Rems-Murr-Kreis

DHL sieht sich gewappnet für die Paketflut

Briefzentrum und Paketzentrum der Deutschen Post in Waiblingen_0
Auch das Logistikzentrum der Deutschen Post DHL Group in Waiblingen werden zahlreiche Sendungen vom Amazon Prime Day passieren. Genaue regionale Zahlen wollte der Konzern allerdings nicht nennen. © ZVW/Schoch

Der „Amazon Prime Day“ wird als das Onlineshopping-Highlight des Jahres vermarktet – über eine Dauer von 36 Stunden können angemeldete Premium-Kunden des Onlinemarktes von speziellen Vergünstigungen profitieren. Die Umsätze schnellen in kürzester Zeit in atemberaubende Höhe und stellen somit auch die Zusteller vor besondere Herausforderungen.

Über eine Million Deals und rund eine Milliarde Dollar Umsatz weltweit verzeichnete Amazon im Vorjahr beim "Prime Day" und generierte zum dritten Mal einen Rekordverkaufstag. Nach Unternehmensauskunft wurden am Prime Day 2017 alleine im deutschsprachigen Raum über 800.000 Drogerieartikel, 600.000 Sportartikel sowie mehr als 400.000 Spielwaren verkauft.

Angesichts dieser riesigen Verkaufsmenge und der folgenden Flut an Warensendungen steht den Logistikern und Paketzustellern der Nation ein Stresstest bevor. Amazon selbst will seinen Spediteuren zwar möglichst genaue Schätzungen über die erwarteten Mengen geben – diese Zahlen könnten allerdings schnell Makulatur sein, sollte der Online-Marktplatz seinen Rekordumsatz aus dem vergangenen Jahr noch einmal übertreffen.

Bei DHL, Amazons wichtigstem Paketzusteller in Deutschland, hat man sich auf den Prime Day vorbereitet. „Wir stimmen uns grundsätzlich mit unseren Kunden bei entsprechenden Sonderaktionen und Anlässen im Vorfeld sehr genau ab und passen unsere Kapazitäten entsprechend an“, erklärt Hugo Gimber von der Pressestelle Süd der Deutsche Post DHL Group auf Anfrage unserer Redaktion.

"Negative Auswirkungen auf die Lieferzeiten vermeiden"

Ziel sei es, die Qualität in der Zustellung hoch zu halten und negative Auswirkungen auf die Lieferzeiten zu vermeiden. Ob sich am Prime Day eine Überlastung verhindern lässt? Jedes Jahr aufs Neue beschweren sich Prime-Kunden, dass ihre Bestellung nicht wie vorgesehen am darauffolgenden Tag eintrifft – und erhalten von Amazon als Entschädigung zumeist einen Gratismonat der Mitgliedschaft. Hugo Gimber verspricht jedenfalls, „dass wir entsprechende Vorkehrungen getroffen haben um auch das erhöhte Sendungssaufkommen innerhalb der gewohnten Zustellzeiten ausliefern können.“

Regionale Umsatz- oder Absatzzahlen möchte der Pressesprecher aus Wettbewerbsgründen nicht nennen, verrät allerdings: „Wir befördern an einem Werktag bundesweit über 4,3 Millionen Päckchen und Pakete, an einzelnen Tagen vor Weihnachten 2017 waren es sogar 10 Millionen pro Tag.“ Mit einer derart großen Anzahl rechne der Konzern während dem Prime Day nicht.

Auch DHL wird aus der großen Shopping-Orgie Kapital schlagen. Die einfache Rechnung: Amazon verdient am Verkauf von immer mehr Waren, DHL an der Auslieferung von immer mehr Paketen. Laut Informationen des Handelsblatts hat DHL im Jahr 2017 insgesamt 253 Millionen Amazon-Pakete ausgefahren, was rund 17,6 Prozent der gesamten DHL-Paketmenge entspricht. Es verwundert daher nicht, dass Hugo Gimber die „enge und vertrauensvolle geschäftliche Partnerarbeit“ hervorhebt: „Als leistungsfähiger Logistikpartner haben wir das Wachstum von Amazon im deutschen Markt massiv unterstützt und zum Teil auch erst möglich gemacht, nicht zuletzt durch den massiven Infrastrukturausbau in Sortierung und Auslieferung.“

Der Großkunde als neuer Logistik-Konkurrent?

Der rasante Aufstieg von Amazon ist für seinen wichtigsten deutschen Logistikpartner dennoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Onlineriese zum mit Abstand wichtigsten Großkunden aufgestiegen, wird aber andererseits zunehmend zum Konkurrenten, der selbst eigene Lieferketten und Packstationen aufbaut.

Im Raum Frankfurt, in Köln/Bonn oder in München fährt Amazon bereits einen Teil der Pakete selbst aus, insbesondere die Abendlieferungen für Prime-Kunden. Die Fahrer, deren Wägen das Aamzon-Logo tragen, sind meist bei regionalen Zustellunternehmen angestellt. Der DHL scheint das allerdings (noch) kein Kopfzerbrechen zu bereiten. „Amazon verlässt sich nachhaltig auf unsere Infrastruktur und unser umfassendes Paketnetz in Deutschland“, betont Hugo Gimber und fügt hinzu: „Auch in den Städten, in denen Amazon eine eigene Zustellunghat, stellen wir nach wie vor einen nicht unerheblichen Teil der Pakete zu.“

Wie lange noch? Im Heimatland USA ist längst zu erkennen, dass Amazon Ernst macht beim Aufbau eigener Logistik-Kapazitäten. Neben einem eigenen Lkw-Aufgebot hat sich der Onlineriese auch eine Luftflotte mit aktuell 32 Frachtflugzeugen aufgebaut. Man darf also gespannt sein, welche Ideen zur Effizienzverbesserung Amazon für Deutschland in der Hinterhand hat.