Rems-Murr-Kreis

Blut- und DNA-Spuren belasten Daniel E.

Gericht Symbol Urteil Justiz Symbolbild
Ein Jahr nach der Entführung einer polnischen Pflegekraft in Großaspach beginnt jetzt der Prozess am Stuttgarter Landgericht. © Pixabay/CC0 Public Domain

Stuttgart/Backnang. Die Indizien im Strümpfelbacher Mordfall sprechen immer deutlicher gegen den Angeklagten Daniel E. Besonders eine DNA-Spur an einer Plastikplane belastet ihn schwer. Das ist das Ergebnis des vierten Verhandlungstages.

Die Ermittlungen im Mordfall Katharina K. waren sehr umfangreich. So musste die Spurensicherung neben der Wohnung in der Flurstraße in Backnang – dem mutmaßlichen Tatort – beispielsweise die Wohnung des Angeklagten in Weiler zum Stein, seinen zwischenzeitlichen Wohnort bei seiner besten Freundin in Großbottwar, den Leichenfundort in Asperg sowie ein Gartengrundstück in Ludwigsburg-Eglosheim untersuchen, auf dem die Leiche zuvor offenbar in Brand gesetzt worden war.

Leichenspürhunde reagierten prompt

Dass Katharina K. nicht einfach nur verschwunden war, musste den Beamten dabei schon früh klar geworden sein. Als die Spurensicherung zwei Tage nach der Tat, am 10. November 2017 die Wohnung in der Flurstraße untersuchte, habe der Leichenspürhund im Wohnzimmer prompt reagiert, wie ein Beamter der Spurensicherung vor Gericht aussagte. Ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts untersuchte in der Folge den Boden auf latente, also auch abgewischte, Blutspuren – mit Erfolg. Die Anwendung des Stoffs Luminol machte die Spuren als bläulich schimmernde Flecken sichtbar.

„Wie lange die da aber schon sind, lässt sich nicht sagen“, räumte der Beamte ein. Die DNA-Sachverständige Iris Schimmel machte unmissverständlich klar: Das Blut stammt von Katharina K. Zudem hätte die Spur „recht frisch“ ausgesehen. An der Aussage des Beschuldigten, die 22-Jährige sei am Abend des 8. November 2017 aus der Wohnung gegangen und nicht wieder gesehen worden, lassen diese Funde somit berechtigte Zweifel entstehen.

"Als ob ein Gegenstand gezogen wurde"

Ein weiteres Indiz dafür, dass Katharina K. in ihrer Wohnung umgebracht wurde, fanden die Ermittler im Flur der Wohnung. Unter einem speziellen Licht, auch Crime Lite genannt, zeigten sich auf den Fließen im Flur Wischspuren. „Als ob ein Gegenstand darüber gezogen wurde“ hätten diese ausgesehen, sagte ein Beamter aus. Anhand eines Fotos, das laut Angehörigen Katharina K.s nur wenige Tage vor deren Verschwinden entstanden war, stellten die Ermittler außerdem fest, dass der Teppich vor dem Sofa ausgetauscht wurde. In Daniel E.s Wohnung in Weiler zum Stein fand sich ein Teppich, der nicht näher beschriebene Flecken aufwies – Blutspuren, wie sich herausstellte. Auch jene Spuren konnten zweifelsfrei Katharina K. zugeordnet werden. Die 22-Jährige galt zu diesem Zeitpunkt noch als vermisst.

Darauf, was genau der zweifachen Mutter zugestoßen ist, lässt das rechtsmedizinische Gutachten Rückschlüsse zu, das die Sachverständige Iris Schimmel gestern präsentierte. Sie kam zu dem Schluss, dass die 22-Jährige wohl durch eine „komprimierende Gewalteinwirkung gegen den Hals“ – also durch Erwürgen oder Erdrosseln – zu Tode gekommen sei. Sie stellte zudem eine mehrere Zentimeter tiefe Wunde im Bereich des Brustkorbs fest. Diese könne die Atmung zusätzlich beeinträchtigt sein, als Todesursache komme sie jedoch nicht in Betracht. Weitere Verletzungen stellte Schimmel im Gesicht der Toten fest, hier gehe sie ebenfalls von stumpfer Gewalteinwirkung aus. Mit Sicherheit konnte sie jedoch sagen, dass Katharina K. nicht mehr am Leben war, als ihr Körper in Brand gesetzt wurde.

Spuren vom Opfer - und von Daniel E.

Anhaltspunkte dazu, wo dieser Brand stattgefunden hat, fanden die Ermittler einige Tage nach der Tat in dem Gartengrundstück in Eglosheim. 106 Spuren wurden allein an einem mehrere Quadratmeter großen Stück Plastik gesichert – die meisten stammten von Katharina K., eine davon sei jedoch zweifelsfrei Daniel E. zuzuordnen, führte die DNA-Sachverständige aus.

Die Aufarbeitung des Falls vor Gericht nimmt immer umfangreichere Züge an, weswegen der Vorsitzende Richter noch weitere Verhandlungstermine bis in den März des kommenden Jahres angesetzt hat. Unter anderem hat Daniel E.s Verteidiger Thomas Raich beantragt, den Vater von Katharina K.s ältestem Sohn sowie zwei mutmaßliche Ex-Freunde der jungen Frau vorzuladen. Daraufhin hat nun ein Anwalt der Nebenklage zwei weitere Zeugen vorgeladen. Sie sollen offenbar die Homosexualität des Angeklagten beweisen. Damit will der Anwalt aufzeigen, dass ein Eifersuchtsdrama als Auslöser der Tat ausscheide. Der Prozess wird am 20. November, fortgesetzt.


Unsere Berichterstattung zum Thema

10.11.2017: Öffentlichkeitsfahndung: 22-Jährige vermisst

13.11.2017: 22-Jährige Opfer eines Gewaltverbrechens?

16.11.2017: Frauenleiche gefunden: Ist es die Vermisste?

16.11.2017: Aufgefundene Leiche ist vermisste 22-Jährige

16.05.2018: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes

22.09.2018: Noch kein Geständnis des Lebensgefährten

22.10.2018: Leiche im Schrebergarten: Schlägt Mann im Streit zu?

24.10.2018: Mord an junger Mutter: Familie des Opfers sagt aus

14.11.2018: Mordverhandlung: Sorgerechtsstreit als Motiv?