Rems-Murr-Kreis

Drei Schüler erzählen, warum sie durchfielen

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Symbolbild. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Ängste, fehlende Konzentration und nicht ganz so nette Prüfer – Durchfaller erinnern sich an allerlei Unangenehmes. Drei junge Erwachsene erzählen, wie es war, als sie die Prüfung nicht bestanden haben.

Der große Tag ist da. Man steigt mit seinem Fahrlehrer und einem Fremden ins Auto. Nur eine einzige Fahrt, bei der am besten alles gut laufen soll. Doch was ist, wenn diese Fahrt in einer Katastrophe endet und man das dann auch noch allen Freunden und der Familie erklären muss?

Lea (Name geändert) passierte das: Sie flog gleich viermal durch die Prüfung. Einmal bei der Theorieprüfung und dreimal bei der Praxisprüfung. „Ich hatte Prüfungsangst“, erklärt sie. „Bei der schriftlichen Prüfung hab ich mir eingeredet, dass das meine erste große Prüfung ist, und wenn ich die nicht schaffe, dann schaffe ich auch das Abi nicht.“

Der Fahrlehrer schickte sie zu einer Psychologin

Nachdem sie die zweite Theorieprüfung bestanden hatte, folgten die Fahrstunden. „Mein Fahrlehrer war super. Er war auch richtig überzeugt von mir.“ Doch bei den Fahrprüfungen griff die Prüfungsangst wieder zu. Entweder sie war zu nervös („Ich sollte parken, war nervös und habe die falsche Stelle rausgesucht“), die Prüferin stellte komische Fragen („Sie hat gemerkt, dass ich nervös bin, und hat dann zum Beispiel nach der Heckscheibenheizung gefragt“) oder sie leistete sich einen Fehler beim Auffahren auf eine Bundesstraße.

„Der dritte Prüfer hat zu meinem Papa gesagt, dass ich eigentlich Auto fahren kann und dass es eigentlich nur meine Prüfungsangst ist“, stellt Lea klar. Nach diesem Versuch war ihr Fahrlehrer schließlich so verzweifelt, dass er sie zu einer Psychologin schickte; Familiensitzung und Hypnose inklusive. Die muss wohl geholfen haben: Die vierte Prüfung bestand sie schließlich; wenn auch vor allem, weil der Fahrprüfer ihr half.

„Wenn man sich Stress macht, wird’s teuer“

„Ich war extrem nervös, aber ich hab’s durchgehalten“, erklärt Lea. Rückblickend sagt sie: „Ich war einfach nur heilfroh, dass es vorbei war.“ Heute kann sie gut nachvollziehen, warum sie durchfiel. Vor allem bei der ersten und der dritten Prüfung sei sie wirklich nicht gut gefahren. „Meine Familie sagt, ich fahre gut“, sagt sie heute. Allen Fahrschülern, die nun die Prüfung machen müssen, rät sie, sich nicht zu viele Sorgen zu machen, denn: „Wenn man sich Stress macht, wird’s teuer.“

Die Theorieprüfungen kritisiert sie: „Man lernt nicht, um die Regeln an sich zu verstehen, sondern man lernt nur, worauf die bei dieser speziellen Frage hinauswollen.“

Sie machte einen gravierenden Fehler

Auch Lisa (Name geändert) fiel durch ihre praktischen Prüfungen - gleich zweimal. „Am Anfang lief alles gut“, erinnert sie sich. Ihr Fahrlehrer sprach sogar von einem „billigen Führerschein“. Doch irgendwann entwickelte sie sich zu seinem „Sorgenkind“ und vor allem die Autobahn-Fahrten liefen nicht gut. Da in den letzten Fahrstunden aber alles geklappt hat, hätte sie durchkommen können.

Es kam aber anders: Sie machte einen gravierenden Fehler und ordnete sich falsch ein. So blockierte sie die Strecke für andere Autos. „Ich war halt schon genervt, dass ich es noch mal machen muss“, gibt Lisa zu.

Die zweite Prüfung war noch schlimmer. Es lag weniger am Prüfer, sondern „ich konnte mich nicht so gut konzentrieren“. Vor allem die Situation, beobachtet zu werden, machte ihr zu schaffen. Heute sagt sie: „Ich komme zurecht auf den Straßen.“

Heftige Angst kurz vor der Prüfung endete in einem Blackout

Die inzwischen sehr sichere Fahrerin Marie (Name geändert) war insgesamt zweimal beim Tüv, um die Prüfung zu absolvieren. Bei ihr griff eine Kombination von fehlender Konzentration und Prüfungsangst. Es fing schon in den „durchwachsenen“ Fahrstunden an: „Meine Fahrlehrerin war viel am Handy und hat mich damit unsicher gemacht.“

Sie gibt zu, dass in ihren Fahrstunden wenig über das Fahren gesprochen wurde. „Ich bin halt ein Mensch, der sich leicht ablenken lässt. Dadurch war ich nicht so konzentriert.“ Dies führte dazu, dass sie sich die Straßen nicht merkte. Heftige Angst kurz vor der Prüfung endete dann in einem kompletten Blackout.

Prüfer sollten freundlich sein

In der zweiten Prüfung hatte sie mehr Glück mit dem Prüfer: „Es hat mich so extrem beruhigt, dass der so nett war.“ Marie findet, dass Prüfer freundlich sein sollten: „Mir nimmt es viel Angst, wenn jemand nett und freundlich ist.“


Frauen und Männer:

Es ist reiner Zufall, dass im Artikel drei junge Frauen ihre Durchfaller-Geschichte erzählen. Der Grund ist, dass die Autorin in ihrem Bekanntenkreis zufällig nur weibliche Durchfaller hat.