Rems-Murr-Kreis

Die Bienen-Diebe: Wer steckt dahinter?

Bienen
Schon mehrmals in diesem Jahr wurden im Rems-Murr-Kreis Bienenvölker gestohlen. Teilweise so viele, dass zum Abtransport ein Anhänger notwendig war. Die Diebe kennen sich offensichtlich mit der Materie aus. © Schneider

Irgendwann in der Nacht von Samstag, 6. Juni, auf Sonntag, 7. Juni, wurde bei Murrhardt ein Bienenvolk in seinem Stock gestohlen. Mitte März verschwanden in Rudersberg-Asperglen zwei Bienenkästen samt Völkern von einer Wiese. Ende März wurde eine sogenannte Großraumbeute, ein spezieller Bienenstock, samt dem dazugehörenden Bienenvolk gestohlen. Das war ebenfalls in Rudersberg. Irgendwann zwischen Februar und April verlor ein Imker, der seine Bienen beim Hägerhof zwischen Althütte und Kaisersbach stehen hat, fünf Völker. Bekannt sind außerdem Bienenkorbdiebstähle in Korb, Alfdorf und Gaildorf. Und Anfang Mai wurde der Polizei auch noch der Diebstahl von zwei Bienenkisten mit zwei Völkern samt Königin in der Nähe von Schwäbisch Gmünd angezeigt. Das ist zwar, wie Gaildorf, nicht mehr im Rems-Murr-Kreis, jedoch auch nicht allzu weit weg.

Kurz vor dem Diebstahl bekam er noch eine Warnung. Half nichts

Lukas Häring hat seine Bienen im Wieslauftal. Auch er gehört zu den Bestohlenen. Kurz bevor das passierte, schreibt er, sei er vom Imkerverein Schorndorf schon informiert worden, dass Vorsicht geboten sei. Leider hat's nichts geholfen – ein Bienenvolk ist weg. Besonders frustrierend, weil Lukas Häring seine Bienen erst seit einem Jahr umsorgt.

„Die, die Bienen stehlen, die kennen sich aus“, sagt Uwe Weingärtner, Vorstand des Bezirksimkervereins Remstal. Man müsse wissen, wie die Stöcke zu transportieren sind. Und auch nach dem Diebstahl wisse ein Laie mit dem Volk nicht umzugehen. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein: Auch Wolfgang Groh, Vorsitzender des Imkervereins Waiblingen, sagt dies klipp und klar. Es handle sich um „versierte Imker – schwarze Schafe der Zunft“.

Uwe Weingärtner
Uwe Weingärtner ist Vorsitzender vom Bezirksimkerverein Remstal. © ALEXANDRA PALMIZI


Bestohlene Imker müssen, damit die Versicherung wenigstens einen Teil des Verlusts zahlt, Anzeige erstatten. Dann melden sie den Fall an ihre Vereinsvorsitzenden weiter, die die Sache begutachten und dann an die Versicherung weitergeben. Weingärtner und Groh wissen also genau, was bei den Blüten so passiert.

Besonders häufig, sagt Uwe Weingärtner, werde gestohlen, wenn im Winter viele Bienenvölker gestorben seien. Etwa wegen der Varroa-Milbe. Bienen-Diebstähle, sagt Wolfgang Groh, habe es schon immer gegeben. Doch ihm scheinen sie in den letzten Monaten zuzunehmen.

Ganz selten werden die Täter erwischt. Denn könnte ein Imker seinen Bienenkasten auch farblich oder mit Namen markieren: Die Bienen, die vielleicht einfach mit den Rahmen, in denen die Waben hängen, in einen neuen Kasten gehängt werden, lassen sich nie mehr identifizieren. Das Ganze ist ärgerlich und auch teuer: Ein Volk, sagt Uwe Weingärtner, koste etwa 150 Euro. Einem Imker aus seinem Verein waren in diesem Frühjahr zwölf Völker gestohlen worden. Noch teurer wird's, wenn ein Volk mit Zuchtkönigin verloren geht. Diese halten die Imker in erkennbar kleineren Stöcken.

Die Diebe haben es relativ einfach. Denn die Imker müssen ihre Bienenstöcke so aufstellen, dass sie gut hinkommen. Idealerweise mit dem Auto bis an den Stock. Es muss immer wieder Schwergewichtiges hintransportiert oder weggefahren werden. Andererseits stehen die Bienenvölker meistens doch etwas abseits, wo kein andauernder Publikumsverkehr herrscht. Ideale Bedingungen für den Klau. Bei zwölf Völkern allerdings, sagt Weingärtner, müsse man mit einem Anhänger kommen. Eine unglaubliche Dreistigkeit.

Doch wer macht so was? „Ich habe in die Imker im Verein großes Vertrauen“, sagt Uwe Weingärtner. Der Frust aber ist groß. Es sei nicht nur der Wert der Völker, auch der Honig ist nach einem Diebstahl weg. Und den ersetzt die Versicherung nicht.

Lukas Häring schreibt von einem „Schockmoment“ und außerdem von „viel Herzblut“. Imker hängen sehr an ihren Bienen. Doch bei Lukas Häring wurden zum Glück nicht beide Völker, die er hatte, gestohlen. Und so wird er demnächst seinen ersten eigenen Honig ernten können.