Rems-Murr-Kreis

Erster Mietspiegel: Fellbach ist ein teures Pflaster

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Symbolbild. © Christine Tantschinez

Fellbach. Die Stadt Fellbach hat ihren ersten qualifizierten Mietspiegel vorgestellt. Wie schon vor den vorbereitenden Untersuchungen zu erwarten war, zeigte sich: Die Mieten liegen auf hohem Niveau.

„Grundsätzlich ist der Mietspiegel kein Instrument der Mieterhöhung, sondern er gibt die derzeitige Marktlage wieder“, betonte Baubürgermeisterin Beatrice Soltys bei der Vorstellung des qualifizierten Mietspiegels. Vorausgegangenen waren wissenschaftlich begleitete Umfragen, mit denen eigene kommunale Daten in den Kommunen Fellbach, Kernen, Leutenbach und Winnenden erhoben wurden. Der neue Mietspiegel ist mit dem 1. August 2019 in Kraft getreten.

„Die Ergebnisse bestätigten die Befürchtungen: Die Mieten in Fellbach bewegen sich auf einem hohen Niveau“, schildert Bürgermeisterin Soltys. Dabei zeige sich allerdings eine große Spannbreite in den erhobenen Mieten, die von 7,23 bis 15,82 € pro Quadratmeter reicht. „Vermieter sind oft an langfristigen Mietverhältnissen interessiert und nicht daran, Höchstpreise zu erzielen“, kommentierte Ulf Krech, Vorstand Haus und Grund Fellbach, die Daten.

Bislang am Stuttgarter Mietspiegel orientiert

Bislang orientierten sich die Fellbacher Mieten am Stuttgarter Mietspiegel. Der Mittelwert des Stuttgarter Mietspiegels sollte den oberen Wert des Fellbacher Mietspiegels abbilden, was jedoch bei Abwägung aller Interessen so nicht immer umgesetzt werden konnte, wie in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus erläutert wird. Dieser einfache Mietspiegel basierte auf Referenzdaten, die nicht auf einer gesicherten wissenschaftlichen Basis erhoben wurden und spiegelte weder das tatsächliche Mietpreisgefüge noch die ortsübliche Vergleichsmiete von Fellbach wider. In der Junisitzung 2018 hatte der Gemeinderat daher die Ausarbeitung eines qualifizierten Mietspiegels beschlossen.

Mit der neuen Datenbasis wird die Nettokaltmiete in Abhängigkeit von Baujahr und Fläche wiedergegeben. Darüber hinaus enthält der Mietspiegel jetzt auch bezifferbare Kriterien zur Ausstattung, Sanierung und Wohnlage. Diese werden über Zu- bzw. Abschläge bei der Ermittlung der neuen Miete mit eingerechnet und haben damit Einfluss auf die ortsübliche Vergleichsmiete. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgte wissenschaftlich begleitet durch das EMA-Institut.

Für alle Akteure am Wohnungsmarkt - Mieter, Vermieter, Interessenvertretungen und die politisch Verantwortlichen - soll der qualifizierte Mietspiegel eine Richtschnur sein, die detaillierte Einblicke in den lokalen Fellbacher Wohnungsmarkt bietet. „Die Vergleichbarkeit der Daten mit den vorangegangenen Jahren ist durch das geänderte Verfahren allerdings nur sehr eingeschränkt gegeben“, führte Roswitha Stahl vom Deutschen Mieterbund aus.

3,5 Prozent Steigerung seit 2017

Die überschlägige Mietpreissteigerung in Fellbach von 2017 bis 2019 betrage ungefähr 3,5 Prozent. Würde - wie früher auch - der Stuttgarter Mietpreisspiegel zugrunde gelegt, müsste mit 7,2 Prozent gerechnet werden, so die Vertreter der Stadt, der Immobilienbesitzer und der Mieter. Der Mietspiegel gilt als Richtschnur vor allem bei Neuvermietungen. Aufgrund der in Fellbach geltenden Mietpreisbremse ist gesetzlich vorgeschrieben, dass bei Neuvermietungen die Mieten maximal um zehn Prozent steigen dürfen. Nach dem Auslaufen der Mietpreisbremse Mitte des kommenden Jahres ist eine Mieterhöhung von maximal 20 Prozent in drei Jahren möglich.

Der jetzt angefertigte Mietspiegel ist für zwei Jahre - also bis 2021 - gültig. Dann sollen die Daten anhand eines Indexes angepasst werden. Eine vollständig neue Datenaufnahme ist in vier Jahren vorgesehen. Der Mietspiegel kann unter www.fellbach.de/mietspiegel heruntergeladen werden.