Rems-Murr-Kreis

Cosima und Cosan als Weg zur Öffnung? Landkreis entwickelt Software zur Erfassung der Schnelltests

Schnelltest
Sind Schnelltest in Schulen und Betrieben digital erfasst, soll das Ergebnis als Nachweis auch anderswo gelten © Gabriel Habermann

Der Kreis plant, die Software-Lösung hinter dem Corona-Schnelltestportal zu erweitern: Konkret sollen auch Selbst-Schnelltests, die etwa in der Schule oder im Betrieb unter Aufsicht gemacht wurden, per Web-App erfasst und perspektivisch als Nachweis genutzt werden können.

Die dritte Welle der Corona-Pandemie gleicht einem Balance-Akt: Einerseits muss hier und jetzt die dritte Welle gebrochen werden, andererseits fordern Unternehmen und Bürgerschaft zurecht kreative Lösungen und Öffnungsperspektiven für die kommenden Wochen und Monate ein. „Auch, wenn aufgrund steigender Infektionszahlen im Moment Ausgangssperren leider wahrscheinlicher sind als Öffnungen, müssen wir jetzt die Zeit nutzen und in verlässliche Strukturen investieren“, betont Landrat Dr. Richard Sigel. „Das war uns im Rems-Murr-Kreis seit Beginn der Pandemie immer wichtig: Vorausschauend in funktionierende Strukturen zu investieren ist der Kern unserer Strategie. Das hat sich bei unseren Testzentren für Schulen und Kitas schon letzten Herbst, aktuell beim Aufbau eines kreisweiten Schnelltestportals, aber auch bei der Infektionsstation der Rems-Murr-Kliniken bezahlt gemacht.“

Bereits vor Ostern Schulleiter angeschrieben

Deshalb hat der Landrat bereits vor Beginn der Osterferien die Schulleiter im Landkreis angeschrieben und eine Lösung zur digitalen Erfassung von Schnell-Selbsttests angekündigt, die auf den geschaffenen Strukturen aufbaut. „Auch wenn vom Land nach wie vor klare Regelungen fehlen, wie die Testungen in den Schulen nach den Ferien ablaufen sollen, bereiten wir uns in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Backnang vor.“

Der Rems-Murr-Kreis arbeite mit Hochdruck daran, die Software hinter dem Schnelltestportal (Cosan) zu erweitern. Konkret sollen auch Selbst-Schnelltests, die etwa in der Schule oder im Betrieb unter Aufsicht gemacht wurden, per Web-App erfasst und auf lange Sicht als Nachweis genutzt werden können. Dieses Modell könnte nach der Vorstellung des Kreises neben stationären Testzentren ein wichtiger Baustein für die Ermöglichung niederschwelliger und flächendeckender Corona-Schnelltests sein und damit Öffnungen flankieren. Die Softwarelösung hat den Projektnamen „Cosima“ und wurde vom Landkreis am 31. März bei einem gemeinsamen Termin auch Vertretern der IHK, der Kommunen und Vertretern der Gastronomie, des Einzelhandels und der Kultur vorgestellt.

„Neben den Schnelltests, die von geschultem Personal in einem Testzentrum gemacht werden, kommen nun immer mehr Selbst-Schnelltests zum Einsatz, etwa in Schulen und in den Betrieben. Deshalb war es für uns wichtig, diese Selbst-Schnelltests in unser System einzubinden und zu vernetzen“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel. Schließlich brauche es bei einer möglichen Öffnung in einem Flächenlandkreis ein Netz an ineinandergreifenden digitalen Lösungen. Im Gegensatz zum Tübinger Modell, das mit stationären Testzentren auf eine Innenstadt ausgelegt ist.

Gemeinsam mit IHK-Präsident Claus Paal an die Betriebe gewandt

„Durch die Anbindung an das Gesundheitsamt erleichtern wir mit unseren digitalen Lösungen zudem die Nachverfolgung der Kontaktpersonen erheblich“, so der Landrat weiter. „Die Luca-App ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Allerdings fehlt aus unserer Sicht die Einbindung der Selbsttests“, so der Landrat weiter. „Deshalb möchten wir der Luca-App quasi eine kleine Schwester an die Seite stellen: Die Cosima-App. Gemeinsam könnten Luca, Cosima und Cosan ein starkes Team für mehr Sicherheit durch digitale Vernetzung werden.“

Der Landrat hat sich dazu auch gemeinsam mit IHK-Präsident Claus Paal an die Betriebe gewandt: „Es ist wichtig, dass der Landkreis die Betriebe mit seinen Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung der Testungen unterstützt, nicht zuletzt mit Blick auf mögliche (Modellprojekte zu) Öffnungen.“ In einem Arbeitstreffen mit der IHK-Bezirkskammer, Vertretern der Städte und Gemeinden, von Gastronomie, Einzelhandel und Kultur sei vorgestellt worden, wie dieses Netzwerk der Testzentren weiter ausgebaut werden soll und durch die Einbindung von Selbst-Schnelltests auch aus den Unternehmen gestärkt werden soll.

Siegel und Paal schreiben weiter: „Allen Unternehmen im Landkreis bieten wir an, diese Softwarelösung für die Erfassung von Selbst-Schnelltests in Unternehmen kostenlos zu nutzen. Die Softwareentwicklung ist beauftragt, bedarf aber eines gewissen Vorlaufs, da der Landkreis Wert auf eine sehr benutzerfreundliche Lösung legt. Die Fertigstellung der Software mit anschließendem „Rollout“ ist spätestens in der zweiten Woche nach Ostern geplant. Wir beginnen in der ersten Schulwoche nach den Osterferien in den Schulen, parallel dazu aber auch nach und nach in interessierten Unternehmen.“

Mit der neuen Software befände sich den Nachweis schon direkt auf dem eigenen Smartphone

Die Einführung des neuen Systems soll einen großen Vorteil bringen: Mit der neuen Softwarelösung soll die Erfassung und Dokumentation der Testergebnisse nach § 4a der neuen Corona-Verordnung sichergestellt werden. Konkret bedeute dies, dass die Tests als „Testung durch einen geschulten Dritten“ bei möglichen Öffnungsschritten als Nachweis dienen können. Angestellte der Betrieb müssten sich dann also nicht am selben Tag erneut in einem Testzentrum testen lassen, beispielsweise wenn ein entsprechender Nachweis für Aktivitäten wie Restaurantbesuche, Kultur, Sport etc. gefordert wird. Mit der neuen Softwarelösung befände sich den Nachweis schon direkt auf dem eigenen Smartphone. Die Unternehmen könnten niederschwellig Selbst-Schnelltests nutzen und müssten kein stationäres Testzentrum einrichten.