Rems-Murr-Kreis

Ex-Lebensgefährtin in Aspach entführt und nach Frankreich verschleppt: Zwei Männer ab 28. Mai vor Gericht

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Ein Jahr nach der Entführung einer polnischen Pflegekraft in Großaspach beginnt jetzt der Prozess am Stuttgarter Landgericht. © Pixabay/CC0 Public Domain

Was haben sie neun Tage lang mit der Frau gemacht? Zwei Männer müssen sich vom 28. Mai an vor der 5. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht verantworten. Der Vorwurf: Geiselnahme.

Der Fall liegt fast genau ein Jahr zurück. Am 3. Juni 2019 soll der ehemalige Lebensgefährte der Frau die damals 47-Jährige in seine Gewalt gebracht und mit ihr in einem Wohnmobil nach Frankreich geflohen sein. Der 28 Jahre jüngere Arbeitskollege des Polen soll den Angeklagten unterstützt haben. Auch dieser Mann steht jetzt vor Gericht.

Angeklagter gilt als aggressiv und psychisch auffällig

Rückblick: Am 3. Juni vor einem Jahr, einem Montag, war die Frau gegen 13.30 Uhr nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz in Aspach erschienen. Die Polin hatte als Pflegerin in einem Privathaushalt gearbeitet.

Der damals 51-jährige Tatverdächtige gilt als „aggressiv und psychisch auffällig“ und gehöre der Military-Szene an, sagte seinerzeit ein Polizeisprecher. Bei einer Pressekonferenz der Polizei vier Tage nach dem Verschwinden der Frau hieß es, der 47-Jährigen sei Gewalt angetan worden. Darauf deuteten Spuren im Wohnmobil hin, das die Polizei nahe Straßburg gefunden hatte. Das Fahrzeug war im Wald stecken geblieben, woraufhin die Männer es offenbar zurückgelassen hatten. Die Polizei warnte daraufhin dringend davor, im Grenzgebiet Deutschland-Frankreich Anhalter mitzunehmen.

Zuvor Beziehung beendet

Einige Tage vor ihrer Entführung hatte die Frau damaligen Informationen zufolge die Beziehung zu dem 51-Jährigen beendet. Die beiden haben zusammen eine erwachsene Tochter. Man hatte sich offenbar, so hieß es bei der Pressekonferenz, zu einer Aussprache noch einmal verabredet. Dieses Treffen nutzte der Mann zusammen mit seinem Komplizen mutmaßlich, um die Frau zu kidnappen.

Frau in einem Lager im Wald festgehalten

Am späten Nachmittag des 11. Juni 2019 befreiten Polizisten in Frankreich die Frau und nahmen die beiden Männer fest. Sie hatten sich in einem Lager im Wald aufgehalten. Zuvor waren Aufnahmen aus einer Wildkamera aufgetaucht, welche die beiden mutmaßlichen Entführer zeigten. Ferner hatte ein Zeuge berichtet, die drei betreffenden Personen im Wald gesehen zu haben. Fotos von den mutmaßlichen Tätern waren zuvor im Zuge einer Öffentlichkeitsfahndung auf allen Medienkanälen zu sehen gewesen. Schließlich wurde einer der beiden Männer beim Einkaufen von Lebensmitteln in Hagenau nördlich von Straßburg gesehen. Den Beamten gelang es, ihm unbemerkt zu folgen und das Versteck im Wald ausfindig zu machen, hieß es damals.

Entführung war offenbar genau geplant

Der Frau gehe es zumindest körperlich „einigermaßen gut“, sagte ein Sprecher nach der Befreiung. Die Frau sei traumatisiert – wie kann es anders sein, nachdem sie gut eine Woche im Wald festgehalten worden war. Der damals 51-Jährige habe die Entführung geplant, diese Information bezeichnete die Polizei seinerzeit als „sicher“. Er habe Vorkehrungen getroffen und sich informiert, wie er seinen Plan verwirklichen könnte.

Welche Rolle sein mutmaßlicher Helfer, ein 23 Jahre junger Arbeitskollege des Mannes, spielte, dürfte sich jetzt in der Gerichtsverhandlung aufklären. Beide Männer waren zunächst in Frankreich inhaftiert worden. Sie wurden offenbar im Dezember vergangenen Jahres nach Deutschland ausgeliefert.

Sieben Verhandlungstage

Der Prozess beginnt diesen Donnerstag am Stuttgarter Landgericht. Die Verhandlung wird nach jetziger Planung am Dienstag nach Pfingsten fortgesetzt. Insgesamt sind sieben Termine für diesen Prozess angesetzt, der letzte am 24. Juli – was sich natürlich noch ändern kann.