Rems-Murr-Kreis

Die Schienenprojekte im Rems-Murr-Kreis

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Auf der Murrbahn sind bereits moderne Züge des Typs Talent 2 unterwegs. Ab Sommer 2019 verkehren auch auf der Remsbahn private Züge vom Typ Flirt. © Habermann / ZVW

Waiblingen/Stuttgart. Ein Dutzend Schienenprojekte zwischen Rems und Murr umfasst der Regionalverkehrsplan, den die Regionalversammlung beschlossen hat. Angefangen bei einer Stadtbahn zwischen Ludwigsburg und Waiblingen bis hin zu einem stellenweise dreigleisigen Ausbau der Remsbahn zwischen Waiblingen und Schorndorf.



Der Regionalverkehrsplan stellt ein integriertes Handlungskonzept für die Weiterentwicklung der Mobilität in der Region dar, schreibt der Verband Region Stuttgart zu den mehr als 280 Straßen- und Schienenbauprojekten, die der mehr als 650 Seiten umfassende Regionalverkehrsplan samt seinem Anhang umfasst. Der Plan berücksichtig die für die Regionalplanung wichtigen Wechselbeziehungen zwischen der Siedlungs-, Freiraum- und Infrastrukturentwicklung. Der Prognosehorizont erstrecke sich bis zum Jahr 2025.

Verkehr in der Region hat längst seine Belastungsgrenze erreicht

Der Verkehr in der Region hat längst seine Belastungsgrenze erreicht. Staus auf den Straßen, überfüllte Busse und Bahnen sind der Alltag für die 2,9 Millionen Einwohner in der Region. Im Regionalverkehrsplan wird der drohende Verkehrskollaps etwas vorsichtiger ausgedrückt: „Da sich die Verkehrsnetze und -angebote langsamer als die verkehrsverursachenden Strukturen entwickelten, sind bereichsweise sehr hohe Verkehrsbelastungen und vornehmlich während der Hauptverkehrszeiten teilweise auch Überlastungen der Verkehrssysteme festzustellen.“ Die Dauermisere der von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahn sind demnach „Defizite in der Zuverlässigkeit von Verkehrsverbindungen und Planbarkeit von Fahrten“. Die Sorge der Region ist, dass diese Mängel zum Hemmschuh für die weitere Entwicklung der Region Stuttgart als prosperierender Wirtschafts- und lebenswerter Wohnstandort werden.

Auf der Schiene und im öffentlichen Nahverkehr sind mehrere Akteure unterwegs, was die Koordination oft erschwert. Für Busse sind die Landkreise zuständig, für die S-Bahnen die Region Stuttgart und der Regionalverkehr wird vom Land gesteuert. Mit dem ÖPNV-Pakt 2025 wurden die Aufgaben klar verteilt. Der Pakt 2 verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2025 die Zahl der Fahrgäste im ÖPNV um mindestens 20 Prozent zu erhöhen. – Der Schienenverkehr bildet das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs in der Region Stuttgart. Die Einzelvorhaben ließen sich folgenden Maßnahmetypen zuordnen: Einrichtung neuer Linien, Verlängerungen bestehender Linien, Angebotsverbesserungen durch Taktverdichtung, Beschleunigung oder Ausweitung der Betriebszeiten in Form von Früh- bzw. Nachtverkehren, Einrichtung neuer Haltestellen wie Neubau von Schienentrassen sowie Ausbau von Schienentrassen.

Fern-, Regional- und Güterverkehr

Für den Rems-Murr-Kreis werden im Fern-und Regional- und Güterverkehr folgende Projekte aufgeführt:

Murrbahn und Remsbahn sollen streckenweise auf Neigetechnik umgerüstet werden, damit die Züge Stuttgart-Nürnberg-Berlin schneller unterwegs sind. „Hohe Dringlichkeit“.

