Rems-Murr-Kreis

Führungszentrum der Polizei geht Ende 2020

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Polizeipräsident Roland Eisele. © ZVW/Danny Galm

Waiblingen/Aalen. Sofern alles nach Plan verläuft, zieht das Führungs- und Lagezentrum der Polizei gegen Ende 2020 von Waiblingen nach Aalen um. Der Neubau in Aalen wird teurer als gedacht, das bestätigen Zahlen des Innenministeriums. Weitere Zusatzkosten entstehen, weil die Sanierung des alten Präsidiumsgebäudes in Aalen einen Komplettumzug der gesamten Belegschaft erfordert.

Polizeipräsident Roland Eisele ist dennoch froh, dass jetzt alle in Interimsgebäude umziehen: Während der Komplettsanierung im Gebäude weiterarbeiten zu müssen, wäre fürs Personal sehr belastend geworden, sagt Eisele – zumal in Aalen zwei Großbaustellen gleichzeitig laufen, die Sanierung und der Neubau. Das war anders geplant gewesen: Der Baubeginn für den Neubau des Führungs- und Lagezentrums in Aalen hatte sich verzögert, weil die Polizeistrukturreform noch mal auf den Prüfstand kam und zunächst nicht klar war, ob es beim jetzigen Zuschnitt des Polizeipräsidiums Aalen bleibt.

Es bleibt dabei, das ist längst entschieden. Doch wegen der höheren Baukosten in Aalen ist die Diskussion um den Zuschnitt des Aalener Präsidiums noch einmal aufgeflammt (wir haben gestern berichtet). Seit fünf Jahren besteht das Präsidium Aalen, welches für die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall zuständig ist. Ob dieser Zuschnitt mit Aalen als Präsidiumssitz sinnvoll ist oder nicht – darüber gingen und gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander.

An solchen Diskussionen beteiligt sich Roland Eisele öffentlich nicht. Politische Entscheidungen habe er nicht zu kommentieren – sondern umzusetzen.

„Fürsorgegründe für die Mitarbeiter“

Eine positive Bilanz der Polizeireform zieht Eisele mit Blick auf die Polizeiarbeit: Die Zusammenlegung der vielen kleineren Polizeidirektionen zu den größeren Präsidien habe den Vorteil, dass größere Einheiten viel mehr Aufgaben selbst stemmen könnten, ohne Hilfe von außen, wie die Direktionen sie früher sehr schnell gebraucht hätten.

Was die umfangreichen Baumaßnahmen in Aalen angeht, richtet Eisele das Augenmerk auf die Belange der Menschen, die dort arbeiten: „Fürsorgegründe für die Mitarbeiter“ hätten auf jeden Fall für den Komplettumzug gesprochen. Was die Widrigkeiten im Zusammenhang mit großen Baustellen angeht, sieht sich Eisele in guter Gesellschaft: In allen Präsidien laufen zurzeit Bauarbeiten, und solche stehen in großem Umfang auch im Hauptgebäude der Polizei in Waiblingen an, betont Eisele.

Zurzeit laufen dort Umbauarbeiten, damit die für Cyberkriminalität zuständigen Beamten unterkommen, die Spurensicherung erhält ein neues Labor, und sobald das FLZ nach Aalen umgezogen ist, stehen weitere Arbeiten an, weil dann die Räume für die Kripo in Waiblingen umgestaltet werden.

Gute eingespielte Zusammenarbeit

Hätte man die Millionen, welche die Polizeireform verschlingt, nicht für mehr Stellen ausgeben können? Zu einfach gedacht, findet Rolf Kircher. Er gehört dem Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei an und ist beim Polizeipräsidium Aalen als stellvertretender Personalratsvorsitzender tätig. Er zeigt sich erleichtert, dass der Zuschnitt des Polizeipräsidiums Aalen im Zuge der Nachjustierung der Ursprungsreform nicht noch mal verändert worden ist. Für den Gewerkschafter Kircher steht selbstredend die Personalfrage im Mittelpunkt: Es fehlt an Stellen. Die Einstellungsoffensive des Landes reicht aus Gewerkschaftssicht nicht aus. Dennoch: Große Präsidien arbeiten „schlagkräftiger“ als früher die vielen kleinen Direktionen – aber: „Alle Ermittlungseinheiten müssen hinreichend ausgestattet sein.“

Unterdessen hat sich Landrat Dr. Richard Sigel damit abgefunden, dass Waiblingen nicht Präsidiumssitz geworden ist: „Natürlich hätte ich mir als Landrat ein Polizeipräsidium Waiblingen/Esslingen hier am Alten Postplatz gewünscht“, so Sigel. Doch habe sich die Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Aalen inzwischen sehr gut eingespielt: „Deshalb schauen wir im Sinne der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger nicht zurück, sondern nach vorne. Wir stellen daher getroffene Entscheidungen nicht mehr infrage“.


Höhere Kosten

Laut Innenministerium wird der Neubau in Aalen „Stand heute“ rund 9,7 Millionen Euro kosten. Bisher war von 8,6 Millionen Euro Baukosten die Rede gewesen.

Zu den Sanierungskosten fürs alte Gebäude in Aalen – in Summe geschätzt 7,5 Millionen Euro – kommen nun die Kosten für den Umzug der Polizei während der Sanierungsphase hinzu. Wie hoch die Kosten dafür sind, ist laut Innenministerium noch nicht klar: Das Ausschreibungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Laut Innenministerium kann die Polizei in Aalen Ende 2021 oder Anfang 2022 ins dann fertig sanierte Bestandsgebäude wieder einziehen.