Rems-Murr-Kreis

CG-Gruppe will Gewa-Tower kaufen

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Die Mietwohnungen am Fuß des Gewa-Towers waren begehrt. Ziehen bald auch im Tower Mieter ein? © Habermann / ZVW

Fellbach. Aufatmen bei den Anlegern des Gewa-Towers: Für den Pleiteturm ist mit der CG-Gruppe ein Investor gefunden, der alle Wohnungen und das Hotel aufkaufen möchte. Zwei Jahre nach dem Baustopp ist die Lösung, wie Insider bestätigen, auf der Zielgeraden. Die zu groß geratenen Appartements sollen aufgeteilt werden.

Beim Investor für den Gewa-Tower handelt es sich um den namhaften Projektentwickler CG-Gruppe mit Sitz in Berlin und Christoph Gröner an der Spitze. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten. Zumindest hinter vorgehaltener Hand wird der Bericht von Beteiligten bestätigt. Die finale Unterschrift unter dem Kaufvertrag steht noch aus, aber „das kann jetzt ganz flott gehen“, heißt es aus informierten Kreisen. Schon einmal sprang ein Käufer kurz vor Abschluss ab. Auch weil der Schock noch tief sitzt und wegen der vereinbarten Schweigepflicht bleibt es von Seiten des vorläufigen Insolvenzverwalters Ilkin Bananyarli bei der Auskunft, dass man sich in konkreten Verhandlungen befinde.

Investor hat Erfahrung mit Hochhaus-Projekten

Kann der Plan wiederum in letzter Minute scheitern? Auszuschließen ist nichts, immerhin müssen 44 Parteien, die bereits eine Wohnung im Tower erworben haben, mitspielen. Allerdings hätten sich alle dazu bekannt, ist zu hören. Das Team um den Insolvenzverwalter habe hervorragende Arbeit geleistet. Die Eigentümer scheinen zudem an einem Strang zu ziehen. Aus Sicht der Anleger wäre der Abschluss eine gute Lösung. Dass sie erhebliche Verluste hinnehmen müssen, liegt nach der Pleite der Bauherren-Familie Warbanoff beziehungsweise ihrer Projektgesellschaft auf der Hand. Zuletzt stieg der Kurs der Gewa-Anleihe von zwischenzeitlich unter 20 auf nunmehr 25 Prozent.

Statt um luxuriöse Eigentumswohnungen soll das bauliche Konzept in Richtung Mietwohnungsbau verändert werden. Dazu müssten die Groß-Appartements, für die sich keine Käufer fanden, aufgeteilt und verkleinert werden. Damit fiele auch die heikle Standortfrage mit Fast-Food-Restaurant und Hauptverkehrsstraße in direkter Nachbarschaft weniger ins Gewicht. Die von den Bauherren erträumte Veräußerung des Luxus-Appartements an der Hausspitze an einen Sport-Star als Zugpferd für den Verkauf hatte sich vor Jahren zerschlagen.

Baulich in gutem Zustand

Baulich befindet sich der Turm in gutem Zustand, das bescheinigte der TÜV und bestätigen Fachleute. Den Wirbel um eine Liste von etwa 50 kleineren Baumängeln, die zum Absprung des einstigen Kauf-Favoriten führte, stufen Kenner eher als Lachplatte ein – oder als Winkelzug, um den Preis zu drücken. Bei Projekten dieser Größenordnung sei ein Vielfaches an Mängeln üblich, zudem werde einfach „jeder Kratzer“ erfasst. Das Fellbacher Hochhaus stehe blitzblank da, schwäbische Wertarbeit eben, und als hätte jemand regelmäßig Kehrwoche gemacht.

Die CG-Gruppe AG ist eine bundesweit tätige Immobilienentwicklungsgesellschaft und wurde von Christoph Gröner, dem heutigen Vorstandsvorsitzenden, gegründet - daher die namensgebenden Initialen. Hochhäuser sind dort Spezialität: Aktuell plant die Gruppe unter anderem die Umwandlung des als Büroturm gebauten „XBerg-Towers“ am Halleschen Ufer in Berlin in ein Hochhaus mit 280 Appartements. Im Bau befindet sich der „Upper Nord Tower“ in Düsseldorf als Hochhaus mit 120 Metern Höhe und 400 Wohnungen – größer als der Gewa-Tower. Schon komplett vermietet, wenn auch noch nicht fertig saniert, ist der ehemalige Bürokomplex Steglitzer Kreisel mit ebenfalls 120 Metern.


Gewa-Management „katastrophal versagt“

Weiter unklar ist, inwiefern die Gewa-Pleite ein juristisches Nachspiel haben wird. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sollte prüfen, ob ein Anfangsverdacht auf Insolvenzverschleppung vorliegt. Zum aktuellen Stand will sie sich derzeit nicht äußern.

Geäußert hat sich unlängst jedoch im Bond-Guide Hans-Jürgen Friedrich, Geschäftsführer des mit rund zwei Millionen Euro im Gewa-Tower investierten Deutschen Mittelstandsfonds: Das Management habe nicht nur „katastrophal versagt“, sondern Investoren, der Rating-Agentur und der emissionsbegleitenden Bank seiner Einschätzung nach nicht die Wahrheit gesagt. Noch eine Woche vor der Insolvenzanmeldung habe Gewa mitgeteilt, dass keine Liquiditätshilfen benötigt würden. Der Fall Gewa zeige, dass sich Investoren ihrer rechtlichen Stellung bewusst werden und ihre Rechte konsequent verfolgen müssten. Wenn aber bei Emittenten auch noch „kriminelle Energie“ ins Spiel komme, hätten haben alle Adressen gemeinsam schlechte Karten.