Rems-Murr-Kreis

Christi Himmelfahrt

vesperstock vesper wandern wanderstock
Statt dem Vatertag feiern die Christen ein zweites Ostern. © Joachim Mogck

Waiblingen. Wenn Väter die Wanderstiefel schnüren, Großfamilien sich aufs Rad schwingen und der Gartengrill angeworfen wird, steht Christi Himmelfahrt im Kalender. Längst hat ihn auch der Handel für sich entdeckt und an diesem Tag den Vatertag ausgerufen. Die Christen feiern an Himmelfahrt dagegen ein zweites Ostern. Der auferstandene Christus nimmt seinen Platz bei Gott ein.

Ganz einfach zu verstehen sind dieser Feiertag und der Zeitraum nach Ostern gewiss nicht. Die meisten wissen: An Ostern ist Jesus von den Toten auferstanden. Danach begegnet er der Bibel zufolge seinen Jüngern noch ein paar Mal. Doch er hat sich verändert, taucht auf und verschwindet, und auf Anhieb erkennen ihn seine Jünger nicht mehr. „Er hat nicht mehr die Grenzen von Raum und Zeit“, sagt der katholische Pfarrer Franz Klappenecker. Kein Wunder also aus unserer heutigen Sicht, dass sein Jünger Thomas Beweise verlangt. Und bevor er glaubt, dass Jesus lebt, erst mal dessen Wunden berühren will.

Thomas, der Zweifler

Der ungläubige Thomas - Thomas, der Zweifler: Das ist eine Person, die Pfarrer Klappenecker überaus sympathisch ist. „Ich bin froh, dass es die Thomas-Geschichte gibt“, sagt der Pfarrer. „Sie bestätigt: Es ist berechtigt, zu fragen und zu zweifeln. Ja, der Glaube reift am Zweifel.“ Was dem Pfarrer darüber hinaus an Thomas gefällt, und was diesen wohl von vielen modernen „Zweiflern“ unterscheidet: Obwohl er alles in Frage stellt, setzt er sich nicht ab, sondern bleibt bei den Jüngern. Klappenecker: „Das gibt die Möglichkeit, Glaubenserfahrungen zu machen.“

„Bei einer Kugel ist oben überall“

Eine Frage des Glaubens ist auch Christi Himmelfahrt. Die Vorstellung dahinter: Der gekreuzigte und wiederauferstandene Jesus verlässt seine Jünger und fährt zu Gott in den Himmel auf. „Diese Vorstellungen haben sich nach dem alten Weltbild entwickelt“, erklärt der Pfarrer. Als die Menschen noch davon ausgingen, dass die Erde eine Scheibe sei und sich der Himmel darüber wölbt. Heute stimmt das Bild nicht mehr - „bei einer Kugel ist oben überall“.

Jesus und der Sport

Trotzdem, ist der Pfarrer überzeugt, ist Christus aufgestiegen. Allerdings in anderem Sinne als die Menschen früher annahmen. Pfarrer Klappenecker verweist hier auf die Sprache des Sports, wo Aufsteigen bedeutet, einen anderen Tabellenplatz zu erreichen. Und auch Christus habe einen anderen Platz eingenommen: „Am Kreuz hatte er den letzten Platz, den Platz des Verbrechers. Jetzt hat er den ersten Platz zur Rechten Gottes.“ So gesehen sei Himmelfahrt ein weiterer Aspekt von Ostern. Der auferstandene Christus, der nicht mehr recht greifbar war, nimmt nun seinen Platz bei Gott ein. „Mit ,oben’ hat das nichts zu tun“, sagt Klappenecker. „,Oben’ entsprang dem alten Weltbild.“

Eine andere Wirklichkeit

Was aber ist denn nun aufgestiegen? Früher gingen die Gläubigen fest davon aus, dass Jesus mit seiner ganzen Gestalt zu Gott emporstieg. „Die Identität bleibt, aber nicht in Gestalt des Körpers“, glaubt dagegen der Pfarrer. „Was ein Mensch in seiner Einmaligkeit ist und was ihn ausmacht, bleibt.“ Über das menschlich Fassbare geht das hinaus: „Es ist eine andere Wirklichkeit. Eine, die über das für uns jetzt Erfahrbare hinausgreift.“

"Es ist nicht wichtig, ob das Grab leer war"

Ob das Grab, wie es die Bibel überliefert, tatsächlich leer war - eine Frage, die sogar Filmemacher umtrieb - ist für Pfarrer Klappenecker nicht wichtig. Mit dem leeren Grab habe man damals argumentiert, um den Glauben an die Auferstehung zu stärken, so Klappenecker. „Für mich spielt das keine Rolle. Es geht darum, dass Jesus seinen Platz bei Gott eingenommen hat. Das reicht mir. Das ist die Basis meines Glaubens, dass auch andere einen Platz bei Gott haben werden.“

Himmelfahrt

  • Seit Ende des vierten Jahrhunderts begehen die Christen Himmelfahrt.
  • Christi Himmelfahrt wird 40 Tage nach Ostern, also immer an einem Donnerstag gefeiert.
  • Sowohl das Lukas-Evangelium als auch die Apostelgeschichte berichtet, wie Jesus, nachdem er von den Toten auferstanden war und immer wieder mit seinen Jüngern gesprochen hatte, vor ihren Augen emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen wurde (Lukasevangelium 24, 51; Apostelgeschichte 1, 9).