Rems-Murr-Kreis

Diebe hoffen auf baldige Abschiebung

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20 Einbrüche im Frühjahr 2017 werden einer Diebesbande zur Last gelegt. Sie waren über Terrassen- und Kellertüren sowie über die Balkonfenster in die meist von Senioren bewohnten Häuser eingedrungen. © Fotolia/AAW

Schorndorf/Stuttgart. 20 Einbrüche werden den zwei Dieben vorgeworfen. Vorwiegend war die Bande im Rems-Murr-Kreis unterwegs und hatte es im Frühjahr 2017 auf Wohnungen abgesehen, in denen Senioren lebten. Seit Juli 2017 sitzen Goran K., 26,, und Milan P., 24, (Namen geändert) in U-Haft. Zunächst nicht wegen der Einbrüche, sondern wegen einer brutalen Schlägerei im Stuttgarter Hallschlag, in die sie verwickelt waren und für die sie inzwischen verurteilt sind.

Auf sieben Verhandlungstage hatte die 5. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart den Prozess gegen die beiden Männer angesetzt. Doch der Vorsitzende Richter Volker Peterke hat es auf einen kurzen Prozess abgesehen. Er schlug gleich nach der Verlesung der Anklage eine Verständigung vor, sofern die Angeklagten für die offensichtlich nachweisbaren Einbrüche Geständnisse ablegen. Zusammen mit den Strafen für die wüste Schlägerei sollen Gesamtstrafen von sechs Jahren für Goran K. und sieben Jahren für Milan P. gebildet werden.

Angeklagte zeigen sich geständig und reumütig

Als Serben können sie damit rechnen, nach etwa der Hälfte der Strafe in ihr Heimatland abgeschoben zu werden, machte der Richter den Angeklagten die Verständigung schmackhaft. Der Vorschlag war verlockend genug, dass die Angeklagten nach Rücksprache mit ihren Verteidigern sich nicht nur geständig, sondern auch reumütig zeigten – in der Hoffnung, in eineinhalb bis zwei Jahren wieder auf freiem Fuß zu sein. Wenn auch nicht in Deutschland, sondern in Serbien.

Die Objekte wurden sorgsam ausgekundschaftet

Von dort nach Deutschland gekommen waren die beiden Angeklagten über Österreich und der Schweiz erst Anfang 2017. Am 29. März 2017 begann eine Einbruchserie, die Goran K. als Kopf der Bande und Milan P. sowie zwei untergetauchten Komplizen zugerechnet wird. Der Wert der Beute aus diesen 20 Einbrüchen betrug rund 100 000 Euro. Die Bande war wohl gut organisiert, stellte der Staatsanwalt in seiner Anklage fest. Die Objekte wurden sorgsam über mehrere Tage ausgekundschaftet. Während ein Mitglied der Bande Schmiere stand, drangen ein oder zwei Einbrecher in die Häuser ein und standen mit ihrem Schmiere stehenden Boss Goran K. ständig über Handy in Kontakt.

Mit knallrotem BMW aufgefallen

Um in den ausgekundschafteten Wohngebieten nicht sofort als Fremde aufzufallen, war die Bande mit Fahrzeugen mit WN- oder BK-Kennzeichen unterwegs. Benutzt hat die Bande unter anderem einen knallroten 3-er BMW eines Bekannten aus Schorndorf. Just dieser BMW fiel Anwohnern ins Auge und führte die Waiblinger Kripo auf die Spur der Bande. Über die ausgewerteten Mobilfunk-Daten ließen sich die Einbrüche der Bande und den jeweiligen Mitgliedern zuordnen.

Schmuck und Geld aus Häusern geklaut

Vermutlich waren es weit mehr als diese 20 Einbrüche, die in der Anklageschrift auftauchen. Goran K. und Milan P., beides gelernte Mechaniker, gaben zwar an, vor ihrer Haft arbeitslos gewesen zu sein. Doch tatenlos waren sie in dieser Zeit eher nicht. Am 29. März schlugen sie zweimal in Backnang und Fellbach zu. Sie hatten die beiden Häuser durchwühlt und verschwanden mit einigen Hundert Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von rund 10 000 Euro. Tagsdrauf, am 30. März, drangen sie in zwei Häuser in Geradstetten ein. In dem einen war nur 25 Euro in bar zu holen, aber sie fanden Schmuck und Gold im Wert von 14 000 Euro. In der anderen blieb die Beute mit 150 Euro in bar und 400 Euro Schmuck geringer.

In Schlägerei in Bad Cannstatt verwickelt

Der letzte Einbruch der Bande fand laut Anklageschrift am 22. Juni in Fellbach statt. Seit 10. Juli sitzen Goran K. und Milan P. in Untersuchungshaft, nachdem sie am 29. Juni 2017 in eine Schlägerei mit rund einem Dutzend Beteiligten in Bad Cannstatt verwickelt waren. Auslöser war der Streit um die Begleiterin eines Gastwirts, an den sich das später lebensgefährlich verletzte Opfer herangemacht haben soll. Der muskulöse Milan P. zeigte sich dabei von einer ausgesprochen brutalen Seite. Er trat dem bereits bewusstlos am Boden liegenden Opfer mit den Fuß gegen den Kopf, nachdem er sich diesen wie ein Fußballspieler vor dem Freistoß den Ball noch zurechtgelegt hatte. Das inzwischen rechtskräftige Urteil der Schwurgerichtskammer für die versuchte Tötung lautete auf sechs Jahre Haft. Goran K. war zwar ebenfalls in die Auseinandersetzung verwickelt, kam aber mit vier Jahren Haft davon. An dieser Schlägerei waren ferner zwei weitere Mitglieder der Einbrecherbande beteiligt, die jedoch untergetaucht sind.

Richter zweifelt an Beweislage

Dass die beiden Angeklagten dank der sogenannten Verständigung mit sechs beziehungsweise sieben Jahren Haft davon kommen sollen, gefiel dem Staatsanwalt überhaupt nicht. Er äußerte sein „deutliches Missfallen“. Er werde aber auf den „Kampf gegen Windmühlenflügel“ verzichten, wohlwissend, dass er diesen nicht gewinnen könne. Der Vorsitzende Richter hatte seine Zweifel gezeigt, ob wirklich alle 20 Anklagepunkt zu beweisen sind. Bei Goran K., dem Kopf der Bande, ging der Richter von neun klar nachweisbaren Einbrüchen aus, bei Milan P. lediglich von vier.

Der Prozess wird am 21. Januar fortgesetzt.


Zahl der Wohnungseinbrüche war rückläufig

Die 20 der Diebesbande zur Last gelegten Einbrüche gehören zu insgesamt 323 Einbrüchen im Rems-Murr-Kreis im Jahr 2017. Wie die Jahresstatistik des Polizeipräsidiums Aalen 2017 ausgewiesen hat, ging die Zahl der Einbrüche in den drei Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall nach einem Höhepunkt im Jahr 2014 mit über 1000 Einbrüchen auf 614 zurück.

Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls war für das PP Aalen eigenen Angaben zufolge einer der Schwerpunkte des Jahres 2017. Ein Indikator für den Erfolg der Ermittlungsarbeit der Polizei war die Aufklärungsquote. Diese stieg auf rund 22 Prozent und somit auf den höchsten Stand im Fünfjahresvergleich.

„Wohnungseinbrüche berühren das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung empfindlich, da der Kernbereich der Privatsphäre unmittelbar verletzt wird“, heißt es im Jahresbericht der Polizei. Deshalb werde die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls weiterhin eine klare polizeiliche Schwerpunktsetzung bleiben.