Rems-Murr-Kreis

Der ZVW-Schlittentest

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Der ZVW-Schlittentest. © Joachim Mogck

Winterbach. Erster Schnee im Jahr, raus mit dem Schlitten und ab auf die Piste. Wir haben drei ganz unterschiedliche Modelle getestet: Den klassischen Holzschlitten, einen schlichten Po-Rutscher und einen Lenkbob. Mit vollem Körpereinsatz und dicken Schneeflocken in den Augen rodelten wir auf dem Goldboden.

Video: Sarah und Leonie testen Schlitten auf dem Goldboden.

Zum Schlittentest machten wir einen Ausflug zum Goldboden nahe Winterbach. Dort fiel der Schnee so dicht, dass wir kaum noch weiter als bis zum Ende der etwa hundert Meter langen Piste gucken konnten. Perfekte Rodelbedingungen also. Frischer Schnee, etwa eine handbreit hoch und eine breite Piste, gerade steil genug zum Schlittenfahren, aber so beschaffen, dass der Aufstieg nach jeder Fahrt uns nicht die Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte.

Doch welcher ist der beste Schlitten? Meine Kollegin Leonie Kuhn und ich testeten jeweils alle drei Schlitten - Holzschlitten, Lenkbob und Po-Rutscher - und vergaben Punkte. Der Po-Rutscher ist lediglich eine etwa hinterbreite Plastikplatte mit einem Griff zum festhalten. Dafür legten wir drei Bewertungskategorien fest. Auf einer Skala von eins bis fünf vergaben wir Punkte für Bequemlichkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit. Gewinner sollte der Schlitten mit den meisten Punkten insgesamt sein.

Plastikgefährte gegen den Klassiker

In Kindertagen hatten wir alle einmal einen: Den klassischen Holzschlitten. Unser Modell hat schon ganze vierzig Jahre auf dem Buckel und weckt bei mir nostalgische Gefühle. Optisch merkt man ihm sein Alter nicht an. So solide gebaut, dass er wahrscheinlich die nächsten vierzig Jahre auch noch übersteht, hinterließ er bei uns schon vor der Fahrt einen guten Eindruck.

Deshalb schnappte ich mir gleich in der ersten Runde diesen Klassiker. Leonie hatte schon von Beginn an ein Auge auf den Bob geworfen und startete auf dem modernsten unserer Schlitten ins Rennen.Während sich bei mir der Schlitten kaum vom Fleck bewegte, raste Kollegin Leonie eine Schneewolke aufwirbelnd den Berg hinunter.

Wir stoppten die Zeit. Der Bob schaffte die Rodelpiste in gerade einmal 17 Sekunden. Weit dahinter ich auf dem Holzschlitten: 38,8 Sekunden. Mit der Geschwindigkeit konnte dieser also nicht bestechen. Leonie grinste hochzufrieden über ihre Fahrtzeit auf dem Bob: „Das war auf jeden Fall ein super Start!“ Aber wie sieht es in puncto Sicherheitsgefühl und Komfort aus?

Leonie fühlte sich auf dem Bob einigermaßen sicher. Zwischendurch musste sie ein paar mal zur Bremse greifen, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Dieses Problem stellte sich beim Holzschlitten in dieser Runde garantiert nicht. Bei seinem Schleichtempo fühlte ich mich sehr sicher. Eine Enttäuschung, denn der Holzschlitten war mein heimlicher Favorit gewesen. Bei der Bequemlichkeit gab es bei beiden Schlitten keine Beanstandungen.

Wenig Sicherheit, dafür schnell

In der nächsten Runde tauschten wir. Endlich hatte ich ein schnelleres Gefährt unter mir - doch in voller Fahrt kam ich ins Straucheln. Ich kippte nach rechts und lehnte mich mit aller Kraft nach links dagegen. Eine Sekunde lang hoffte ich noch, mich wieder gefangen zu haben, doch der Sturz war unvermeidbar. Nach elf Sekunden Fahrt und kurz vor dem Ziel kippte der Bob nach links und ich landete, die Nase voran, im Schnee, rollte noch ein wenig den Berg hinunter und traf weiß paniert im Ziel ein. Fazit für mich: Wenig Sicherheit, viel Speed.

Leonie hatte auf dem Holzschlitten mehr Spaß als ich im ersten Durchgang. Der Schlitten gewann bei ihr mehr Geschwindigkeit. Allerdings ruckelte es auch bei ihr in dieser Runde stärker, trotz in den Schnee geschlagener Hacken als Notbremse. Sie schaffte die Abfahrt in 22 Sekunden.

Ein bisschen popelig kommt unser letztes Gefährt auf den ersten Blick schon daher. Der Po-Rutscher kann den anderen beiden Schlitten optisch nicht das Wasser reichen.

Für Leonie wird es nass

Leonie machte den Anfang. Sie fuhr los und wie bei meiner Fahrt auf dem Holzschlitten ging erst einmal nicht viel voran. Sie nahm die Füße vom Boden und rutschte schneller. Zu schnell. Sechs oder sieben Meter, dann drehte sich der Schlitten und bei dieser Runde landet sie nach 28,5 Sekunden im Schnee. Zusätzlich wurde ihre lange Jacke zum Problem: Sie sammelte den Schnee auf dem Weg bergab wie eine Schaufel auf und füllte sich damit bis zum Hosenbund. Bis Leonie sich wieder von der weißen Pracht befreit hatte, war die Hälfte geschmolzen und ihre Hose pitschnass.

Dann war ich dran. Ich ließ die Füße leicht auf dem Boden um zu lenken. Und siehe da: Das klappte gut und machte auch noch großen Spaß. Mein Fazit nach 18,3 Sekunden Fahrt: Simpel aber für mich der größte Spaß. Gute Wertungen in allen Kategorien.

Zum Schluss setzten wir uns beide auf den guten alten Holzschlitten. Ob es am höheren Gewicht oder daran lag, dass wir ein besseres Gefühl für das Rodeln bekommen hatten, nun kam der Schlitten in Fahrt. So macht Schlittenfahren Spaß!

Der Gewinner

Nach Punkten gewinnt der Lenkbob in unserem Test. Trotz des kleinen Unfalls konnte er mit seinem bequemen Sitz und vor allem der Geschindigkeit überzeugen. Die beiden anderen Schlitten landen nur knapp dahinter.

Hier unsere Punkte für die Schlitten: