Rems-Murr-Kreis

Drei Millionen Euro für 600 Meter Straße

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Markus Baumeister steht dort, wo eigentlich der Urbach vorbeifließt, doch der wurde nun in ein Kanalrohr gezwängt. © Schneider / ZVW
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Die Bauarbeiten laufen seit Juli. © Gaby Schneider
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Hier wird die Straße verlaufen. © Gaby Schneider
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Der Urbach verschwindet am Jugendhaus kurzzeitig in einem Rohr. © Gaby Schneider

Urbach. Wo sich vor einigen Wochen noch der Urbach am Jugendhaus vorbeischlängelte, verschwindet der Bach nun trist in einem Rohr, bevor der Betonkanal das Wasser später wieder ausspuckt. Grund für die Verdolung: die Bauarbeiten an der Steinbeisstraße, vor einigen Wochen begonnen. Rund drei Millionen Euro werden dort verbaut, um die Steinbeisstraße um 600 Meter zu verlängern. In einem ersten Bauabschnitt werden unter anderem Gussrammpfähle in den Boden gebohrt.

Bauarbeiter und Maschinen – und überall Erde, Steine, Geröll, Gerätschaften, Absperrgitter sowie Staub: Das Jugendhaus bietet Richtung Urbach einen traurigen Ausblick. Kinder auf Fahrrädern umkurven das JuZe. Auch sie werfen einen Blick auf die Arbeiten. Aus dem Bachbett ist eine Art Deich geworden, unter dem die Kanalrohre hindurchführen. In den beiden Gräben werden nun die Gussrammpfähle ins Erdreich getrieben.

So setzen sich die Kosten zusammen:

Nach Abschluss der Arbeiten wird der Urbach renaturiert. Darüber wird eine Stahlbetonbrücke führen, geeignet für Autos, Fahrräder und Fußgänger. Rund 550 000 Euro koste dieses Bauwerk. Die Kanalarbeiten kosten in etwa eine halbe Million Euro. Dazu gesellen sich die Ausgaben für Wasserleitungen, Leerrohre, Telekommunikation, Straßenbeleuchtung, Stromversorgung et cetera. Die alte Holzbrücke musste vor einigen Jahren, sehr zum Missfallen einiger Urbacher, wie sich Bauamtsleiter Markus Baumeister erinnert, gesperrt werden. Man hätte eine fünfstellige Summe investieren müssen. Darauf habe man im Hinblick auf den Ausbau der Steinbeisstraße verzichten wollen.

Die Baustelle beginnt vor der Firma Lutz Tiefbohrungen. In einem ersten Bauabschnitt soll die Steinbeisstraße Richtung Konrad-Hornschuch-Straße verlängert werden. Bauabschnitt zwei, bis zur Dieselstraße, soll im Anschluss begonnen werden. Die Straße, inklusive Geh- und Radweg, wird bis zu zwölf Meter breit sein und auch Parkbuchten beinhalten. Die Straße wird dann zwischen Jugendzentrum und dem Haus der Kleintierzüchter hindurch Richtung Konrad-Hornschuch-Straße führen. Vor dem Urbach gibt es eine Abzweigung auf die Daimlerstraße.

"Das wird eine spürbare Erleichterung sein"

Der Ausbau der Steinbeisstraße soll vor allem auch den Anwohnern des Neumühlewegs zugutekommen, hält Markus Baumeister fest. „Das wird eine spürbare Erleichterung sein“, verspricht er – vor allem auch, weil der Schwerlastverkehr künftig nicht mehr dort herfahren muss. Auch die Auerbachhalle und das dortige Gewerbegebiet sind ab dem nächsten Jahr besser angebunden, nämlich durchgehend von der Wasenstraße.

Ende April, noch vor der Gartenschau, sollen die Arbeiten beendet und der Urbach im Rahmen von Hochwasserschutzmaßnahmen wieder freigelegt sein und renaturiert werden, wobei vor Ort keine Auen oder Ähnliches entstehen werden, wie Baumeister einschränkt.

Wann die Straße verlängert wird, steht noch nicht fest

Beim Bau der Brücke sei es wichtig, dass die Abdichtungsebene noch vor Wintereinbruch fertiggestellt wird. Von dem Ausbau werden auch Radfahrer profitieren, wenn sie zur Urbacher Mitte oder auf den Remstalradweg wollen. Ziel ist es, die Entlastungsstraße am Hornschuch-Areal vorbei auf die Kreisstraße zwischen Urbach und Plüderhausen zu verlängern, sprich noch einmal rund 1000 Meter Straße zu bauen. Das sei eine politische Entscheidung, so Baumeister. Einen Baubeschluss gebe es noch nicht, allerdings liegen entsprechende Pläne bereits seit Jahren in der Schublade und Gelder wurden im Haushalt bereitgestellt.

Ziel ist es, die Ortsmitte zu entlasten. Rund 15 000 Fahrzeuge durchqueren diesen Bereich täglich, so Baumeister. Durch die Entlastungsstraße könnte die Zahl wohl halbiert werden. Ende 2016 hatte der damalige Bürgermeister Jörg Hetzinger dem Gemeinderat signalisiert, dass der zweite Bauabschnitt, also die Verlängerung zur Kreisstraße, förderfähig sei und Zuschüsse in Aussicht gestellt worden seien. Fördergelder gibt es für den derzeitigen Ausbau nicht, weil es sich um einen Straßenausbau im Innenbereich handle.

In unmittelbarer Nähe zur Baustelle hat die Gemeinde als Vorgriff auf die aktuelle Baustelle bereits viel Geld investiert, Stichwort Vorflutsicherungsbauwerk. Der sogenannte „Stauraumkanal X“ kostete die Gemeinde rund 700 000 Euro.


Neues Sportgelände

Wegen der Bauarbeiten musste beim Jugendhaus das Volleyballfeld weichen. Es soll Ersatz geben, gegebenenfalls wieder ein Volleyballfeld, doch die Entscheidung stehe noch aus, so Markus Baumeister. Möglich sei auch eine Art Multifunktionsplatz.