Rems-Murr-Kreis

Björn Höcke bekommt eigenes Holocaust-Mahnmal

Holocaust Mahnmal Berlin_0
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin. © Alexander Roth

Bornhagen.
Man stelle sich nur mal folgende Situation vor: AfD-Rechtsaußen Björn Höcke verlässt morgens sein Haus und plötzlich steht das Berliner Holocaust-Mahnmal quasi in seinem Vorgarten. Im Miniaturformat. Klingt verrückt, ist aber Realität.

Warum das Ganze?

Bei einer Rede im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dresdner Gespräche“ von der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD, hatte Björn Höcke im Januar eine „erinnerungspolitische Wende“ gefordert. Er sagte damals wörtlich: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Das wollte die sogenannte Bundeszentrale für politische Schönheit (ZPS), nach eigenen Angaben „eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit“, nicht einfach so stehen lassen.

Wie kommt das Mahnmal dorthin?

Das Kollektiv nahm Höckes Worte zum Anlass, eine Crowdfunding-Aktion zu starten: Mit Slogans wie „Finanziere den erinnerungspolitischsten Beton aller Zeiten!“ oder „Setze Björn Höcke ein Denkmal: Spende jetzt!“ ruft sie die Menschen auf, Bau und Unterhalt des Miniatur-Mahnmals zu unterstützen. Um das Ganze auch realisieren zu können, mietete das ZPS ein Grundstück neben dem Haus des AfD-Politikers im thüringischen Bornhagen.

„Die Zivilgesellschaft finanziert dieses Mahnmal. Das bedeutet: Wir können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht länger auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach knapp einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss in den braunen Ecken in Beton gegossen werden.“ Mit diesen Worten lässt sich ZPS-Gründer Philipp Ruch auf der Crowdfunding-Seite zitieren.

Ein Denkmal als Denkzettel

Schon nach vier Stunden wurde auf der vermeldet, dass das Mahnmal bezahlt und fertig gestellt sei. Fünf Jahre soll es, wenn es nach den Aktivisten geht, auf dem angemieteten Grundstück in Bornhagen stehen, zwei davon sind bereits finanziert. Bis heute mittag konnte man sich noch per Livestream ein Bild vom Geschehen vor Ort machen, Youtube hat das dazugehörige Video jedoch mittlerweile gesperrt.

Der AfD-Politiker wollte sich nach Angaben der Berliner Morgenpost noch nicht zu der Aktion äußern. Er müsse sich erst einmal darüber Gedanken machen. Vielleicht hilft ihm der ungewohnte Anblick der eigens für ihn errichteten Betonklötze ja dabei.