Zwischen Waiblingen und Schorndorf geht es auf der Remsbahn eng zu. Die Strecke ist mit S-Bahnen, Regionalzügen und Fernzügen sehr belastet. Ein drittes Gleis an manchen Stellen schafft Überholmöglichkeiten und erhöht die Kapazität. „Höchste Dringlichkeit“.

Noch sehr unkonkret sind die Überlegungen für ein „Überwerfungsbauwerk“ in Fellbach, das die Kreuzungskonflikte zwischen S-Bahn aus Richtung Backnang und dem Regionalverkehr Richtung Schorndorf entschärfen könnte. „Hohe Dringlichkeit“.

Bis die Zugstrecke Backnang-Schwäbisch Hall-Hessental zweispurig ausgebaut ist, wird es wohl noch eine Weile dauern („Hohe Dringlichkeit“). Bis dahin sollen aber drei Kilometer lange „Doppelspurinseln“ den Engpass auf der Strecke lindern, zum Beispiel bei Oppenweiler. „Höchste Dringlichkeit“.

Wieslauftalbahn

Eine Verlängerung der Wieslauftalbahn über Rudersberg hinaus bis Welzheim bleibt auf der Tagesordnung. Allerdings überwiegen die Nachteile des 50-Millionen-Projektes die Vorteile, denn der Bus von Welzheim nach Schorndorf ist schneller als der Zug, der den Umweg über das Wieslauftal machen muss. „Trassenfreihaltung“.

S-Bahnen

Die S 3 Backnang-Flughafen soll frühmorgens einmal zusätzlich fahren, so dass die erste S-Bahn nicht erst um 5.50 Uhr am Flughafen ist und die ersten Abflüge nicht erreicht werden. „Hohe Dringlichkeit“.

Die S-Bahn-Verlängerung von Backnang bis Murrhardt wird nicht weiterverfolgt. Die Kosten von 29 Millionen Euro stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.

„Nicht weiterverfolgen“ heißt es auch über die S-Bahn-Haltestelle Burgstetten-Erbstetten. Grund ist das Landschaftsschutzgebiet „Unteres Murrtal“, das beschädigt würde.

Stadtbahnen

Faktisch ist der Traum von einer Stadtbahn zwischen Ludwigsburg und Waiblingen längst ausgeträumt. Die Stadt Ludwigsburg will partout keine gelben, hochbeinigen SSB-Züge in der Barockstadt sehen und denkt über E-Busse oder Niederflurbahnen nach. Gleichwohl bleibt die 300 Millionen Euro teure Stadtbahn Teil des Regionalverkehrsplans. Dagegen spricht vor allem aber auch der Naturschutz, da die Bahn mehrere Land- und Naturschutzgebiete zerschneiden würde. „Hohe Dringlichkeit“.

„Hohe Dringlichkeit“ genießt die Stadtbahnverlängerung von Stuttgart-Neugereut nach Fellbach-Oeffingen. Die Strecke tangiert jedoch naturschutzrechtliche Schutzgebiete in erheblichem Ausmaß.


Expressbusse

Regionale Expressbusse wurden im ÖPNV-Pakt 2025 als neues Produkt im VVS definiert. Die „Relex“-Busse schaffen tangentiale Direktverbindungen zwischen den Ästen der S-Bahn Stuttgart. Im Dezember 2016 ging unter anderem die Linie Waiblingen – Esslingen über Kernen in Betrieb. Der Einsatz von Expressbussen bleibt zunächst auf diese drei Linien beschränkt. Bei starker Nachfrage und wirtschaftlichem Betrieb sei jedoch die Einführung weiterer Linien zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Darunter die Linien Ludwigsburg-Waiblingen, Fellbach-Ludwigsburg, Schorndorf-Göppingen und Schorndorf-Plochingen.

Zu den übrigen Busverkehren macht der RVP keine Aussagen. Für die sind nämlich die Landkreise zuständig. 2015 beschloss der Kreistag einen Nahverkehrsplan Rems-Murr. Die Busverkehre wurden in sogenannten Linienbündeln neu ausgeschrieben und erheblich ausgeweitet.