Rems-Murr-Kreis

Der erste Schnee: Autofahrer im Rems-Murr-Kreis kommen glimpflich davon

Erster Schnee 1.12.2020
Nicht ungewöhnlich im Dezember und doch irgendwie immer überraschend: Der erste Schnee. © Benjamin Büttner

Aus Welzheimer-Wald-Sicht war’s im Remstal „grün“. Die paar Schneeflocken, die Dienstagfrüh zwischen Urbach und Fellbach die Dächer bedeckten, gelten droben nicht als Schnee. Die Autofahrer kamen in den tieferen Lagen des Rems-Murr-Kreises glimpflich davon. Von einer Handvoll wetterbedingter Unfälle seit 24 Uhr in der Nacht auf Dienstag berichtete Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier am Morgen. Der Ostalbkreis war vom Wintereinbruch sehr viel härter betroffen: Rund 25 witterungsbedingte Unfälle registrierte die Polizei dort zwischen 5 und 8 Uhr am Dienstagmorgen. Es kam zu heftigen Verkehrsbehinderungen, weil Laster liegen blieben. Auf der B 29 bei Hüttlingen geriet ein Sattelzug ins Schleudern und auf die Gegenfahrbahn.

Schwerer Unfall bereits am Montagabend: Noch Fragen offen

Noch ist unklar, weshalb es bereits am Montagabend zu einem schweren Unfall auf der Kreisstraße zwischen Schornbach und Birkenweißbuch gekommen war. Wegen Glatteis geriet ein 33-Jähriger mit seinem Suzuki ins Schleudern. Aus einem Baufahrzeug sei zuvor Wasser ausgelaufen, berichteten Facebook-Nutzer. Die Polizei hat dazu noch keine näheren Erkenntnisse. Laut Sprecher Jonas Ilg haben sich inzwischen zwei Zeugen gemeldet, deren Aussage aber noch aussteht. Der 33-Jährige war aus dem Auto geschleudert und schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert worden.

"Im Remstal war die Lage recht entspannt"

Glatt war’s auf den Straßen in der Nacht und noch am Morgen. „Mittlerweile hat sich die Situation entspannt“, meldete Landratsamts-Sprecherin Leonie Ries am Dienstagmittag. Gegen 1 Uhr in der Nacht waren Beschäftigte der Straßenmeistereien Weinstadt und Backnang ausgerückt, um Schnee zu räumen und zu streuen. In der Backnanger Gegend war die Straßenmeisterei mit zehn, im Weinstädter Bereich mit 16 Fahrzeugen unterwegs. „Im Remstal war die Lage recht entspannt“, berichtet Leonie Ries, während es in den Höhenlagen, vor allem im Raum Murrhardt/Großerlach sowie Welzheim/Alfdorf, größere Schneemengen zu bewältigen gab.

Lüften in den Klassenzimmern trotz Kälte

Kinder mögen meistens Schnee und vor allem Schneeballschlachten – doch diesen Winter ist alles anders. Wegen Corona müssen Lehrer in den Klassenzimmern häufig lüften – auch bei diesen frostigen Temperaturen. In Welzheim und Umgebung zeigt das Thermometer einige Grad weniger als in Waiblingen; die Schülerinnen und Schüler dort trifft’s insofern härter. Bevor die Kinder zu Eiszapfen gefrieren, schließt man die Fenster wieder, meint augenzwinkernd Kastell-Realschulleiter Dr. Peter Beck – und im Ernst: Die Schule halte sich an die Lüftungsregeln – und gehe die Dinge mit gesundem Menschenverstand an, vor allem jetzt, da es zapfig kalt geworden ist.

Symbolfotoschneefall
In Michelau hatten es Anwohner und Autofahrer mit mehr Schnee zu tun als in Waiblingen. © Gaby Schneider

„Gebietsweise Glätte durch überfrierende Nässe“ kündigt der Deutsche Wetterdienst für diesen Mittwoch an. In der Nacht auf Samstag sei in Baden-Württemberg bis in mittlere Lagen erneut mit Schneefall zu rechnen.

