Rems-Murr-Kreis

Chaos auf der Rems- und Murrbahn

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen/Stuttgart.
„Das Chaos auf Rems- und Murrbahn muss aufhören“, sagt Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. „Pendler brauchen Verlässlichkeit, kein Verspätungs-Chaos, sonst fahren die ganz schnell wieder mit dem Auto.“

Diese Woche zeigte einmal mehr auf, dass Zugpendler derzeit viel Geduld brauchen. Störungsmeldungen an Störungsmeldungen des VVS reihten sich aneinander. Am Freitag setzte sich die Kette nahtlos fort: „Wegen einer technischen Störung an der Strecke von Winnenden nach Backnang, kann es bei den S-Bahnen der Linie S3 Richtung Backnang ab Winnenden zu Verspätungen kommen. Ebenfalls kann es bei den Zügen der R3 zu Abweichungen kommen.“

Pünktlichkeitswerte rauschen in den Keller

Die Pünktlichkeitswerte der S 2 und insbesondere der S 3 rauschten in den Keller. Sei es wegen einer Signalstörung, Arbeiten an der Brandmeldeanlage in einem Tunnel, einer technischen Störung an der Strecke oder zuletzt wegen eines kaputten Gleises in Fellbach.

Um die schlechten Zustände auf der Remsbahn gegenüber der DB Region zu verdeutlichen, hatte Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl unabhängig von den aktuellen Störungen in dieser Woche zu einer gemeinsamen Testfahrt und zu einer Besichtigung des Stellwerks in Stuttgart eingeladen. Mitinitiator der Fahrt ist Ulrich Scheurer, der CDU-Fraktionsvorsitzende in Plüderhausen. Er hat als Bahnpendler eine Liste von Zugausfällen gesammelt und schreibt in einer Mail von „katastrophalen Missständen.“

Die Reklamationen häufen sich

Ein Empfänger dieser Mail ist Jochen Haußmann, der von mehreren genervten Pendlern in den vergangenen zehn Wochen Handyfotos mit Verspätungsnachrichten erhielt. Haußmann hatte das Verkehrsministerium wegen sich häufender Reklamationen angeschrieben und nahm an der Testfahrt teil, die man sich seiner Meinung nach aber „hätte sparen können“.

In einer schriftlichen Stellungnahme bringt er seinen Verdruss zum Ausdruck: „Ihr Ziel war eher Beschwichtigung denn Verbesserung.“ Er habe nicht den Eindruck, dass das Verkehrsministerium ein besonderes Engagement für „entscheidende Verbesserungen“ zeigt.

Insbesondere die Frage nach einer Entschädigung oder mindestens einer Entschuldigungsaktion gewinne damit neues Gewicht - „auch wenn weder die DB Regio noch das Verkehrsministerium dies auf meine Nachfrage als notwendig ansehen“, so Haußmann, selbst ein Verspätungs-Geplagter, der die Bahn auf dem Weg zur Arbeit und zu Terminen nutzt.

Rems: Bei Zugausfällen ganz vorn

Aktuell liege die Zugausfallquote auf der Remsstrecke je nach Woche im landesweiten Vergleich auf Platz eins, zwei oder drei: „Es nutzt aber keinem Fahrgast auf der Remsbahn etwas, wenn es auf der Murrbahn oder sonstwo im Land schlimmer ist“, sagte Haußmann. Auch die statistische Botschaft, dass Ende September jeder 16. Zug ausfiel und aktuell jeder 33. Zug sieht er nicht als nachhaltige Besserung an, sondern als Herausforderung für die Bahn, aber auch an das Land an: „Die Regierung kann nicht Feinstaubalarm ausrufen lassen, Fahrverbote verhängen wollen und dann die Menschen, die auf den Bahnsteigen stehen, dort stehen lassen, weil die Züge weder alle noch pünktlich fahren.“

Wenn es zu Zugausfällen und Verspätungen kommt, entspreche dies nicht der Dienstleistung, die die Fahrgäste erwarten dürfen. „Und deshalb bleibt auch das Thema Entschädigung auf der Tagesordnung. Ich werde an dem Thema dranbleiben“, so Haußmann.

Beim Ortstermin mit Vertretern des Verkehrsministeriums und von DB Regio hatte ein Zug am Nachmittag auf der Remsstrecke erneut 20 Minuten Verspätung. Die zwei Plüderhäuser Gemeinderäte Dr. Thomas Häußermann und Josef Ebermeyer, die sich ebenfalls ein Bild von der Situation machen wollten, haben vorgesorgt: „Wir haben vorsichtshalber eine Bahn früher genommen“, sagte Häußermann. Als Jochen Haußmann nach dem Stellwerk-Rundgang auf dem Handy nach der Abfahrtzeit für die Testfahrt schaute, bekam er von der Bahn-App „vier Minuten Verspätung“ angezeigt.

„Begründung Nummer 30“

Da traf es sich gut, dass er justamente einen Fachmann, den Hausherrn und Bezirksleiter Betrieb Uwe Geiger, neben sich stehen hatte. Geiger erklärte den Besuchern die Funktionsweise des 30 Jahre alten Drucktastenstellwerks, eines der „größten und weitverbreitetsten seiner Art“ und einst das modernste.

Auf Haußmanns Frage erkundigte sich Geiger direkt beim Fahrdienstleiter und erhielt die Auskunft: „Begründung Nummer 30“. Das heißt: „Mangel am Oberbau zwischen Grunbach und Schorndorf, der Zug darf nur mit einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 70 Stundenkilometern fahren.“