Rems-Murr-Kreis

Die Remstal-Route wächst weiter

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Stefan Altenberger, links, und der neue Remstal-Routen-Geschäftsführer Werner Bader begrüßen den Vertreter einer neuen Mitgliedskommune: Michael Rembold von Waldstetten, gelegen im Süden von Schwäbisch-Gmünd. © ZVW/Gabriel Habermann

Kernen/Weinstadt. Die Remstal-Route blüht mit auf – mit dem Erfolg der Gartenschau. Das Selbstbewusstsein ist so groß, dass es jetzt zur Operation am lebenden Objekt kommt. Der Remstal-Vermarkter ändert seinen Namen in Tourismusverein Remstal-Route e. V. Und er wird weiter wachsen. Jetzt kommt Waldstetten im Süden von Schwäbisch-Gmünd dazu.

Damit sind 20 Mitgliedskommunen im Boot. Es macht nichts, dass Waldstetten kein Anrainer der Rems ist. Das gilt schließlich für Winnenden oder Kernen auch. Vorsitzender Stefan Altenberger, der Bürgermeister von Kernen, will freilich nicht unendlich wachsen. Die Mitmacher müssen mindestens einen Zufluss zur Rems haben oder etwas mit dem Weinbau zu tun haben. Aber auf 25 Gemeinden könnte die Koalition der Willigen in den nächsten Jahren noch ansteigen. Gerade um und hinter Gmünd gibt es noch Potenzial.

Die Remstal-Route will ihren Markennamen aufgeben. Beziehungsweise ergänzen. Remstal-Route allein, das signalisiere Außenstehenden zunächst, dass es sich eben nur um einen Weg, eine Route handelt. Und nicht um ein umfassendes Konzept, wie der Gast aus einer Hand zu seinem Genuss kommt.

Mehr wird sich im Marketing des Tourismusvereins selbst tun. Er übernimmt von der Gartenschau das Logo, die liegende Acht und das Erfolgsmotto, dass es hier nahezu unendlich viele Angebote gibt. Im Verein selbst, in dem eben auch einige Wengerter sind, wird noch diskutiert, ob die eingeführte Rebe als Zeichen mit dazugestellt wird.

Neue Potenziale ausloben

Dass das ganze Remstal touristisch und auch für die Bewohner unendlich profitiert von der Gartenschau, das ist für Stefan Altenberger jetzt schon ausgemachte Sache. Dieser Groß-Auftrieb habe „voll eingeschlagen“. Er schaffe eine „Aufbruchstimmung“ im Remstal. Und deshalb sieht er den Tourismusverein als legitimen Nachfolger, der das Gute weiterführen soll.

Das freilich sei eine „große Aufgabe“, die mit den bestehenden Ressourcen nur beschränkt zu stemmen ist. Deshalb treten Altenberger und der neue Geschäftsführer Werner Bader derzeit an die Kommunen heran. Der Mitgliedsbeitrag soll verdoppelt werden, damit die Geschäftsstelle überhaupt der vielen Nachfragen Herr werden kann. Über die Hälfte der Kommunen habe schon zugesagt. Waiblingen zum Beispiel freilich mit der Auflage, in zwei Jahren nochmals zu prüfen, was dabei herausgekommen ist.

Der Tourismusverein hat eine Beratungsagentur beauftragt, neue Potenziale auszuloten. Nicht zuletzt auch auf Altenbergers Betreiben hin kommt es neben den Säulen Stadt (Kultur und Kunst entdecken), Land (Landschaft und Natur erleben), Genuss (Wein und Kulinarik genießen) zu einem vierten Tragwerk. Das wäre dann die Wirtschaft. Der Tourismusverein will verstärkt Ansprechpartner für Firmen sein. Etwa wenn die ihre Mitarbeiter zu Schulungen holen, dann soll das Büro in Endersbach Pakete dazu schnüren. Gruppenreisen und kombinierte Führungen gehören noch in dieses Feld.

Die Schwächen des Remstals

In einer Analyse heißt es zu den Schwächen des Remstals, dass es eben keine gewachsene Tourismustradition habe. Die überregionale Bekanntheit ist nicht besonders. Andererseits zeigt es sich, dass der Tourismus generell im Land so angezogen hat, dass erste und sehr bekannte Destinationen schon längst überlaufen sind. Das gibt Gegenden, die eher noch Beschaulichkeit versprechen, eine Chance.

Werner Bader spürt genau diesen Trend. Und spricht von einem „Genießerhimmel“ gerade für ältere Reisende. Dazu gehört für ihn die „höherwertige Gastronomie“, auch wenn diese Probleme hat, sich zu halten – der Generationenwechsel. Dann die schönen historischen Städte mit ihrem kulturellen Angebot. Und jetzt auch noch erweitert mit Attraktionen durch die Gartenschau. Immer wieder zeigt sich der Kernener Bürgermeister begeistert, wie etwa die Kugelbahn in seiner Gemeinde angenommen wird oder jüngst das Doppelkonzert mit Rock und klassischem Orchester.

Der Anschub ist so gewaltig, dass Altenberger bremsen muss: „Wir können nicht alles übernehmen.“ Solche Veranstaltungen wie „Rems total“, 24-Stunden-Wanderung oder „Nacht der Museen“, da seien etwa die größeren Städte gefragt.

Großer Drang ins Remstal

Die Remstal-Route als Vermarktungsverein ist attraktiv. Das bestätigt Michael Rembold, der Bürgermeister von Waldstetten. Seitdem der Göppinger Raum seines Tourismusvereins verlustig ging, ist der Drang ins Remstal noch größer. Einstimmig sprach sich der Gemeinderat für den Beitritt aus. Rembold versucht sich gar an einer Variante eines schon historischen Zitats: „Jetzt kommt dazu, was zusammengehört. Ich glaube, dass wir uns sehr wohl fühlen bei den Remstälern.“

Gibt denn gar nichts zu denken? Doch, doch. Aber das meint die Endlichkeit der Infrastruktur. Sprich: Es könnte noch mehr gehen. Bader sagt: „Bei uns klemmt es noch an Übernachtungsmöglichkeiten.“ Da brachte auch die Gartenschau keinen Schub. Denn jeder weiß, solche Leistungsschauen ziehen vor allem Tagesgäste. Aber der Trend gehe Richtung „heimelige Übernachtungsgelegenheit“. Familiär soll es zugehen, so was wie Kurzurlaub auf dem Bauernhof. Und da, sagt der Geschäftsführer, gebe es doch hier auch im oberen Remstal „tolle Entwicklungsmöglichkeiten“.