Rems-Murr-Kreis

Dauerregen lässt die Pegel ansteigen

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Die Rems in Waiblingen am Montagvormittag. © ZVW/Danny Galm

Schorndorf/Waiblingen. Der Dauerregen bis Mittwochmorgen lässt die Pegel der Rems, seiner Nebenflüsse und der Bäche stark ansteigen. Eine Hochwassergefahr besteht aber nicht. Laut Hochwasser-Vorhersage-Zentrale des Landes ist die Gefahrenlage am Dienstag „mäßig“, was einem Pegel entspricht, der alle zwei Jahre mal vorkommen kann.

Im Laufe des Montags hat es stark zu regnen begonnen. Bis in die Nacht zum Mittwoch bringt Tief Axel Dauerregen. Nachdem schon am Sonntag wegen des durchziehenden Gewitters die Pegel hochschnellten, erwartet die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale auch am Dienstag wieder starkes Anschwellen der Rems.

In Schorndorf könnte der Pegel die Zwei-Meter-Marke überschreiten und fast die Marke eines sogenannten zweijährlichen Hochwassers (2,62 Meter) erreichen. Wirklich kritisch wird’s ab etwa 3,50 Meter. Ein Pegel, der zuletzt im Januar 2015 erreicht worden ist. 2002 betrug der Pegel in Schorndorf immerhin über fünf Meter – ein Jahrhunderthochwasser.

In Waiblingen-Neustadt könnte der Pegel bis Dienstagabend auf drei Meter ansteigen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die nach dem großen Hochwasser 2002 geplanten und Zug um Zug gebauten Regenrückhaltebecken entlang der Rems ihren Zweck erfüllen. Sie halten die riesigen Wassermassen zurück, so dass das untere Remstal von Hochwasser verschont wird. Das schließt örtliche Hochwasser nicht aus, wie 2011 im Wieslauf- und Murrtal. Die plötzlichen Fluten, die nur örtlich auftraten, waren nicht zu beherrschen.

Die Prognosen der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die Bandbreite der Abschätzung reicht in Neustadt von 1,60 bis zu eben diesen drei Metern und in Schorndorf von 1,10 bis 2,50 Meter. Jedenfalls rechnet die Landesanstalt für Umwelt, Messung und Naturschutz Baden-Württemberg derzeit nicht mit einer Katastrophe.

Monsunartiger Regen über den Berglen

Vereinzelt waren schon am Sonntag Bäche über die Ufer getreten. So zum Beispiel in Berglen-Steinach. Bürgermeister Maximilian Friedrich hat selbst beobachtet, wie es in seiner Gemeinde „monsunartig schüttete“. Von Schäden sind ihm und der örtlichen Feuerwehr aber nichts bekannt. Der übergelaufene Bach führte zu keinem Einsatz.

Dramatisch hört sich die Vorhersage von Wetter online an: „In einem breiten Steifen von Hessen bis zum Alpenrand kommen bis Mittwoch beachtliche Regenmengen zusammen.“ Verbreitet fallen rund 50 Liter pro Quadratmeter und mehr, warnte Wetter online vor Hochwasser und vereinzelten Erdrutschen. Verantwortlich für die heftigen Regenfälle sei das Tief Axel, das bis Dienstag nahezu ortsfest über Ostdeutschland liegt. „Es zapft feuchtwarme Luft an, die sich immer wieder über den gleichen Regionen abregnet und an den Alpen regelrecht ausgewrungen wird.“ Am Dienstagvormittag regnet es in der Mitte Deutschlands und im Süden weiterhin ergiebig. Am Nachmittag lassen laut Wetter online die Regenfälle in der Mitte nur zögernd nach.

Schorndorf ist wie andere Kommunen an der Rems auf den Dauerregen bis Mittwoch vorbereitet. Der könnte stellenweise nämlich die Attraktionen der Remstal-Gartenschau beeinträchtigen, mit denen der Fluss in den Blickpunkt gerückt wird. Sollte die Rems über die Ufer treten, müssten die Anlagen hinterher eben gereinigt und unter Umständen auch wieder instandgesetzt werden, sagte Hans-Peter Sieg, technischer Geschäftsführer und Betriebsbeauftragter des Wasserverbandes Rems.

„Im Vorfeld kann ohnehin kaum etwas unternommen werden“

Aus Sicht von Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Stadt Schorndorf, sind die Wetterprognosen meist recht unsicher. Bis Mittwoch werden Niederschlagsmengen zwischen 40 und 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. Je nachdem könnte der Remspegel auf drei Meter steigen. Wetterereignisse treten aber nach wie vor „örtlich sehr begrenzt und lokal“ auf. „Es ist also wie immer: Wir beobachten weiter und stehen für Einsätze bereit und handeln nach den jeweiligen Alarmierungsplänen. Im Vorfeld kann ohnehin kaum etwas unternommen werden.“


Erster Einsatz der Hagelabwehr

Das Gewitter am späten Sonntagnachmittag brachte auch gleich den ersten Einsatz des Hagelfliegers. Wie berichtet, hat die Hagelabwehr dieser Tage ihre Arbeit aufgenommen. Am 6. September 2018 war die Hagelabwehr letztmals in Remshalden aktiv gewesen.

Das Flugzeug, das Gewittertürme mit Silberjodid impft und die Wolken zum frühzeitigen Abregnen bringen soll, flog am Sonntag seine ersten Schleifen der Hagelsaison über dem Rems- und Neckartal.

Um 17.12 Uhr bekämpfte das Flugzeug in einer Flughöhe von 3500 Metern den Hagel in Winterbach. Zwischen 17.17 Uhr und 18 Uhr pendelte der Pilot Hardt zwischen Winnenden und dem Schurwald hin und her, setzte um 17.48 Uhr über Kernen den Silberjodid-Generator in Betrieb und drehte dann in Richtung Ostfildern, Neckartal und Stuttgart ab. Sein letztes Silberjodid versprühte das Flugzeug um 18.26 Uhr über dem Stuttgarter Fernsehturm.