Rems-Murr-Kreis

Der Biber und sein Beauftragter

1/2
biber symbolbild_0
Symbolbild. © Joachim Mogck
2/2
_1
So ein Biber ist ein ganz schön großer Brocken: Dieses ausgestopfte Tier ist ein Exponat aus der Biberausstellung, die zurzeit im Alfdorfer Rathaus zu sehen ist. Bürgermeister Michael Segan (rechts) und Biberbeauftragter Harald Kaiser (links) hoffen, dass viele sich hier Wissen und Rat holen.

Alfdorf/Waiblingen. Die Biber kommen wieder. In der Nähe von Alfdorf haben sich die Tiere schon Dämme gebaut. Damit sich der größte Nager Deutschlands auch im Rems-Murr-Kreis wieder wirklich wohlfühlt, hat er neun Beauftragte an die Seite gestellt bekommen. Die vermitteln zwischen Tier und menschlichen Anwohnern. Denn man kommt sich schon mal in die Quere.

Erwischt! Am 27. Januar, ziemlich genau um Mitternacht, hat die Kamera ihn erfasst. Den Biber. Da waren nämlich – extra für ihn – zwei Äpfel ausgelegt. Der Kerl dachte sich wohl „lecker“ und schnappte den ersten mit seinen kräftigen Zähnen. Den zweiten wollt’ er aber auch nicht liegen lassen und stupste, schon ziemlich vollgestopft, immer mit der Nase, auf dass die Frucht in die richtige Richtung, gen Wasser und Biberwohnung, den Berg runterkullere.

Wie viele Biber im Rems-Murr-Kreis leben, weiß keiner ganz genau. In der Nähe von Alfdorf, entlang von Lein und Rot, dort wo auch der gefilmte Apfelliebhaber zuhause ist, leben „vielleicht“, sagt Harald Kaiser, Biberbeauftragter des Rems-Murr-Kreises, zehn Tiere. Drei Dämme hat Harald Kaiser im letzten Sommer gezählt, zwei davon hat das vergangene Hochwasser mit sich gerissen. Das aber sei nicht so schlimm. Die Biber bauen sich ihren Schutzwall wieder auf.

Der Mittler zwischen Tierwelt und menschlichen Landbesitzern

Den Posten des Mittlers zwischen Tierwelt und menschlichen Landbesitzern, seien es Bauern mit Äckern oder Wiesen, oder auch Gemeinden, die um Straßen und Brücken bangen, gibt es im Kreis erst seit 2017. Das Regierungspräsidium bildet die Beauftragten im Rahmen des landesweiten Bibermanagements aus.

Die Biber haben sich still und heimlich vor ungefähr sechs Jahren hier angesiedelt. Am Anfang, sagt Harald Kaiser, gab’s einige Jäger und Bauern, die große Befürchtungen hatten. Wie groß würden wohl die Schäden sein? Bislang, sagt Kaiser, sei nix dergleichen eingetreten. Auch das Landratsamt sieht das so: Der Handlungsbedarf sei noch sehr überschaubar und kaum Management erforderlich. Doch „mit zunehmendem Bestand der Biber wird auch der Beratungsbedarf und der Bedarf an Fachwissen wachsen“. Denn dann kann’s zu Verärgerung kommen – vor allem freilich auf der Seite des Menschen.

Gefällten Baum dem Biber überlassen

Die Biber fällen schon den einen oder anderen Baum. Klug, sagt Harald Kaiser, wäre es dann, dem Biber diesen Baum zu lassen. Das Tier frisst die Knospen ab und die feinen Ästchen, manchmal auch noch ein bisschen von der Rinde. Der Stamm bleibt unversehrt liegen und kann weggeräumt werden. Stehen Bäume am Gewässer, die keinesfalls zum Biber-Opfer werden sollen, hilft es, den Stamm mit einem Maschendraht zu umwickeln. Droht durch den wachsenden Biberdamm eine Wiese oder eine Straße zu überfluten, können Röhren eingebaut werden, damit der Wasserstand die gefährliche Höhe nicht überschreitet. Für alle diese Maßnahmen ist der Biberbeauftragte der richtige Ansprechpartner.