"Leichter Ansturm" auf Räderwechseltermine

Wer noch immer keine Winterreifen aufgezogen hat, beeilt sich jetzt besser. Einen „leichten Ansturm“ auf Räderwechseltermine in den Kfz-Betrieben verzeichnete Reiner Äckerle, der Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, bereits diesen Montag und Dienstag. Viele Autofahrer haben zuvor schon dran gedacht: Übereinstimmend melden die Kfz-Betriebe, dass „um die 95 Prozent der dort eingelagerten Winterräder in den letzten Wochen auf die Fahrzeuge montiert worden sind“, sagt Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung.

Nachfrage nach Allwetterreifen steigt

Das Autohaus Kloz, das Betriebe in Fellbach und Stuttgart hat, verzeichnet wie die meisten Autohäuser unterdessen eine steigende Nachfrage nach Allwetter-, also Ganzjahresreifen. Solange die mit Ganzjahresreifen ausgerüsteten Autos „auf den gut gestreuten Hauptverkehrsachsen unterwegs sind, sind diese Reifen sicher eine brauchbare Alternative“, findet Christian Reher. Dennoch bleiben Allwetterreifen „ein Kompromiss. Sie können im Sommer nicht so gut sein wie Sommerreifen und im Winter nicht so gut wie Winterreifen“.

Laut Nicole Hahn von der Hahn-Gruppe ist für Menschen, die auf dem Land wohnen und beruflich viel mit dem Auto unterwegs sind, sowie bei Wintersportfreunden, „der Wechsel auf Winterreifen nach wie vor obligatorisch“. Im Corona-Jahr fiel laut Nicole Hahn auf, „dass recht viele Kunden keinen Wechsel von Winter- auf Sommerräder im Frühjahr gemacht haben“. Ob deshalb nun mehr Kunden als sonst die Winterreifen durch neue ersetzen werden, wird man sehen.

Ausreichendes Reifenprofil unbedingt nötig

Vier Millimeter sollte das Profil eines Winterreifens noch mindestens tief sein, „wenn dieser seinem Namen Ehre machen und Unfälle vermeiden soll“, erklärt Christian Reher: Ob es zu einem zerquetschten Heck mit oder ohne Personenschaden komme, hänge im Ernstfall davon ab, auf welcher Strecke der Wagen abzubremsen sei. „Vor allem, wenn Matsch und Schnee die Straße bedecken, bringt ein tiefes Profil die entscheidenden Meter oder auch mal Zentimeter Bremsweg.“

Tipps vom ADAC

Unterdessen empfiehlt es sich – logisch –, bei Eis und Schnee langsam zu fahren. Der ADAC hat noch ein paar weitere Tipps parat:

  • Niedertouriges Fahren im hohen Gang erleichtert das Weiterkommen auf glatten Straßen – die Reifen bauen besseren Grip auf.
  • Ruckartige Lenkbewegungen vermeiden. Gerät das Fahrzeug auf gerader Strecke trotzdem ins Schleudern, sollte man auskuppeln, bremsen und schnell, aber gefühlvoll gegenlenken.
  • Gerät das Auto in der Kurve aus der Bahn, sollten Fahrer keine hektischen Manöver ausführen, sondern kurz und fest aufs Bremspedal treten. Am Steuer nur sanft korrigieren, rät der ADAC: „Meist reichen wenige Stundenkilometer Tempoabbau, und das Auto ist wieder kontrollierbar.“
  • Besondere Vorsicht ist bei schwankenden Temperaturen um den Gefrierpunkt geboten. Jetzt kann sich die Fahrbahnoberfläche ständig verändern.
  • Ist die Fahrbahn mit Eis überzogen, etwa nach Eisregen, hilft nur eins: Auto stehen lassen.