Rems-Murr-Kreis

Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie

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Mit 1,8 Gigabit pro Sekunde werden die Daten per Laser von einem Satelliten zum nächsten gesendet. © Visualisierung: Tesat-Spacecom
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Prozessoptimierung mit Robotern. Die Firma AMF Andreas Maier profitiert von der starken Nachfrage in der Automatisierung.
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Die Produktion im Werk 2 in Waiblingen-Neustadt.

Waiblingen/Backnang. Die Metall- und Elektroindustrie ist ein feiner Seismograph für die gesamtwirtliche Lage. Bei den Herstellern von Investitionsgütern kündigen sich Krisen vorzeitig an. Doch weder bei der Stihl-Gruppe in Waiblingen, noch beim Satellitenausrüster Tesat-Spacecom in Backnanger oder in der Werkzeugfabrik AMF in Fellbach herrscht Krisenstimmung.

Der Konjunkturhimmel habe sich eingetrübt, sagte Dr. Michael Prochaska, der Vorsitzende der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr. Der Brexit sowie der von US-Präsident Donald Trump ausgelöste Handelsstreit sorgten für Unsicherheit in der Wirtschaft. Der seit sechs, sieben Jahren anhaltende Wirtschaftsboom neige sich einem Ende zu. Das böse Wort einer drohenden Rezession nahm aber auch Prochaska nicht in den Mund. Beim Pressegespräch stellten Michael Prochaska für Stihl wie auch Johannes Maier für die Firma AMF Andreas Maier und Dr. Marc Steckling für Tesat-Spacecom die Lage ihres Unternehmens dar.

Tesat-Spacecom ist führend in der Lasertechnologie

„2018 war ein tolles Jahr“, sagte Marc Steckling, der neue Geschäftsführer von Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG in Backnang. Der Luft- und Raumfahrt-Ingenieur ist vor eineinhalb Jahren nach Backnang gekommen und steht seit einem halben Jahr an der Spitze des Unternehmens. Die Raumfahrt befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess. Statt einiger weniger großen und teuren Satelliten werden ganze Schwärme von kleinen, billigen Raumkörpern ins Weltall geschossen. Bei Tesat brachen zunächst die Aufträge ein. Nun hat das Unternehmen den neuen Trend erkannt und bedient nun auch diesen wachsenden Markt.

Die Aussichten von Tesat sind prächtig, so Steckling. Die Auftragslage des Unternehmens mit seinen 1100 Beschäftigten ist gut und es erwartet 2019 ein Umsatzplus auf rund 300 Millionen Euro. 2018 seien mehr als 20 Satelliten mit Geräten von Tesat in den Weltraum befördert worden. Stolz merkte Steckling beim Pressegespräch an, dass Tesat 19 von 19 Ausschreibungen gewonnen habe, an denen sich die Firma beteiligte. Darunter renommierte Projekte wie Galileo, Heinrich-Hertz oder Orion.

AMF erstmals mehr als 50 Millionen Euro Umsatz

Die Firma AMF Andreas Maier in Fellbach ist weiter auf Erfolgskurs. AMF stellte Spannvorrichtungen für Werkzeugmaschinen her, mit denen Produktion rationalisiert werden kann. Johannes Maier, geschäftsführender Gesellschafter der AMF Andreas Maier GmbH & Co. KG, Fellbach, ist bester Dinge. 2018 hat das Familienunternehmen erstmals in seiner 128-jährigen Geschichte beim Umsatz die 50-Millionen-Euro-Marke überschritten und ist das sechste Mal in Folge kräftig gewachsen. Und verdient hat AMF ebenfalls gut, erklärte Johannes Maier, ohne Zahlen zu nennen.

AMF profitiere von der starken Nachfrage in den Wachstumsbereichen Automatisierung, Prozessoptimierung und adaptive Fertigung, sagte Maier. Mit innovativen Produkten habe das Unternehmen „eine herausragende Position erkämpft“, wies Maier auf die Branchen Medizintechnik, Lebensmittel- und Verpackungstechnologie hin, in denen AMF überproportional wachse. Außer Asien und den USA entwickelten sich auch die Märkte Italien und Frankreich erfreulich gut. Beschäftigt werden rund 230 Personen. Sämtliche Lehrstellen konnten besetzt werden.

Personalaufbau bei Stihl trotz stagnierendem Absatz und Umsatz

Der Hersteller von Motorsägen und -geräten litt 2018 unter dem Wetter und rechnet mit einem Absatz und Umsatz auf Vorjahresniveau, sagte Personalvorstand Dr. Michael Prochaska beim Pressegespräch von Südwestmetall. Jahr für Jahr hatte die Stihl-Gruppe Wachstum und neue Rekordumsätze zu melden. Im Jahr 2018 machte aber vor allem die Witterung dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Nach dem langen Winter wurde es über Nacht Sommer. Und der war nicht nur trocken, sondern dauerte bis in den Herbst hin. Stihl verkaufte sowohl in Europa wie in den USA weniger Geräte als erwartet.

Von Krise könne bei Stihl trotz des stagnierenden 2018er-Umsatzes keine Rede sein. „Wir rechnen im neuen Jahr mit Wachstum“, sagte Prochaska, ließ aber ein kleines Aber folgen. Der Geschäftsverlauf hänge nicht zuletzt auch von den Auswirkungen des Brexits und der US-Handelspolitik aber. Großbritannien zählt zu den zehn größten Absatzmärkten. Was die Zölle angeht, sei Stihl aufgrund seiner sieben Produktionsstandorte weltweit nicht bang. Das Unternehmen könne die Fertigungen so verlagern, dass möglichst wenig von Protektionismus betroffen sei. 

Die Belegschaft im deutschen Stammhaus ist im vergangenen Jahr auf fast 5000 Beschäftigte gewachsen. Gleichwohl hat der Personalvorstand aber noch immer rund 200 offene Stellen.

Trübe Konjunkturaussichten

Ein Drittel der vom Arbeitgeberverband Südwestmetall Rems-Murr befragten Metall- und Elektrounternehmen rechnen auch 2019 mit guten Geschäften. Vor einem Jahr war noch die Hälfte der Firmen optimistisch. Die Konjunkturaussichten trüben sich ein. Von Krise oder gar einer Rezession könne jedoch keine Rede sein.

Verantwortlich für die etwas schlechtere Stimmung in der Wirtschaft sind der Brexit und drohende US-Handelssanktionen. „Ein No-Deal-Brexit würde nicht nur britische Unternehmen hart treffen, sondern auch unsere Wirtschaft stark belasten“, sagte der Bezirksgruppen-Vorsitzende von Südwestmetall, Dr. Michael Prochaska, bei einem Pressegespräch mit Blick auf die engen Wirtschaftsbeziehungen der hiesigen Wirtschaft mit Großbritannien.