Rems-Murr-Kreis

Die Viren fliegen: Woran erkennt man den Unterschied zwischen Erkältung, Grippe oder Covid-19?

Was tun bei Erkältungen?
Im Frühstadium lassen sich eine Corona-Infektion und eine Erkältung kaum unterscheiden. © Foto: djd/tetesept

Mit den ersten kühleren Tagen startet auch die Erkältungssaison. Fast jeder dritte Versicherte der AOK war im Jahr 2019 im Rems-Murr-Kreis wegen einer akuten Infektion der oberen Atemwege in ärztlicher Behandlung. Unter kleinen Kindern sind Erkältungen noch weiter verbreitet: Etwa zwei von drei Kindern unter vier Jahren waren im Jahresverlauf deshalb beim Arzt.

Doch in diesem Jahr stellen sich viele die Frage: Wie unterscheiden sich Erkältungssymptome von denen einer Infektion mit Covid-19? „In den ersten Tagen ist es für Betroffene nicht möglich zu unterscheiden, ob sie an Covid-19 oder einer Erkältung erkrankt sind“, sagt Dr. Leslie A. Trautrims-Michelitsch, Fachbereichsleiterin Behandlungsmanagement bei der AOK Baden-Württemberg. „Beide können zum Beispiel mit Halsschmerzen und Husten einhergehen. Der für Covid-19 beschriebene Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns kann auch bei einer gewöhnlichen Erkältung vorkommen. Bei Covid-19 sind tendenziell starker trockener Husten und hohes Fieber vorrangig, Begleiterscheinungen wie Kopf- und Glieder- oder Bauchschmerzen eher selten“, so die Expertin weiter. Zur Abklärung des Vorgehens sollten sich Betroffene telefonisch an ihren Arzt wenden.

Eine Erkältung entwickelt sich im Normalfall über einige Tage. Typische Beschwerden sind unter anderem ein Schnupfen mit verstopfter oder laufender Nase, Niesen, Husten und Halsschmerzen. Bisweilen kann eine Erkältung auch mit leichtem Fieber, Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen einhergehen - und ist normalerweise deutlich harmloser als eine echte Grippe. „Gelegentlich werden Erkältung und Grippe verwechselt. Eine echte Grippe oder Influenza verursacht aber normalerweise viel stärkere Beschwerden. Sie wird von ganz anderen Virustypen verursacht und ist seltener als eine einfache Erkältung. Eine Grippe beginnt im Allgemeinen auch nicht allmählich, sondern meist sehr plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen,“ erläutert Dr. Leslie A. Trautrims-Michelitsch.

Erkältung in einer Woche vorbei

Bis die Symptome ganz abgeklungen sind, kann es aber auch schon mal etwas länger dauern. Vor allem Husten kann hartnäckiger sein. Bis er komplett ausgestanden ist, dauert es bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage. Auch bei Kindern kann Husten mitunter drei Wochen lang anhalten. Eine Behandlung mit Medikamenten ist in der Regel nicht nötig. Sie können gegebenenfalls helfen, die Beschwerden etwas zu lindern.

Viele Menschen vermuten, dass Antibiotika generell gegen Infektionen wirken. Tatsächlich können sie aber nur Infektionen bekämpfen, die durch Bakterien verursacht werden. Gegen Viren sind sie machtlos und können daher auch gegen Erkältungen nichts ausrichten. Studien bestätigen, dass Antibiotika die Dauer einer einfachen Erkältung nicht verkürzen. Allerdings haben sie häufig Nebenwirkungen: Etwa eine von zehn Personen muss beispielsweise mit Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Hautausschlägen rechnen. Grundsätzlich greift die orale Einnahme von Antibiotika die (bakterielle) Darmflora an und kann in der Folge zu einer Fehlbesiedelung des Darms führen. Und es gibt noch einen anderen guten Grund, Antibiotika nur mit Bedacht einzusetzen: Ihr übermäßiger Einsatz gegen harmlose Krankheiten führt dazu, dass Bakterien mit der Zeit unempfindlich (resistent) gegenüber Antibiotika werden. Bei ernsthafteren Infektionen wirken die Mittel dann unter Umständen nicht mehr. „Anders sieht es aus, wenn sich im Gefolge einer Erkältung Bakterien in den Atemwegen ausgebreitet haben und dort zu einer Entzündung führen. Dann kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden“, so Dr. Leslie A. Trautrims-Michelitsch.

Das beste Mittel gegen Erkältungen ist, sich vor einer Ansteckung zu schützen. „Erkältungsviren“ verbreiten sich vor allem über Tröpfchen: Beim Niesen oder Husten werden viele winzige virushaltige Tröpfchen in die Luft versprüht, die sich unter anderem auch auf Türklinken, Computer-Tastaturen oder Haltegriffen in der U-Bahn ablagern können. Beim Anfassen gelangen die Viren an die Hände und von dort leicht weiter an Nase oder Mund. Wer es vermeidet, sich ins Gesicht zu fassen, kann sein Erkältungsrisiko deshalb verringern. Sich häufig die Hände zu waschen, ist ein guter zusätzlicher Schutz gegen Erkältungen.