Rems-Murr-Kreis

Darum gibt es keine Störche im Rems-Murr-Kreis

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Dieser Storch fand vor sechs Jahren die Wiese an der Strümpfelbacher Straße in Endersbach ganz angenehm. Doch offenbar gefiel es ihm woanders noch besser – geblieben ist er nicht. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Waiblingen. War leider wieder nichts mit den Störchen in diesem Jahr: Von März bis Juni ist die Brutzeit der markanten, großen Vögel, doch im Rems-Murr-Kreis hat sich kein Paar niedergelassen. Der Kreis sei „nicht optimal geeignet“, heißt es aus dem Landratsamt. Und daran wird sich womöglich auch in den kommenden Jahren nichts ändern.

Im Jahr 2013 war’s, also vor sechs Jahren, als im Februar ein Weißstorchenpaar die Spaziergänger am Ende der Strümpfelbacher Straße in Endersbach in Aufregung versetzte. Bis Ende März hatte der Nabu von Weinstadt eine Nisthilfe aufgebaut, die einer der Störche sogar genau inspizierte. Doch leider wurde es nichts mit dem Familienglück. Und seither machen sich die großen Vögel wieder rar im Kreis.

„Die letzten Bruten“, heißt es aus dem Landratsamt, „stammen aus den 1940er Jahren“. Dabei sieht es bei den Störchen baden-württemberg-weit betrachtet wieder etwas besser aus. War die Population mit 15 Brutpaaren im Jahr 1975 auf einem absoluten Tiefststand, brüten heute wieder über 1000 Paare, Tendenz steigend.

Viele Wiesen seit Jahrzenten trockengelegt

Störche brauchen feuchte Wiesen. Sie ernähren sich von Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Mäusen, Ratten, Fischen, Eidechsen, Schlangen sowie von Aas. Um die Beute zu fangen, schreiten die Vögel durch die Wiesen und stoßen dann blitzschnell mit dem Schnabel zu.

Viele Wiesen an der Rems und an allen anderen Bächen im Rems-Murr-Kreis sind seit Jahrzehnten trocken gelegt. Es gibt keine Sumpfwiesen, kaum naturbelassene, blüten- und artenreiche Landstücke mehr. Störche, die hier landen, müssen arg suchen, um ihren Hunger zu stillen.

Zwar schließt der Kreis im Rahmen des Kreispflegeprogramms mit Landwirten Verträge ab, in denen eine extensive Pflege von blütenreichen Mähwiesen, Magerrasen und Gehölzen vereinbart ist und gefördert wird. Das heißt: Die Landwirte sollen nicht mehr düngen und überhaupt so wenig wie möglich auf ihrem Gelände tun. Denn nur so kann sich die Artenvielfalt wieder erholen. Das Programm ist Teil der Landschaftspflegerichtlinie, die das wichtigste Instrument der Naturschutz-Förderung in Baden-Württemberg ist. In 2019 stehen dem Rems-Murr-Kreis 350 000 Euro zur Verfügung. Das sei „eine Rekordsumme“.

Der Kreis kann inzwischen stolz auf über 100 Hektar Flachland-Mähwiesen im Welzheimer Wald blicken, auf 135 Hektar von Landwirten mit Blühmischungen begrünte Brachefelder, auf zehn Hektar Blühflächen auf dem Schmidener Feld, die dem Rebhuhn zugute kommen sollen, auf 40 Hektar Biotope und so weiter.

Mehr Hilfe fürs Rebhuhn, das gefährdet ist

Doch keine dieser Maßnahmen widmet sich explizit dem Storch. Es ist zwar möglich, dass sich die großen Vögel im einen oder anderen wieder artenreich gewordenen Gebiet auch wohlfühlen können. Doch in den Naturschutzgebieten und den sogenannten „Flora-Fauna-Habitat“-Gebieten gehe es vor allem um Arten, die gefährdet seien. Wie das schon genannte Rebhuhn zum Beispiel. Oder der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein Schmetterling, der zukünftig bei Murrhardt sein passendes Biotop finden soll. Der Storch dagegen nehme, wie auch in der Naturschutzstrategie des Landes, keine große Rolle ein. Die Population steige ja – „nur eben nicht bei uns“.


Schwarzstörche und ihr Lebensraum

Gute Nachrichten für Fans des sehr scheuen Schwarzstorches. Dieser schwarz-schillernde kleinere Verwandte des Weißstorches war in Baden-Württemberg komplett ausgestorben. Doch heute brüten wieder 50 Brutpaare im Land.

Im Rems-Murr-Kreis, so die Auskunft aus dem Landratsamt, werde er zwar regelmäßig gesichtet, doch eine Brut konnte noch nicht nachgewiesen werden.

Die Vögel leben sehr versteckt in Laubwäldern und Laubmischwäldern mit Lichtungen, Fließgewässern, Tümpeln und Teichen. Auch waldnahe, feuchte Wiesen gehören zum Lebensraum dieser Vögel.

Der Schwarzstorch ernährt sich in noch viel stärkerem Maße als der Weißstorch von Tieren, die am und im Wasser leben. Das heißt, der Schwarzstorch ernährt sich von Fischen, Fröschen und Molchen.

Mäuse – der Weißstorch frisst diese Säuger gern – stehen so gut wie gar nicht auf dem Speiseplan.