Rems-Murr-Kreis

Fritz Aupperle, ein Pionier der Regionalität

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Fritz Aupperle (Zweiter von rechts) mit seinen Kindern Sebastian und Verena Aupperle und Schwiegersohn Christian Bauer (von links) in der Weinabteilung des Rewe-Markts in Remshalden-Grunbach. © ZVW/Gaby Schneider

Remshalden. Angefangen hat alles mit einem kleinen Lebensmittelladen in Schorndorf. Heute tragen fünf Rewe-Märkte in Fellbach, Waiblingen-Hegnach und Remshalden-Grunbach den Namen Aupperle. Fritz Aupperle kann für sich in Anspruch nehmen, ein Pionier zu sein: Er setzte früher als die meisten auf Regionalität, sei es beim Wein oder beim Gemüse. Seine Kinder und sein Schwiegersohn wollen den Weg konsequent weitergehen.

Das nennt man dann wohl einen geborenen Einzelhändler, und zwar im wahrsten und wörtlichen Sinn. Denn wer außer Fritz Aupperle kann von sich behaupten, bereits im Säuglingsalter von gerade einmal zwei Tagen hinter der Ladentheke gestanden zu haben. Seine Mutter Helene betrieb damals das Geschäft „Feinkost Aupperle“ in Schorndorf in der Welzheimer Straße. „Ich bin dort geboren, hinter der Ladentheke“, erzählt er. „Und zwei Tage später lag ich im Kinderwagen hinter der Theke.“ Er konnte praktisch gar keinen anderen Weg einschlagen: Mit sechs Jahren war er verantwortlich für die regelmäßige Befüllung eines erstens Regals, es war das mit den Birkel-Nudeln. Und mit 18 Jahren, früh für volljährig erklärt, übernahm er das Geschäft ganz.

Der Laden hatte mit einem modernen Supermarkt ungefähr so viel zu tun wie das erste Fahrzeug mit Verbrennungsmotor von Gottlieb Daimler mit einem Elektroauto von Tesla. Selbstbedienung gab es damals noch nicht, die Kunden schoben keine Einkaufswagen durch Gänge mit Regalen, sondern äußerten an der Theke ihre Wünsche und wurden bedient. Feinkost Aupperle in Schorndorf hatte eine Ladenfläche von 120 Quadratmetern. Der Rewe-Markt in der Stuttgarter Straße in Fellbach hat heute 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Von Anfang an stark auf regionale Produkte gesetzt

Seinen ersten, damals auch noch vergleichsweise kleinen Rewe-Supermarkt hatte Fritz Aupperle ab 1978 in Remshalden-Grunbach, noch nicht am heutigen Standort, sondern auf der anderen Seite der Bahngleise in der Uhlandstraße. Den ersten großen Markt übernahm er 1981 in der Stuttgarter Straße in Fellbach, dann kam der jetzige in Remshalden-Grunbach dazu, es folgten die Märkte in Oeffingen und in der Bühlstraße in Fellbach und 2008 der in Waiblingen-Hegnach. Seit 30 Jahren sitzt Fritz Aupperle im Aufsichtsrat von Rewe Südwest und seit elf Jahren auch im übergeordneten Aufsichtsrat der Rewe-Group.

In seinen Märkten setzte Fritz Aupperle von Anfang an stark auf regionale Produkte. Ulrich Stietz, der Betreiber der Hegnacher Mühle, erzählt er, sei einst kurz davor gewesen, aufzugeben. „Ich habe ihm gesagt, mach’ kleinere, haushaltsgerechtere Packungen und beliefere uns.“ Die Produkte der Hegnacher Mühle sind heute noch in vielen Rewe-Märkten, nicht nur bei Aupperle, prominent platziert. Beim Wein, so erinnert sich Fritz Aupperle, habe er Akteure wie die Fellbacher Weingärtner-Genossenschaft erst mal von der Idee überzeugen müssen, ihre Weine über ihn zu vertreiben.

Von den je nach Marktgröße 15 000 bis 20 000 Artikeln in den fünf Aupperle-Märkten seien etwa 2500 bis 3000 in Baden-Württemberg erzeugt, sagt Fritz Aupperle. Und viele seien wirklich lokal, in dem Sinne, dass sie aus dem engeren Umkreis kommen. Als Beispiel nennt er die gemeinsame Eigenmarke mit der Schorndorfer Metzgerei Kurz, bei der garantiert sei, dass die Lieferanten des Fleischs aus einem 50-Kilometer-Radius um Schorndorf herum stammen.

