Rems-Murr-Kreis

Einschätzung des Landrats Sigel: Ganz Baden-Württemberg ist auf dem Weg, zum Risikogebiet zu werden

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Symbolbild. © Gabriel Habermann

Fellbach oder Waiblingen oder irgendeine andere Kommune nur anhand der absoluten Infektionszahlen als Corona-Hotspots zu bezeichnen, sei nicht gerechtfertigt, sagt Landrat Dr. Richard Sigel. „Wenn sie es nämlich prozentual und in Relation zu den Einwohnerzahlen der jeweiligen Kommunen mal durchrechnen würden, wären kleinere Ortschaften im Kreis schon bei einstelligen oder niedrigen zweistelligen Infektionszahlen im roten Bereich.“ 

Fellbach hat rund 45 700 Einwohner und derzeit 65 Corona-Infizierte in Quarantäne (Stand: 15.10., 15.50 Uhr). Das sind 0,142 Prozent. Waiblingen hat rund 55 400 Einwohner und derzeit 35 Corona-Infizierte in Quarantäne (Stand: 15.10., 15.50 Uhr). Das sind 0,06 Prozent. Kernen hat rund 15 400 Einwohner und derzeit 17 Corona-Infizierte in Quarantäne (Stand: 15.10., 15.50 Uhr). Das sind 0,11 Prozent.

Vergleicht man das mit einer kleineren Kommune, so wird deutlich, was Sigel meint. Althütte hat rund 4200 Einwohner und derzeit „nur“ drei Corona-Infizierte in Quarantäne (Stand: 15.10., 15.50 Uhr). Das sind 0,7 Prozent – und prozentual gesehen „weit mehr“ als in Fellbach, Waiblingen und Kernen zusammen.

Waiblingen und Fellbach stechen heraus

Nimmt man allerdings Ortschaften mit ähnlichen Einwohnerzahlen wie Fellbach und Waiblingen, etwa Schorndorf (39.600 Einwohner, zehn Infizierte, also 0,02 Prozent), so stechen die Infektionszahlen in Fellbach und Waiblingen doch heraus.

Die Nähe zum Warnstufe-Rot-Gebiet Stuttgart könnte für das Infektionsgeschehen in Fellbach eine Rolle spielen. Doch rührt dort etwa die Hälfte der Infektionen von Infizierten in Asylunterkünften her. „Die andere Hälfte stammen von jeweils mehreren Infizierten in Familien und einige von privaten Feiern. Das Infektionsgeschehen ist noch einigermaßen klar abgrenzbar nicht so diffus wie etwa im Landkreis Esslingen“, sagt die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull.

Welche Ortschaften als „Hotspots“ deklariert würden, könnte Einfluss darauf haben, ob dort eine erweiterte Maskenpflicht gelten muss. Die nach Abmachung der Länderchefs und der Kanzlerin angekündigte erweiterte Maskenpflicht ab der Vorwarnstufe Gelb, an Orten, wo regelmäßig kein 1,5-Meter-Abstand gehalten wird oder kann, wird auch den Rems-Murr-Kreis treffen. An welchen Orten genau, ob etwa in der Fellbacher und Waiblinger Innenstadt – beide Städte haben in absoluten Zahlen derzeit die meisten Infektionen, wird kontrovers diskutiert, verlautet es aus dem Landratsamt. Man warte hier noch auf genauere und defintive Vorgaben von oben, heißt es.

Ganz Baden-Württemberg sei auf dem Weg, zum Risikogebiet zu werden

„Ganz Baden-Württemberg ist auf dem Weg, zum Risikogebiet zu werden“, sagt Landrat Sigel. Die Corona-Vorwarnstufe Gelb und die Warnstufe Rot wird sukzessive in immer mehr Stadt- und Landkreisen erreicht, mit der Folge, dass strengere Infektionsschutzregeln und Beschränkungen folgen müssen – auch um das Gesundheitssystem, die Kontakte-Nachverfolger und die Testkapazitäten nicht überzubeanspruchen, und damit alles noch handhabbar bleibe, so Sigel.

Warnstufe Rot gilt bereits im Stadtkreis Baden-Baden, Landkreis Esslingen, Stadtkreis Heilbronn, Landkreis Ludwigsburg, Stadtkreis Mannheim, Landkreis Schwäbisch Hall, Stadtkreis Stuttgart, Schwarzwald-Baar-Kreis, Landkreis Tübingen (Stand Donnerstagabend, Quelle: Landesgesundheitsamt).

Die Vorwarnstufe Gelb wurde neben dem Rems-Murr-Kreis bereits erreicht im Landkreis Böblingen, Landkreis Göppingen, Neckar-Odenwald-Kreis, Landkreis Reutlingen, Landkreis Tuttlingen,  Stadtkreis Freiburg und im Stadtkreis Ulm (Stand Donnerstagabend, Quelle: Landesgesundheitsamt).