Rems-Murr-Kreis

Einbrechern droht lange Haft

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen/Stuttgart. Mit mehrjährigen Haftstrafen müssen drei Männer und eine Frau aus Moldawien rechnen. Sie haben vor dem Stuttgarter Landgericht eine Vielzahl von Einbrüchen zugegeben. Betroffen waren auch Firmen in Kernen und mehrere Gartenhausbesitzer in Waiblingen. Um ein langwieriges Verfahren zu vermeiden, einigte man sich am Freitag schon vorab auf einen Strafrahmen.

Auf Nicht-Juristen wirkt das, obwohl völlig legitim, immer wieder befremdlich: Die Verfahrensbeteiligten sprechen im Hinterzimmer ab, wie die Verhandlung enden könnte. Es kommt dann danach nur noch zu einer kurzen Beweisaufnahme, und das Gericht sichert zu, keine höheren als die vorab vorgeschlagenen Strafen zu verhängen. Voraussetzung für den Deal: Ein Geständnis. Zuerst lehnten die vier Angeklagten diese Vorgehensweise ab – um dann doch zuzustimmen. Unmissverständlich hatte der Vorsitzende Richter klar gemacht: Im Falle einer Verurteilung ohne Vorabsprache nach sehr langer Verhandlung fielen die Strafen wohl deutlich höher aus. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den Vieren gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahl sowie gemeinschaftlichen Diebstahl in besonders schwerem Fall vor.

Mutmaßlicher Haupttäter muss voraussichtlich mindestens fünf Jahre ins Gefängnis

Der mutmaßliche Haupttäter, ein muskelbepackter 31-jähriger Bauarbeiter aus Moldawien, muss voraussichtlich zwischen fünf und fünfeinhalb Jahre hinter Gitter, so sieht es der Vorabvorschlag vor. Ein weiterer mutmaßlicher Einbrecher, ein nach eigenen Angaben spielsüchtiger, 29-jähriger Familienvater und gelernter Erzieher aus Moldawien, wird voraussichtlich drei Jahre plus drei bis neun Monate Freiheitsstrafe erhalten. Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei bis neun Monaten kündigte der Richter für die beiden weiteren Angeklagten an: Ein 41-jähriger Bauarbeiter und zweifacher Vater ohne Vorstrafen, der nach eigenen Angaben hin und wieder allein drei Flaschen Wodka leert, und eine junge Frau, 21 Jahre alt. Eine Freundin habe behauptet, die in Moldawien beschäftigungslose Angeklagte, die keine Berufsausbildung hat, könne in Deutschland in einem Hotel als Putzfrau anheuern. Später hieß es dann, sie solle in einem Bordell arbeiten – „was ich abgelehnt habe“, wie der Dolmetscher übersetzt. Der 41-Jährige gab über seinen Anwalt zu Protokoll: „Ich bereue das sehr. Es tut mir wirklich leid. Jetzt sitze ich im Gefängnis und kann meiner Familie kein Geld mehr schicken.“

Insgesamt 22 Einbrüche

Insgesamt 22 Einbrüche listet die Staatsanwältin auf, davon viele im Rems-Murr-Kreis, viele auch im Kreis Ludwigsburg, einige in Calw. In wechselnder Besetzung sind die vier Moldawier offenbar in Firmen auch in Kernen, in Geflügelhöfe, in jede Menge Gartenhäuser in Waiblingen und in Wohnungen in Backnang eingestiegen. Am häufigsten fällt bei der Verlesung der Anklage der Name des 31-Jährigen. Seine Daten waren in einer Datenbank gespeichert gewesen. Ein Abgleich mit einer DNA-Spur unter anderem an einer Bierflasche führte zum Treffer: Er war’s.

Diebesgut von erheblichem Wert

Das voraussichtliche Strafmaß von mindestens fünf Jahren für den 31-Jährigen lässt vermuten, dass das Diebesgut erheblichen Wert hatte. In Summe dürfte es um einen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich gehen.

Es fehlten nach den Einbrüchen je nach Örtlichkeit Handys, Laptops, Geschirr, ipads, Fahrräder, Biergläser, Rasierer, Akkuschrauber, Fernsehgeräte, Kameras oder Navigationsgeräte – und öfter Geldkassetten mit ein paar Hundert Euro oder weniger darin. Auf Lebensmittel hatten es die Eindringlinge auch abgesehen. Süßigkeiten in großen Mengen ließen die Täter in einem Fall mitgehen, ferner stahlen sie in einer Gaststätte ein Kilo Gouda, Lachs, Speck, Sahne und einen halben Laib Brot.

Tresore mir roher Gewalt ausgebaut

Mehrmals klauten die Einbrecher fest eingebaute Tresore – das geht nur mit roher Gewalt. Sie hebelten Türen auf, bohrten Löcher unter Fenstergriffe, zerschlugen Scheiben, setzten Eisenpickel, Brechstangen und Spaten ein. In Summe richteten die mutmaßlichen Täter Schäden von vielen Tausend Euro an. In Waiblinger Gartenhausanlagen wurden erst im Dezember 2017 und dann nochmal im Februar mehrere Holztüren gewaltsam aufgehebelt. Zeitweise wohnte zumindest ein Teil der Bande auch in einem Gartenhaus in Waiblingen. Zwei der Angeklagten hielten sich ferner in einer Bauarbeiter-Wohngemeinschaft in Waiblingen auf.

Alle vier Angeklagten sitzen seit April in Untersuchungshaft. Während der Verhandlung saßen pro mutmaßlichem Täter zwei Wachbeamte mit im Saal, ferner hatte das Gericht zwei Dolmetscher bestellt. Zwei der beiden Angeklagten besitzen außer der moldawischen auch die rumänische Staatsangehörigkeit – mit letzterer kann man leichter in Deutschland arbeiten.