Landwirte sollten 20 Meter Abstand zum Gewässer einhalten

Besser allerdings wäre es, erst gar keine Maßnahmen ergreifen zu müssen. An der Lein, sagt Harald Kaiser, gibt’s schon ein Naturschutzgebiet, in dem der Biber einfach in Ruhe gelassen wird. Und wo der Biber werkelt, stellt sich tatsächlich wieder Natur ein. Bäche werden umgeleitet, kleine Tümpel entstehen, Uferböschungen werden ausgelichtet. Plötzlich siedeln sich da Frösche, Fische und Vögel an, die längst als verloren galten. Landwirte, sagt Harald Kaiser sollten idealerweise mindestens zehn, lieber 20 Meter Abstand zum Gewässer einhalten. Doch das sei, sagt Kaiser, leider nur politischer Wunsch, nicht Gesetz. Deshalb, so fordert er, sollten die Kommunen solche Grundstücke zum Schutz der Tiere und zum Wohle des Geldbeutels der Landwirte kaufen.

Wo der Biber Schaden wirklich anrichtet, wird ihm Einhalt geboten

Wo der Biber freilich wirklich Schaden anrichten kann, muss ihm Einhalt geboten werden. Rund um Alfdorf zum Beispiel gibt’s einige Stauseen, die ihren Dienst erfüllen müssen. Deren Böschungen allerdings könnten die Biber dazu animieren, ihre Röhren und Höhlen hineinzugraben. Das könne dann, sagt Michael Segan, Alfdorfer Bürgermeister und auch im Wasserverband Kocher-Lein im Hochwassermanagement tätig, zum Bruch der Dämme führen. Deshalb werden die Dämme dieser Seen ab Grund und bis in 1,50 Meter Höhe über dem Wasserspiegel mit Steinwällen befestigt. Da gräbt dann kein Biber mehr durch. Der Aichstrut-Stausee sei so schon geschützt worden, der nächste werde der Hagerwaldsee sein. 


Wer Probleme mit einem Biber hat oder Biber gesichtet hat, wendet sich als erstes an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt: Dietmar Reiniger, Tel. 07151/ 5012739; d.reiniger@rems-murr-kreis.de


Der Biber: Ausstellung in Alfdorf

Biber leben in Familienverbänden von höchstens acht Tieren. Sie wohnen in Erdhöhlen, die sie in Uferböschungen graben. Der Eingang liegt unter der Wasseroberfläche. Ist der Wasserstand unstet, bauen sich die Biber die berühmten Dämme, damit das angestaute Wasser für Sicherheit sorgt. Biberhöhlen sind kaum zu sehen. Die berühmten Biberburgen entstehen erst, wenn die Tiere jahrelang am selben Ort wohnen und diesen ausbauen. Denn der Wohnkessel muss immer im Trockenen liegen. Steigt der Wasserspiegel während eines Hochwassers an, erweitert der Biber seinen Bau nach oben. Wenn die Erddecke irgendwann zu dünn wird, wird der Bau mit Zweigen und Ästen verstärkt. So wachsen mit der Zeit die von der ganzen Biberfamilie gepflegten Burgen in der Landschaft.

Genaueres zum Leben des Bibers ist im Alfdorfer Rathaus bis zum 28. Februar in einer Biberausstellung zu sehen. Hier können sich Schulklassen, Kindergartengruppen und alle, die sich für das größte Nagetier Deutschlands interessieren, schlaumachen. Was frisst der Biber? Wie lebt er? Was hat es mit seinen riesigen Zähnen auf sich? Was hat er für einen eigenartigen Schwanz?

Besuche sind zu den Rathaus-Öffnungszeiten möglich: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: 8 Uhr bis 12 Uhr, Donnerstag: 16 Uhr bis 18.30 Uhr.