Rems-Murr-Kreis

Bis zu 30 Prozent weniger Ertrag

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Im Rems-Murr-Kreis ist die Getreideernte fertig. Einbußen aufgrund der Trockenheit werden auf bis zu 30 Prozent geschätzt. Foto: Habermann © Gabriel Habermann / ZVW

Backnang/Waiblingen. Frühe Ernte, geringer Ertrag: Auch Landwirte zwischen Rems und Murr haben mit den Folgen des warmen Wetters und vor allem dem geringen Niederschlag zu kämpfen. Erste Schätzungen rechnen mit 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag beim Getreide. Für den Verbraucher hat das am Ende jedoch keine Auswirkungen.

Vor allem im Norden und Nordosten Deutschlands steht es schlecht um die Getreideernte. Langanhaltende Hitze und kaum Regen sind schlechte Bedingungen für einen guten Ertrag. Auch im Rems-Murr-Kreis herrschen nicht die besten Bedingungen, weshalb die Landwirte der Region schon 14 Tage früher mit der Ernte dran sind als sonst. Das bezeichnet Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems, als sehr früh. Schuld daran ist das Wetter, zwar weniger die Hitze der vergangenen Wochen, aber die geringen Niederschlagsmengen und das kurze Frühjahr. „Nach dem Winter begann gleich der Sommer“, so Bleher, „zunächst hatte sich das Pflanzenwachstum aufgrund des kühlen Winters verzögert, dieses wurde aber schnell wieder aufgeholt, so dass wir dieses Jahr sehr, sehr früh mit der Ernte begonnen haben.“

Seit April mangelt es an Niederschlag, der Boden ist zu trocken, da sind sich die Experten einig. Auch der Vorsitzende des Maschinenrings Rems-Murr-Neckar-Enz, Martin Kugler, bestätigt das: „Bei einer Niederschlagsmenge von 50 bis 60 Liter pro Quadratmeter in der Woche sind vielleicht die oberen 20 Zentimeter des Bodens nass.“ Das sei definitiv zu wenig. Ebenfalls schuld an der trockenen Erde waren vorherrschende Ostwinde, die das Land ausgetrocknet haben.

„Ich hatte zuerst große Bedenken, doch ich wurde positiv überrascht“

Die Dürre im Nordosten und die Wetterverhältnisse hier haben die Landwirte ins Grübeln gebracht. Zwar ist hier die Situation lange nicht so extrem wie in anderen Teilen Deutschlands, trotzdem war Kugler verblüfft: „Ich hatte zuerst große Bedenken, was die diesjährige Ernte betrifft, doch ich wurde positiv überrascht.“

Denn im Raum Backnang wie auch im übrigen Kreisgebiet fiel die Getreideernte nicht so schlecht aus, wie anfangs in den Frühjahrsmonaten befürchtet. Michael Stuber vom Landwirtschaftsamt hält sich mit einer genauen Nennung der Zahlen zwar zurück, doch nach ersten Gesprächen mit Landwirten gibt er eine grobe erste Schätzung ab: 20 Prozent Minderertrag. Zwar betrifft das im Wesentlichen alle landwirtschaftlichen Kulturen und auch alle Getreidesorten, doch sind beispielsweise Wintergerste und Raps besonders betroffen. Auch der Mais leidet stark.

Doch die Ernte fällt in den Regionen allein rund um Backnang unterschiedlich aus. „Gerade rund um Stuttgart, Ludwigsburg, Backnang hat es öfter geregnet als in anderen Verbandsgebieten. Partiell haben auch wir im Verbandsgebiet Regionen, wo fast kein Regen gefallen ist. Dementsprechend gibt es bei uns Ertragseinbußen bei Getreide und Raps bis zu 30 Prozent“, schätzt Bleher vom Bauernverband. Vor allem lokale Gewitter und die unterschiedlichen Höhenlagen haben auch innerhalb der Region Backnang zu einem leicht unterschiedlichen Ernteergebnis geführt.

Geringer als im Durchschnitt der letzten Jahre fällt die Getreideernte jedoch aus – das bedeutet für die Bauern weniger Umsatz, wenn die Preise nicht gleichermaßen anziehen. Helmut Bleher erklärt: „Vor allem haben wir aber bei Viehbetrieben, die ihr Getreide selbst verfüttern, das Problem, dass fehlendes Getreide teuer zugekauft werden muss.“ Und das reißt Löcher in die Kalkulationen der Landwirte. Es muss ein Mehrpreis pro Dezitonne Futtergetreide bezahlt werden – die Preise für die Endprodukte wie Fleisch oder Milch steigen deshalb jedoch nicht. „Unsere globalen Märkte bringen immer wieder günstige Angebote aus aller Herren Länder, die unsere Ertragsrückgänge ausgleichen. Für den Landwirt aber sehr teuer sind“, so Bleher.

„Bauern hoffen, dass die Getreidepreise steigen“

Und was bedeutet eine geringe Getreideernte für den Verbraucher? Da sind sich die Experten einig: Auf den Verbraucher hat das keine Auswirkungen, anders als bei Obst wie Äpfeln oder Erdbeeren, bei denen geringe Erträge automatisch auch höhere Preise bedeuten. Denn der Getreidepreis orientiert sich am Weltmarkt. So hätte die geringe Ernte nur dann bemerkbare Auswirkungen auf den Verbraucher, wenn die Erträge weltweit schwächer ausfallen würden. „Die Bauern hoffen, dass die Getreidepreise aufgrund des geringeren Angebots steigen“, erklärt Bleher, „dem sind aber durch die globale Konkurrenz enge Grenzen gesetzt: Das, was wir nicht produzieren, wird in anderen Regionen gut ausgeglichen.“

Der Deutsche Bauernverband rechnet mit leicht steigenden Getreidepreisen. „Ob aber der Getreidepreis bei 18 Euro je Dezitonne oder 25 Euro liegt, was für den Landwirt Welten wären, ist für den Verkauf von Brot oder verarbeiteten Produkten marginal.“ Am Brötchen macht der Getreidepreis gerade noch einmal einen einzigen Cent aus.

Aus gestiegenen Getreidepreisen höhere Produktpreise abzuleiten, wäre grob fahrlässig und habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun, so der Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems, Helmut Bleher.

Einen positiven Aspekt an der Wärme und dem wenigen Niederschlag findet Martin Kugler, Vorsitzender des Maschinenrings: „Wir hatten keine Probleme mit Parasiten.“