Rems-Murr-Kreis

Der große Baustellen-Überblick

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Bauarbeiten für die neuen Leitplanken auf der B29 bei Weinstadt. © Ramona Adolf

Waiblingen. Es ist noch lange nicht vorbei: Die B29 und die B14 werden auch in den kommenden Monaten, nein, Jahren immer wieder zur Baustelle werden. Vor allem bei der Umrüstung auf die neuen Leitplanken bleibt nach Westen wie Osten noch viel zu tun.

„Fahrzeugrückhaltesystem“, was für ein Wort – aber so heißt das wirklich. Sagen wir „Leitplanken“, dann weiß der Laie, was gemeint ist. Der Bund jedenfalls hat ein Programm zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Bundesstraßen aufgelegt und die Landratsämter damit beauftragt, die Mittelplanken umzurüsten. Höhere und stabilere Planken sollen verhindern, dass Fahrzeuge bei schweren Unfällen auf die Gegenspuren durchbrechen.

Dass die Gefahr nicht nur theoretischer Natur ist, wissen wir spätestens seit dem März: Auf der B 14, kurz nach dem Leutenbachtunnel in Richtung Backnang, platzte an einem Sattelschlepper ein Reifen – das mächtige Gespann, unbeherrschbar geworden, bretterte auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück kam niemand entgegen.

Das Projekt ist also richtig. Die Kehrseite: Baustellen.

Leitplanken auf der B 29: Der Weg nach Osten ist weit

Auf der B 29 sind die Arbeiten am Abschnitt von Endersbach bis Grunbach derzeit in vollem Gang. Streckenlänge: vier Kilometer. Gesamtkosten: 4,5 Millionen Euro.

Die ersten 600 Meter von Endersbach Richtung Osten sind fertig, auch wenn aktuell die Geschwindigkeit dort noch auf 100 km/h heruntergeregelt ist.

Auf dem zweiten, knapp anderthalb Kilometer langen Abschnitt bis zur Anschluss-Stelle Beutelsbach (derzeit gilt dort das Tempo-Drosselungsprinzip: von 100 über 80 auf 60) fehlen noch 200 Meter neue Leitplanken. Grund: Die drei Mittelstützen der dortigen Brücke haben sich als sanierungsbedürftig offenbart. Die Bauarbeiten sollen bis Mitte Juni abgeschlossen sein.

Die rund zwei Kilometer lange Passage zwischen Beutelsbach und Grunbach soll ebenfalls bis Mitte Juni fertig sein. Bis dahin gilt hier Tempo 60.

Danach dürfen Autofahrer erst mal aufatmen: Es flutscht wieder. Nur: Leitplanken gibt es auch östlich von Grunbach.

Bis zur Kreisgrenze hinter Plüderhausen bleiben weitere 18 Kilometer Bundesstraße (wobei die Tunnel bei Schorndorf abzuziehen sind) – etwa das Vierfache der bisher abgearbeiteten Strecke muss also noch neu beplankt werden. Ein genauer Termin steht noch nicht. Auskunft des Landratsamtes: „Vorgabe des Regierungspräsidiums Stuttgart ist die Fertigstellung im Jahr 2021.“ Zuvor gibt es noch allerhand zu klären: „Das Landratsamt muss ein Konzept für die Kanalsanierung aufstellen“, das Regierungspräsidium „eine eventuelle Sanierung der Stützen von Brückenbauwerken im Mittelstreifen überprüfen“.

Leitplanken auf der B 14: Ein Anfang ist gemacht

Auch auf der B 14 ist das Projekt Neubeplankung bereits im Gange:

Auf den etwa zwei Kilometern Länge zwischen Leutenbachtunnel und Anschluss-Stelle Nellmersbach ist ein Teil der Arbeiten bereits fertig, der Rest wird bis Ende Juni in Form von Tagesbaustellen geregelt. Kosten: 650 000 Euro.

Wie auf der B 29 aber gilt frei nach Sepp Herberger: Nach der Baustelle ist vor der Baustelle.

Der B-14-Neubauabschnitt von Nellmersbach bis Waldrems wird mit neuen Leitplanken versehen, sobald die Fahrbahnen und der Mittelstreifen angelegt sind. Für diesen Kilometer werden etwa 270 000 Euro fällig.

Blick nach Westen: Der Abschnitt vom Kappelbergtunnel bis Höhe Benzstraße in Cannstatt kommt frühestens im Herbst 2018 dran. Da die 1,8 Kilometer lange Maßnahme noch nicht ausgeschrieben ist, gibt es auch noch keine Kostenschätzung.

Zwischen Kappelbergtunnel und Leutenbachtunnel laufen aktuell diverse Vorarbeiten: Die Entwässerungsleitungen werden vermessen und mit Kameras auf eventuelle Schäden abgesucht. Baubeginn: noch offen. Länge: 13 Kilometer.

Brücken auf B 29 und B 14: Projekt Urbach, Projekt Korb

Leitplanken sind das große Thema, aber beileibe nicht das einzige. Es gibt ja auch noch Brücken.

Auf der B 29 läuft aktuell die Brückensanierung bei Urbach. Wie es aussieht, werden die Arbeiten bis Mitte August abgeschlossen sein. Bis dahin fließt in beide Fahrtrichtungen auf anderthalb Kilometern Länge der Verkehr nur einspurig mit Tempo 60. Trost: Die Auto-Pendler haben das Reißverschluss-System mittlerweile vorbildlich verinnerlicht, am Beginn des Nadelöhrs fädeln sich die beiden heranbrandenden Kolonnen reibungsfrei ineinander. Kosten: 2,4 Millionen Euro.

Auf der B 14, Anschluss-Stelle Korb, „planen wir für das Überführungsbauwerk der Kreisstraße 1858 einen Ersatzneubau“, teilt das Regierungspräsidium mit. Vorgesehener Baubeginn: Frühjahr 2019. Bauzeit: anderthalb bis zwei Jahre.


Zwischen den Leitplanken: Grau statt Grün

Immer wieder fragen uns Leserinnen und Leser, ob es künftig denn kein Grün mehr zwischen den Leitplanken geben werde. Die Antwort: jein.

Auskunft des Landratsamtes: Die Leitplankenbereiche werden mit Grobschotter gefüllt, damit Wasser versickern kann. Nur die Stellen, die auch als Überfahrt zwischen den Fahrbahnen nutzbar sind, werden asphaltiert – die Metallgestelle können dort leicht abmontiert werden.

Die Schotterbereiche werden nicht mehr, wie das früher noch üblich war, mit größerem Gewächs bepflanzt. Grund: Die Pflege ist teuer und sorgt für Verkehrsbehinderungen: Einmal im Jahr, üblicherweise im Juni, muss zurückgeschnitten werden.

Ganz grau soll’s aber nicht bleiben. Im groben Schotter wird sich mit den Jahren wohl von allein kleineres Grünzeug ansiedeln.