Rems-Murr-Kreis

Fellbach und Waiblingen befürchten Auswirkungen

fe7dfc9a-9f6a-48de-89ba-9990bd127fce.jpg_0
Der Waiblinger OB Andreas Hesky befürchtet, dass die Situation ab 1. April schlimmer wird. © ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Waiblingen/Fellbach. Die Städte Fellbach und Waiblingen sind schon mittendrin in den Auswirkungen vom Diesel-Fahrberbot in Stuttgart. Es geht um Parkplatzmangel und zu viel Verkehr. Die Situation wird analysiert, Auswege werden gesucht, Park- und Fahrverbote sind nicht geplant. Der Zorn wächst und zielt in Richtung Landeshauptstadt.

Sabine Laartz, Pressesprecherin der Stadt Fellbach, schickt einen zwinkernden Smiley. Noch trägt man offenbar in der direkt an Stuttgarter Stadtgebiet angrenzenden Kreisstadt das ab ersten April auch in Stuttgart geltende Fahrverbot aller alten Diesel bis Euronorm 4 mit Humor. „Wir werden keine Verbote für Stuttgarter einrichten“, lautet die zum Emoji dazugehörende Nachricht. Aber: Die Stadt hat sich sehr wohl schon so stark mit dem Thema konfrontiert gesehen, dass „bereits eine Untersuchung des ruhenden Verkehrs“, also die Situation rund um alle parkenden Autos, in Auftrag gegeben worden ist.

Ab ersten April müssen auch die Stuttgarter ihre Autos stehen lassen, wenn es Diesel sind, die nicht mindestens Euronorm 5 erfüllen. Das heißt: Alle alten Diesel bis Euronorm 4 dürfen ab Montag, 1. April, im Stuttgarter Stadtgebiet nicht mehr fahren und auch nicht mehr auf öffentlichem Grund stehen. Was wiederum bedeutet: Wer es bis dahin versäumt hat, seinen alten Diesel zu verkaufen, muss ihn in der Garage stehen lassen. Raus darf das Auto dann nur noch per Abschleppauto oder wenn der Besitzer eine Ausnahmegenehmigung beantragt und bekommen hat. Zyniker sagen, dass die Autos halt so lange in der Garage warten müssten, bis sie als Oldtimer wieder angemeldet werden und frei fahren können.

Fehlende Parkplätze und „Fremdparker“

Lang schon geht nun die Befürchtung um, dass Stuttgarter – vor allem jene, die in Cannstatt und Sommerrain wohnen und für die ein Parkplatz in Fellbach quasi nur eine Straßenüberquerung weit weg ist – ihre alten Diesel rüberstellen und einen kurzen Spaziergang machen, bevor sie losfahren.

Die Untersuchung, betont Sabine Laartz, sei „nicht in erster Linie wegen des Dieselfahrverbotes erfolgt“. Doch tatsächlich gibt es in Fellbach offenbar vermehrt Probleme wegen fehlender Parkplätze und sogenannter „Fremdparker“. „Wir haben in den vergangenen Monaten eine Zunahme des Parkverkehrs und eine deutlich höhere Auslastung der Parkflächen festgestellt.“ Die Stadt fasst daher eine Parkraumbewirtschaftung ins Auge, ganz gleich, ob jetzt wirklich das Diesel-Fahrverbot die Ursache der vielen Autos ist oder nicht. Die Untersuchung werde den „Ist-Zustand“ für zwei Gebiete in Fellbach ermitteln. Es geht um ein Gebiet südlich des Bahnhofes, ungefähr zwischen Stuttgarter und Tainer Straße. Außerdem werden die Straßen rund um den Schwabenlandtower untersucht. „Neben der Anzahl der bestehenden Parkplätze sowie deren Auslastungen werden auch der Parkverkehr sowie die Belegungen der Flächen mit in die Untersuchung einbezogen.“ Im Mai werde der Gemeinderat dann über die Zahlen und Erkenntnisse beraten. Die Stadtverwaltung denkt über ein Parkraumkonzept nach. Wie genau das aussehen wird – Anwohnerparken, Kurzzeitzonen etc. –, „steht noch nicht fest und wird vom Gemeinderat festgelegt“. Zusätzlich plant die Stadtverwaltung, mehr Parkplätze zu schaffen.

Erneute Mehrbelastung an Verkehr birgt „Sprengstoff“

An Stuttgarter Alt-Dieselbesitzer, die ihr Auto in Waiblingen abstellen und mit der S-Bahn an- und abreisen, glaubt der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky nicht. Zu umständlich, ist seine Überzeugung. Hesky fürchtet vielmehr den fließenden Verkehr. Und auch sein Gemeinderat hat schon ein Gutachten in Auftrag gegeben. Identifiziert werden sollen die Strecken, die als Ausweichstrecke für die Alt-Dieselfahrer aus der ganzen Region herhalten müssen. Bekannt ist beispielsweise jetzt schon der Schleichweg zur A 81 über Hegnach und Remseck. Und wer zur A 8 will, fährt über den Schurwald und tangiert damit Kernen oder Weinstadt oder Winterbach. Alle diese Orte werden sich über die zusätzlichen Autos nicht freuen. Zumal Hegnach schon einmal von neuen Regelungen hart getroffen war: Als die Maut auf den Bundesstraßen eingeführt wurde, fuhren die Laster eben kostenlos durch Hegnach durch. Die Stadt konnte nicht reagieren, nicht einmal mit Nachtfahrverboten. Denn es fehlten andere Strecken. Die jetzige erneute Mehrbelastung, sagt Andreas Hesky, berge „Sprengstoff“. Man könne die Altdiesel nicht aussperren, müsse daher, um den Verkehr erträglich zu gestalten, alle langsamer fahren lassen, Ampeln schalten. Womöglich aber könne man auch gar nichts machen und müsse Straßen bauen. Hesky droht mit dem ungeliebten Nord-Ost-Ring.

Derweil gehen die Samstags-Diesel-Demos in Stuttgart weiter. Die Veranstalter wollen das Dieselfahrverbot ganz aufgehoben haben. Sie wollen den Druck aber nicht durch Unfrieden mit den Nachbargemeinden erhöhen. Eine Empfehlung, die Diesel im Rems-Murr-Kreis abzustellen, habe es aus ihrer Organisation nicht gegeben und werde es auch nicht geben, schreibt das „Orga-Team“ um Initiator Joannis Sakkaros. Die Demonstranten versuchen, ihre Nadelstiche innerstädtisch zu setzen. Von einer „Kapazität einer Hochschule“ habe man erfahren, dass mit dem Fahrverbot für die Stuttgarter die Stadt in der Pflicht wäre, „Parkflächen außerhalb der Umweltzone einzurichten, inklusive einer Shuttleverbindung für Euro-4-Diesel-Fahrer“. Davon aber ist in Stuttgart gar keine Rede.