Rems-Murr-Kreis

Das sagen Metzger aus dem Rems-Murr-Kreis

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Hochwertiges Fleisch hat seinen Preis. © ZVW/Hardy Zürn

Schorndorf. Der Schorndorfer Metzgermeister Ulrich Fritz hält höhere Fleischpreise für eher kontraproduktiv im Sinne des Tierwohls. Bestraft würden schließlich auch die Kunden, die schon heute bereit seien, für qualitativ hochwertiges Fleisch mehr zu bezahlen. Ulrich Fritz ist seit 17 Jahren Obermeister der Fleischer-Innung Rems-Murr.

Der Weltklimarat ruft dazu auf, auf Fleisch zu verzichten – dem Klima zuliebe. Denn die Menschheit esse mehr Fleisch, als für das Klima gut sei. Der Vorschlag eines grünen Politikers, den Mehrwertsteuersatz für Fleisch zu erhöhen und die Mehreinnahmen dem Tierwohl zugute kommen zulassen, zieht Kreise und erhitzt die Gemüter in diesem Sommer.

Für den Schorndorfer Metzgermeister ist das Argument Tierwohl zweischneidig. Wer auf eine artgerechte Aufzucht der Tiere Wert legt, macht bereits einen weiten Bogen ums Billigfleisch und sei schon heute bereit, beim Metzger mehr fürs Fleisch auszugeben.

Abschied von der Massentierhaltung – schon aus Gründen der Qualität

Die Schorndorfer Metzgerei Fritz hat deshalb bei Schwein und Pute vor Jahren umgestellt und kauft beispielsweise Puten bei einem Zuchtbetrieb vom Bodensee ein, sagt Ulrich Fritz. Schon aus Gründen einer besseren Fleischqualität. Doch dieser Landwirt komme aufgrund der hohen Nachfrage mit den Lieferungen oft nicht hinterher. Dann gebe es bei ihm eben erst in der nächsten Woche wieder Pute.

Der Markt hat sich gespalten. Auf der einen Seite die Sonderangebote aus der Massentierhaltung, auf der anderen Seite Metzgereien mit hochwertigem Fleisch. Und das habe seinen Preis. Die Kundschaft in den Metzgerfachgeschäften kaufe zwar weniger, aber dafür besseres Fleisch. Als Metzgermeister kann Ulrich Fritz über diesen Trend nicht klagen. Die Geschäfte der Metzger zwischen Rems und Murr laufen gut.
 

 


"Es gibt Chancen wie noch nie!"

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Innungsmitglieder halbiert. Als Fritz vor 17 Obermeister geworden ist, waren es noch rund 70 Mitgliedsbetriebe. Heute seien es noch 35. Hinzu kämen noch zwei Handvoll Direktvermarkter. Verschwunden seien die Ein- und Zweimann-Betriebe, bei denen die Frau den Verkauf machte. Das Metzgersterben sei längst Vergangenheit.

Die heutigen, modernen Betriebe seien stärker denn je. „Es gibt Chancen wie noch nie!“, sagt Fritz und wirbt ganz nebenbei um Nachwuchs. Denn der Beruf des Fleischers sei bei jungen Leuten verschrien und sie machten einen weiten Bogen um eine Ausbildung.

Umsonst ist bessere Qualität nicht zu haben

Hochwertiges, auch im Sinne des Tierwohls erzeugtes Fleisch ist in. So hat auch die Schorndorfer Metzgerei Kurz ihre Nische gefunden. Thomas Kurz und seine beiden Söhne Hannes und Alex setzen auf regionale und gentechnikfreie Fleisch- und Wurstwaren. Immer mehr Verbraucher seien bereit, für qualitativ hochwertige Produkte höhere Preise zu zahlen, ist ihre Einschätzung. Denn umsonst sei bessere Qualität nicht zu haben. Kurz hat mit fünf Schweine- und etwa 20 Rindermästern eine Erzeugergemeinschaft gebildet. Er garantier den Bauern etwa zehn Prozent höhere Preise, um deren Mehraufwand zu honorieren.

Thomas Kurz ist überzeugt, dass seine Kunden bereit sind, den Preis zu zahlen. Er hält es auch keineswegs für ehrenrührig, wenn die neugierigen bis misstrauischen Kunden fragen, woher die Rinder und Schweine in der Auslage stammen. Eine regionale Erzeugung mit kurzen Transportwegen sei ebenso im Sinne des Tierwohls, wie ein Stall mit großer Fläche und viel Auslauf.


Für das Tierwohl

Die Diskussion über höhere Fleischpreise hat kürzlich der grüne Bundestagesabgeordnete Friedrich Ostendorff losgetreten: „Ich bin dafür, die Mehrwertsteuerreduktion für Fleisch aufzuheben und zweckgebunden für mehr Tierwohl einzusetzen“, sagte der Landwirt und stellvertretende Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einem Interview.

Applaus bekam er von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), die die Diskussion begrüßte. Mehr Tierwohl sei aber nicht zum Nulltarif zu haben. Klöckner hat vor einem halben Jahr ihr Tierwohl-Label vorgestellt. Das stößt jedoch nicht nur bei Tierschützern auf Kritik, da es auf freiwilliger Basis erfolgt und die Kriterien als zu lasch gelten. Auch der Schorndorfer Metzger Thomas Kurz hält Klöckners Label für völlig unzureichend.