen, sehr stark befahrenen Straße“ gemessen. Diese habe außerdem durch Bebauung und Topografie „geradezu Schluchtcharakter“.

Ein Luftaustausch sei dadurch sehr erschwert. Es geht um die Eugen-Adolff-Straße kurz vor der Kreuzung mit der Annonay-Straße – eine Gegend, in der tatsächlich eine unschön-schmutzige, enge und recht hohe Bebauung mit einem Anstieg des Geländes gen Süden zusammenkommt.

Die Landesanstalt für Umwelt gibt an, dass beim Haus Nummer 51 für 2017 ein Jahresmittelwert von 53 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gemessen wurde. Im Jahr 2016 lag der gemessene Jahresmittelwert laut Homepage der Stadt sogar bei 56 Mikrogramm. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das heißt: Backnang muss einen Luftreinhalteplan aufstellen.

Geplant ist ein „dynamisiertes Verkehrsleitsystem“

Der Maßnahmenkatalog dafür ist bereits geschrieben und soll am Donnerstag, 18. Oktober, im Gemeinderats-Ausschuss vorgestellt und erörtert werden. Für den Maßnahmenkatalog hat die Stadt vom Bund 270 000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Damit die avisierten Maßnahmen auch umgesetzt werden können, hat die Stadt Bundesmittel in Höhe von zwei Millionen Euro beantragt.

Geplant ist, so führt es Oberbürgermeister Frank Nopper auf, ein „dynamisiertes Verkehrsleitsystem“. Das sind etwa jene elektronischen Verkehrsschilder, die je nach Verkehrsaufkommen die Geschwindigkeit mal rauf, mal runter regeln. Außerdem soll ein Parkleitsystem die Autofahrer auf schnellstem Weg zum nächsten freien Stellplatz führen. Diese zwei Maßnahmen, so Nopper, „würden es ermöglichen“, dass Grenzwerte unterschritten werden.

Die Landesanstalt für Umwelt schreibt außerdem noch von einer „Stärkung der Rolle des Radverkehrs“ – im bergigen Backnang womöglich ein frommer Wunsch. Außerdem wird die „Elektrifizierung aller Verkehrsträger“ angeregt. Alles fährt nur noch mit Strom? Ein genauso frommer Wunsch.

Nopper führt außerdem noch den geplanten Umzug des DHL-Verteilerzentrums aus der Eugen-Adolff-Straße hinaus ins Industriegebiet Lerchenäcker ins Feld. Das, so denkt er, werde den innerstädtischen Verkehr deutlich reduzieren. Als nicht praktikabel und umsetzbar dagegen betrachtet er den Vorschlag, Paketdienste mögen an der Stadtgrenze ihre Lieferungen auf emissionsreduzierte, also Hybrid-, oder sogar emissionsfreie, also Elektro-Fahrzeuge umladen.


Das wird gegen schlechte Luft getan

Man habe, so Oberbürgermeister Frank Nopper, in jüngerer Vergangenheit schon viel für die Verbesserung der Luftqualität getan. Seit Dezember 2012 gibt es den zweiten S-Bahn-Anschluss für die S 4.
Durchgesetzt sei bereits, dass die Bundesstraße 14, die Backnang umfährt, vierspurig ausgebaut wird.

Der Durchgangsverkehr und Teile des innerstädtischen Verkehrs sollen hier gebündelt werden.
Ab September 2019 soll der ÖPNV erweitert werden. Im Stadtverkehr dürfen dann außerdem nur noch Busse mit Euro 6 eingesetzt werden.