Rems-Murr-Kreis

Ex-Freundin getötet: Mann aus Weinstadt verurteilt

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Zwischen 60 und 70 Einsatzkräfte suchten damals bei Weinstadt nach der Vermissten. © Ramona Adolf

Weinstadt/Remshalden.
Zu zehn Jahren Haft ist ein 31-jähriger Mann aus Weinstadt verurteilt worden, der seine Freundin Anfang Juli 2019 in Endersbach zu Tode gewürgt hat. Der Mann hatte sich sechs Tage nach dem Tod der Frau bei der Polizei gestellt und die Tat gestanden. Zuvor hatte die Arbeitgeberin der Frau die damals 40-jährige Slowakin vermisst gemeldet. Polizei und Staatsanwaltschaft suchten mittels Öffentlichkeitsfahndung nach dem jetzt Verurteilten, der zunächst geflohen war. Die Leiche der Frau wurde am 10. Juli 2019 in einem Gebüsch an der Rems in Endersbach gefunden.

Als „spontane Tat“ wertete die neunte Große Strafkammer am Landgericht Stuttgart das Geschehen. Die Beweisaufnahme erbrachte „keine belastbaren Anzeichen, dass die Tat geplant war“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Geiger in seiner Urteilsbegründung. Der Mann ist vor diesem Hintergrund wegen Tötung, nicht wegen Mordes verurteilt worden.

„Zumindest gleichgültig“ den Tod der Frau in Kauf genommen

Dem Angeklagten sei „beim Zudrücken durchaus bewusst gewesen, dass das zum Tode führen kann“, so der Vorsitzende Richter weiter. „Zumindest gleichgültig“ sei ihm das in diesem Moment gewesen. Warum der 31-Jährige im Verlauf eines heftigen Streits mit seiner Freundin am frühen Morgen des 4. Juli die Nerven verlor, ist letztlich nicht geklärt. Die Strafkammer geht davon aus, der Mann habe sich „in die Enge getrieben“ gefühlt.

Vieles deutet darauf hin, dass der Weinstädter an jenem Morgen die Beziehung zu der Frau beenden wollte. Er lebte schon länger mit einer anderen Frau zusammen, die schwanger von ihm war; das Kind kam kurz vor Weihnachten zur Welt. Trotzdem hielt er seinerzeit an der Zweitbeziehung zu seinem späteren Opfer fest. Die Slowakin wollte partout nicht wahrhaben, dass ihr Traum von einem gemeinsamen Leben mit ihrem Freund nicht in Erfüllung gehen würde. Der Mann log ungezählte Male, erzählte Geschichten von einer angeblichen Wohnung und behauptete sogar, seine Mutter sei gestorben; man wolle zusammen zur Beerdigung fahren. Mit versteinerter Miene saß die Mutter des Verurteilten am Montag im Gerichtssaal und hörte den Worten des Richters zu.

Volle Schuldfähigkeit bescheinigt

„Durch seine ewigen Lügen gegenüber dem Opfer“, so der Vorsitzende Richter weiter, habe der Angeklagte letztlich das Verhalten der Frau an jenem Morgen verschuldet. Sie war offenbar sehr wütend geworden, als sie bemerkte, sie war erneut einer Lüge aufgesessen. Daraufhin ging sie auf ihren Freund los, schubste und schlug ihn und hörte offenbar völlig außer sich nicht auf zu schreien. Vermutlich haben Drohungen der Frau, sie werde das Verhältnis auffliegen lassen und die Lebensgefährtin ihres Geliebten über dessen Doppelleben aufklären, zur Eskalation der Situation mit beigetragen.

Volle Schuldfähigkeit hatte der psychiatrische Gutachter Dr. Peter Winckler dem Angeklagten bescheinigt; die Kammer schloss sich dieser Einschätzung an. Anzeichen für krankhafte Störungen konnte der psychiatrische Gutachter beim Angeklagten nicht feststellen, wohl aber einen „ausgesprochen schillernden Charakter“. Als nett und sehr hilfsbereit wurde der Mann von mehreren Zeuginnen beschrieben – doch wenn’s um Geld ging, konnte er eiskalt und rein auf seinen Vorteil bedacht handeln. Der Mann steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten, weil er viel Geld verspielt hat.

Sein vor wenigen Wochen geborenes Kind wird schon in der Grundschule sein, wenn der Weinstädter freikommt. Eine der unschuldigen Leidtragenden ist seine Lebensgefährtin und Mutter seines Kindes, wie der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung anklingen ließ: „Sie bleibt allein zurück.“


Unsere bisherige Berichterstattung zum Prozess

16.12.2019: Ex-Freundin erwürgt: Prozess beginnt

18.12.2019: Ex-Freundin getötet: 31-Jähriger gesteht vor Gericht

08.01.2020: Ex-Freundin getötet: Zeugen sagen vor Gericht aus

18.01.2020: Ex-Freundin getötet: Todeszeitpunkt bleibt unklar

24.01.2019: Ex-Freundin getötet: Psychiatrische Gutachten vorgestellt

06.02.2019: Ex-Freundin getötet: Zwölf Jahre Haft gefordert