Rems-Murr-Kreis

Das ändert sich ab 9. Juni bei der Remsbahn

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Ab sofort öffnen sich die Türen bei Go-Ahead-Fahrzeuge an allen Haltestellen automatisch. © Joachim Mogck

Essingen. Am Bahnhof Essingen rauschen die Züge vorbei. Seit Jahren hält dort kein Zug mehr. Die gelbe Fassade des Bahnhofs bröckelt. Doch neben dem alten Bahnhof hat Go-Ahead, der künftige Betreiber der Remsbahn, ein modernes Werkstattgebäude hochgezogen. Hier werden die 66 Go-Ahead-Züge in Baden-Württemberg gewartet, mit denen das britische Bahnunternehmen seine neuen Strecken bedient.

Warum Go-Ahead und nicht mehr die DB Regio?

Im Jahr 2016 hatte Go-Ahead Ausschreibungen des Landes für die sogenannten Stuttgarter Netze gewonnen und die DB Regio aus dem Rennen geworfen. Die Deutsche Bahn beziehungsweise ihre Vorgänger hatten traditionell die vor über 150 Jahren eröffnete Remsbahn betrieben. Allerdings in der jüngsten Vergangenheit nicht mehr zur Zufriedenheit der Kunden. Altes, störanfälliges Wagenmaterial sorgte für Dauerärger.

Der heutige Preis für den Zugkilometer ist übrigens nur halb so hoch wie 2003, als die DB Regio noch den Zuschlag erhielt. Es handelte sich damals um einen politischen, völlig überteuerten Preis. Im Gegenzug erklärte sich die Bahn bereit, den Wunsch der damaligen CDU-geführten Landesregierung zu erfüllen und Stuttgart 21 zu bauen.

Welche Züge sind auf der Remsbahn unterwegs?

Go-Ahead verfügt über eine Flotte von insgesamt 66 Stadler-Flirt unterschiedlicher Konfigurationen und Ausstattungen. Die voll klimatisierten Fahrzeuge für die Baden-Württemberger Netze bieten je nach Ausführung Platz für mehr als 700 Fahrgäste und verfügen über bis zu 328 Sitzplätze, schrieb das Verkehrsministerium in einer Pressemitteilung. Der Fahrgastbereich ist barrierefrei und mit einer durchgängigen Niederflurigkeit stufenlos begehbar. Die Einstiegsbereiche verfügen über Spaltüberbrückungen und Schiebetritte, ein zeitgemäßes Fahrgastinformationssystem sowie über Fahrgast-WLAN in allen Teilen des Zuges. Mehrzweckbereiche bieten Raum für den Transport von Fahrrädern.

Wie häufig fahren die Regionalzüge?

Montags bis samstags soll die Regionalbahn ab Juni 2019 im Remstal jede halbe Stunde fahren, sonntags stündlich. Der Interregio-Express (IRE) nach Karlsruhe fährt dann alle zwei Stunden.

Wie oft müssen die Züge zur Wartung nach Essingen?

Ein Zug muss nach 40 bis 50 Tagen zur Wartung nach Essingen, also nach 40 000 Kilometer. Täglich spulen die Fahrzeuge etwa 700 bis 1000 Kilometer herunter.

Welche Strecken bedient Go-Ahead in Baden-Württemberg künftig außer Stuttgart-Aalen?

Ab dem 9. Juni 2019 wird Go-Ahead alle bisher von der Deutschen Bahn bedienten Leistungen im Regionalverkehr zwischen Aalen und Stuttgart anbieten, auch den abwechselnd mit dem Intercity fahrenden Interregio-Express bis Karlsruhe. Weitere Strecken sind ab Dezember 2019 Stuttgart-Geislingen (Steige)-Ulm sowie Stuttgart-Heilbronn-Würzburg. Zudem erhielt Go-Ahead 2017 den Zuschlag für den Betrieb des baden-württembergischen Netzes 3a „Murrbahn“ (Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental – Crailsheim – Nürnberg).

Wie und wo bekomme ich ab 9. Juni Tickets?

Für Nutzer von Bahncard, Verbundfahrkarten, DB-Tickets inklusive Job-Tickets und Abos werden sich auch nach der Betriebsaufnahme im Juni 2019 bezüglich der Gültigkeit voraussichtlich keine Veränderungen ergeben, so Go Ahead. Die derzeit genutzten Fahrscheine/Fahrscheinkombinationen bleiben gültig. Wie das Verkehrsministerium erklärte, spiele auch in Zeiten von Handytickets und Onlinevertrieb der persönliche Ticketverkauf eine wichtige Rolle. Darum wurden die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Regionalverkehr vertraglich dazu verpflichtet, an den bestehenden Standorten bzw. im direkten Umfeld von Bahnhöfen auch in Zukunft den Fahrkartenkauf für den Nahverkehr am Schalter zu ermöglichen. In Schorndorf wird Go-Ahead laut Verkehrsministerium eine Verkaufsstelle in der Rosenstraße 2 einrichten, das DB-Reisezentrum bleibt bestehen. An allen anderen Bahnhöfen ändert sich nichts.


Alte oder neue Züge?

Der Countdown läuft. Noch gut 40 Tage bis zum 9. Juni, wenn der Bahnbetreiber Go-Ahead den Zugverkehr auf der Remsbahn übernimmt. Ob der neue Betreiber allerdings schon mit den neuen gelbweißen Stadler-Flirt-Zügen startet oder ob Go-Ahead mit alten Zügen auf die Schienen gehen muss, ist derzeit offen. Für die 28 Züge des Schweizer Zugherstellers Stadler liegt noch keine Zulassung vor.