Rems-Murr-Kreis

Fehlendes Ersatzteil bringt Murrbahn aus dem Takt

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Symbolbild. (Archivfoto) © Laura Edenberger

Backnang. Fährt der Zug oder fährt er nicht? Und wenn er fährt: Wie pünktlich ist er dann? Immer häufiger wird das Bahnfahren auf der Murrtalstrecke zwischen Hall und Stuttgart zur Lotterie. Von Zugausfällen und Verspätungen betroffen sind sowohl die Regionalzüge als auch die S-Bahnen. Und dann fällt auch noch ein Reservezug für Monate aus, weil ein Ersatzteil nicht zu kriegen ist.

Dass die Probleme 2018 wieder zugenommen haben, musste das Verkehrsministerium jetzt einräumen. Anlass war eine Anfrage des Backnanger SPD-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber, der zu dem Ergebnis kommt: „2018 war unterm Strich kein gutes Jahr für Murrbahnfahrer. Und das, obwohl die Regionalzüge inzwischen alle halbe Stunde fahren und die S-Bahn ihren Viertelstundentakt ausgeweitet hat.“

Zug gilt ab sechs Minuten Verspätung als unpünktlich

Wie Verkehrsminister Winfried Hermann erklärt, sind im Zeitraum von Januar bis Oktober vergangenen Jahres zwischen Stuttgart und Hessental insgesamt 668 Züge ganz oder teilweise ausgefallen. Das sind 3,7 Prozent des gesamten Regionalverkehrs. Zu wünschen übrig lässt auch die Pünktlichkeit der Regionalzüge – wobei die Pünktlichkeitsgrenze bei 5:59 Minuten liegt, das heißt, erst ab sechs Minuten Verspätung gilt ein Zug als unpünktlich.

Bis 2016 ergab sich unter dieser Prämisse übers Jahr gerechnet meist, dass um die 95 Prozent der Züge im Zeitrahmen lagen. 2017 waren es im Schnitt noch 91,4 Prozent, während der Wert im Jahr 2018 von 92,3 Prozent im Januar auf 84,8 Prozent im Oktober zurückgegangen ist. Zu diesen Zahlen merkt der Minister an: „Die Entwicklung der Pünktlichkeit im Jahr 2018 ist sehr unbefriedigend.“ Zugleich verweist Hermann auf die deutschlandweite Kritik an der Bahn: „Hier ist der Eigentümer der DB besonders gefordert.“

S 3 sackt im Oktober drastisch ab

Probleme zeigen sich auch bei der S-Bahn, allerdings weniger auf der S 4 als vielmehr auf der S 3. So weist die S 4 seit ihrer Inbetriebnahme Ende 2012 stets relativ hohe Pünktlichkeitswerte auf, nämlich jeweils zwischen 96,2 und 97,7 Prozent. Die S 3 dagegen liegt im Vergleichszeitraum zwischen 94,0 und im günstigsten Fall 96,2 Prozent. Markant aber die Entwicklung im vergangenen Jahr, als der Wert von 95,5 Prozent im Januar auf 88,2 Prozent im Oktober absackte.

Ein Fahrzeug im Netz 3 b seit Monaten nicht im Einsatz

Um Zugausfälle auffangen zu können, müssen Reservefahrzeuge bereitstehen. Im Netz 3 b Gäu–Murr, das die Strecke Crailsheim–Stuttgart sowie Stuttgart–Konstanz beziehungsweise Freudenstadt umfasst, sind es mindestens drei. Im Netz 3 a Stuttgart–Nürnberg, das ab Dezember 2019 von Go Ahead betrieben wird, sind zwei Triebzüge als Reserve vorgegeben, davon einer sofort verfügbar. Das Ministerium bewertet die Reservequoten als überdurchschnittlich hoch. Aber: Im Netz 3 b ist eines der Fahrzeuge wegen eines Schadens seit Monaten nicht im Einsatz. Und das benötigte Ersatzteil müsse erst nachproduziert werden.

Gruber: Fatale Situation für Bahnfahrer

Schadensersatz für die Fahrgäste der Murrbahn, die von Ausfällen und Verspätungen betroffen waren, hält Hermann allerdings nicht für nötig. Denn die Murrtalroute sei von Qualitätsproblemen „niemals so stark betroffen“ gewesen wie die Fils-, Rems-, Bodenseegürtel- oder Hochrheinbahn. Und: „Zugausfälle und Pünktlichkeit stellen hier kein massives Problem dar, das Entschädigungen rechtfertigen würde.“

Gruber spricht dagegen von einer fatalen Situation für Bahnfahrer, die auf einen Anschluss an einen lokalen Bus oder an den Fernverkehr in Stuttgart angewiesen sind. „Das sind pro Werktag zwei bis drei Ausfälle“, so Gruber über den Regionalverkehr.