„Wie hart das Geschäft ist, merkt man erst später“

Sohn Sebastian Aupperle ist Geschäftsführer der Märkte in der Bühlstraße in Fellbach, in Oeffingen und Hegnach. Sein Vater habe ihn für den Beruf und die Branche begeistert, sagt der 38-Jährige und fügt hinzu: „Wie hart das Geschäft ist, merkt man dann erst später.“ Die Konkurrenzsituation im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland sei durch Discounter wie Aldi und Lidl extrem. Für die Verbraucher sei der Wettbewerb ein Segen, für die Erzeuger problematisch. Das Preisdumping führe zu Problemen, zum Beispiel einem drastischen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft. Die Folge sei, dass immer mehr kleine, regionale Landwirte und Gärtner aufgäben. „Es geht in Richtung große, maschinelle Landwirtschaft.“ Dabei wolle jeder, dass es den Tieren gutgehe, aber Tierwohl habe seinen Preis.

Bei ihren Rewe-Märkten sei es ihnen ein Anliegen, die Regionalität und die lokalen, kleinen Erzeuger zu unterstützen und zu fördern. „Es ist wichtig, dass die kleinen Höfe erhalten bleiben, sonst haben wir irgendwann nur noch Tönnies, und der beliefert ganz Deutschland“, sagt Sebastian Aupperle. Da sei ein gutes Stück Idealismus dabei: „Jeder spricht heute über Regionalität, aber wir machen das schon immer.“

„Erfolg kommt von der Arbeit an der Basis“

Neben dem 38-Jährigen ist auch Schwester Verena Aupperle, 29 Jahre, immer mehr in der Verantwortung und derzeit Marktleiterin in der Stuttgarter Straße in Fellbach, wo Fritz Aupperle noch Geschäftsführer ist. Geschäftsführer in Grunbach ist seit Mitte März Christian Bauer. Der 37-Jährige ist mit Aupperles Tochter Stefanie verheiratet. „Ich habe schon mit Ende 50 angefangen, die Nachfolge einzuleiten“, sagt Fritz Aupperle.

Die Entwicklung bleibt auch nicht stehen. Die Digitalisierung, sagt Sebastian Aupperle, werde auch den Lebensmittelhandel erfassen. Aber: „Keiner weiß so genau, wie.“ Im Markt in Fellbach in der Bühlstraße bieten die Aupperles seit zwei Monaten einen Abholservice an. Das heißt: Der Kunde bestellt übers Internet und holt später eine fertig gepackte Kiste mit den Waren ab. „Wir haben pro Woche 35 Bestellungen“, sagt Sebastian Aupperle zur Entwicklung des noch frischen Angebots.

Bei allen Entwicklungen, mit denen der Handel Schritt halten muss, gilt für Fritz Aupperle eines unveränderbar: „Der Erfolg kommt immer von der Arbeit an der Basis.“ Den Aufsichtsratskollegen sage er immer: „Ihr müsst mit euren Verkäuferinnen schwätzen“, sagt er. „Wenn man weiß, wie es im Geschäft aussieht, hat man Erfolg.“


Standorte Remshalden und Hegnach

„Ja, wir wollen dorthin“, sagt Fritz Aupperle klipp und klar auf die Frage nach der Neuen Mitte in Remshalden. Für das Areal beim neuen Rathaus in Geradstetten gibt es seit vielen Jahren mehr oder weniger konkrete Pläne, die aus verschiedenen Gründen bis heute auf Eis liegen. Gemeinsam ist den meisten Vorstellungen, die es von der Neuen Mitte gibt, dass dort unter anderem ein Vollsortimenter hinsoll, wie Rewe einer ist. Bürgermeister Reinhard Molt hat angekündigt, das Thema vorantreiben zu wollen, und auch viele Gemeinderäte machen Druck.

„Geradstetten braucht was“, findet Fritz Aupperle. Den Standort in Grunbach, zu dem die Metzgerei Wachter und eine Filiale der Bäckerei Weller gehören, will er aber auf keinen Fall aufgeben, auch wenn die Verkaufsfläche mit rund 850 Quadratmetern dort für heutige Ansprüche eigentlich viel zu klein sei: „Den wollen wir erhalten.“ Es wäre fatal für Grunbach, meint er, wenn der Markt wegfallen würde.

Beim Rewe-Markt der Aupperles in Waiblingen-Hegnach steht im Sommer ein Komplettumbau an. Im August werde er voraussichtlich drei Wochen ganz zu sein, sagt Geschäftsführer Sebastian Aupperle.