Rems-Murr-Kreis

Dauerregen erwünscht: Der Wald ist zu trocken

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Diese Buche hat den vergangenen Sommer wohl nicht überlebt. Damit im kommenden Sommer die Bäume nicht wieder wegsterben, muss es noch mehrere Wochen lang regnen. © ZVW/Gabriel Habermann

Rems-Murr-Kreis.
Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich beim Rest der Bevölkerung unbeliebt macht: Dagmar Wulfes, die neue Leiterin des Kreisforstamts in Backnang, träumt von weiteren vier Wochen Regen. Nicht von solch Güssen, wie sie in den letzten Tagen vom Himmel platschten. Sondern von einem sanften aber lang andauernden Landregen.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ mit Sitz in Leipzig veröffentlicht auf seiner Homepage tagesaktuelle Karten zum Dürrezustand des Bodens. Dabei wird unterschieden zwischen dem Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe und dem Gesamtboden bis 180 Zentimeter Tiefe. Was den Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe angeht, sieht’s zurzeit echt prima aus. Gras, Kräuter und Blumen können aus dem Vollen schöpfen. Dagmar Wulfes geht in dieser Einschätzung sogar noch weiter: „Bis in 60 Zentimeter Tiefe ist die Welt in Ordnung.“ Doch das „reicht für den Wald im Leben nicht“. Da hat auch das Hochwässerle der ersten Februartage nichts daran geändert.

Sommer 2018: Der Boden trocknete bis in mehrere Meter Tiefe durch

In den Jahren vor 2018, sagt Dagmar Wulfes, war das Erdreich bis in 2,50 Meter Tiefe so durchfeuchtet, dass die Fachleute die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen bei 100 Prozent verorteten. Und dann kam der Hitzesommer. Der Boden trocknete bis in die Tiefe durch. Und hat sich seither nicht mehr richtig erholt. Das Zentrum für Umweltforschung hat seiner Karte für den Dürrezustand des Gesamtbodens bis 180 Zentimeter Tiefe die Farben Gelb und Apricot gegeben. Das heißt: „ungewöhnlich trocken“ und „moderate Dürre“. Das ist zwar noch drei Farbstufen vom Tiefdunkelrot der „außergewöhnlichen Dürre“, entfernt, doch was ein ausgewachsener Baum ist, reicht der mit seinen Wurzeln noch deutlich tiefer als 1,80 Meter. Und je weiter unten die Wurzeln zu saugen suchen, desto weniger finden sie nach wie vor. 2,50 bis drei Meter Tiefe sind, so Dagmar Wulfes, beim Wald die wichtigen Zonen. Wie tiefrot die Wassersituation dort ist, kann sie nicht sagen – es gibt keine aktuelle Karte dazu.

Und es kommt noch ein sehr großes Problem hinzu. Vor allem in den Tonerden – im Rems-Murr-Kreis weit verbreitet – wurde im Hitzesommer 2018 der ausgetrocknete Boden so hart und zog sich infolge des Wassermangels so zusammen, dass den Bäumen die Feinwurzeln abgerissen wurden. Vor allem Buchen haben, so Wulfes, ein ausgedehntes Feinwurzelnetz, mit dem sie das Wasser saugen. Bis diese feinsten Fasern nachgewachsen sind, dauere es Jahre. Die stabileren, gröberen Wurzeln aber seien längst nicht so gut im Wasseraufnehmen. Das heißt: Vor allem die Buchen bräuchten wegen ihrer Verletzungen noch viel, viel mehr Wasser, damit sie sich ausreichend versorgen können.

Wahres Ausmaß erst im Frühling sichtbar

Zurzeit ist im Wald Winterpause. Die Einschätzung, wie gut oder schlecht es den Bäumen geht, ist noch nicht möglich. Doch ab April wird Dagmar Wulfes vor allem die Buchen mit Argusaugen beobachten: Vertrocknen die frisch ausgetriebenen Blätter gleich wieder? Dann sieht’s schlecht aus.

Die Not der Nadelbäume sieht man erst am Borkenkäferbefall. Die werden ab etwa 15 Grad Celsius und somit ungefähr im Mai aktiv. Haben die Bäume dann nicht genügend Wasser, um Harz fließen zu lassen, werden sie dem Käfer zum Opfer fallen.

Eine gute Nachricht hat Dagmar Wulfes aber doch: Im letzten Sommer war die Verjüngung des Schwäbischen Waldes in größter Gefahr. Die ganz jungen Tannen starben alle ab, weil der Waldboden in dem Bereich, wo diese ihre Wurzeln nach Wasser recken, einer Wüste glich. Jetzt ist hier genug verfügbares Nass. Für die jungen Bäume brachte selbst der nur oberflächlich wirksame Platschregen der letzten Tage eine Verbesserung.