Rems-Murr-Kreis

Gärtner und Gemüseanbauer kämpfen um ihre Existenz

1/4
Dürre_0
Kartoffelernte auf dem Schmidener Feld. © ZVW/Sarah Utz
2/4
_1
Ohne Wasser weniger Blautannenreisig.
3/4
_2
Wegen des fehlenden Regens muss zusätzlich bewässert werden. (Symbolbild)
4/4
_3
Der trockene Boden auf dem Schmidener Feld.

Waiblingen. Der Niederschlag dieser Tage bringt nur wenig. Für Obst- und Gemüseanbauer in der Region sieht die Lage nicht gerade rosig aus. Auch Gärtner kämpfen um ihre Existenz.

Auf dem Schmidener Feld erstrecken sich die Pflanzanlagen der Friedhofsgärtnerei Roland Kuhrt. Der Betrieb besteht seit 1937, ist von je her in der Hand der Familie und seit 1966 in Waiblingen ansässig. Die großen Gewächshäuser glänzen in der knallenden Nachmittagssonne, hinter dem angegliederten Wohnhaus liegen die Freiflächen, auf denen Zierpflanzen, Schnittblumen und Blautannen angepflanzt werden.

Genau diese Freiflächen bereiten der Miteigentümerin Monika Kuhrt Sorgen. Trockenheit und Hitze lassen die Pflanzen früher austreiben als sonst. Blüten geraten kleiner. Frische Austriebe vertrocknen. Ab einer gewissen Hitzemarke, spätestens aber bei 36 Grad, hätten die meisten Pflanzen einfach keine Chance mehr zu überleben.

„Abschattieren hilft natürlich“, meint sie und deutet dabei auf einige mit dunklen Netzstoffen überdachte Pflanztische. Diese Pflanztische haben auch ein Bewässerungssystem und einen Regenmesser. „Es ist sehr wichtig zu wissen, wie viel Feuchtigkeit die einzelnen Pflanzen bekommen, ganz besonders jetzt“. Auch für die Blautannen sind Wasserschläuche ausgelegt worden. „Das Blautannenreisig wird im Winter verkauft. Wenn wir jetzt nicht bewässern, treiben die Bäume nicht schön genug aus, das würde für uns einen Ertragsverlust bedeuten“.

Kostspielige Wasserversorgung

Dennoch ist die Bewässerung auch ein Faktor, der sich negativ auf die Bilanz der Gärtnerei niederzuschlagen droht. Durch die großen Glasflächen der Gewächshäuser, über die Regenwasser aufgefangen und in einem großen Tank gesammelt wird, ist der Betrieb im Normalfall unabhängig von der kostspieligen städtischen Wasserversorgung. Im Moment reicht der Tank aus, um die Pflanzen zu bewässern, sollte er jedoch bei weiterhin ausbleibendem Regen leer gehen, wird es teuer. Die paar Tropfen der vergangenen Tage bringen nur wenig.

Weiterhin müssten viele Pflanzen auf den Freiflächen von Hand gegossen werden, da nicht überall Schläuche verlegt sind. Da muss gut abgewägt werden, wo ein solcher Arbeitsaufwand überhaupt ökonomisch ist.

Das Wetter wirke sich schließlich nicht nur auf den Erzeuger aus, stellt Monika Kuhrt fest, sondern auch direkt auf das Kaufverhalten der Kunden. „Bei diesen Temperaturen kaufen viel weniger Leute Schnittblumen. Das kann ich gut verstehen, ich würde auch keinen Strauß kaufen, wenn ich wüsste, er hält nur ein paar Tage“.

Geranien trotzen jedem Wetter

Die typischen Sommerblüher wie Dahlien, die früher gerne gekauft wurden, seien sowieso etwas aus der Mode gekommen. „Heute kauft man lieber Rosen“. Auch bei den Balkonblumen wäre diesen Sommer vermutlich der Kunde am glücklichsten, der sich wieder für Geranien entschieden hätte. „Denen gefällt das Wetter. Andere Balkonpflanzen verschmoren jetzt regelrecht. Manchmal hat man sogar den Fall, dass die Pflanze im Kasten oben vertrocknet, obwohl die Erde unten noch nass ist.“

Eine weitere Aufgabe des Betriebs ist das Bewässern von fünf Friedhöfen in Stuttgart und Waiblingen. Bei den aktuellen Temperaturen ist auch das ein sehr arbeitsaufwendiger Posten: Dreimal in der Woche werden alle Gräber auf allen Friedhöfen gegossen, steigt die Temperatur auf mehr als 35 Grad sogar jeden zweiten Tag.

Dieses Zusammenspiel von gesteigertem Arbeitsaufwand, größeren Ausgaben und Pflanzenverlusten zehrt am Gärtnerei-Betrieb. „Wir haben die Hälfte des normalen Ertrags“, gibt Monika Kuhrt zu. Aber man nimmt es mit Humor.

Klimawandel wirkt fatal: Der Obst - und Weinbauer Reiner Medinger berichtet

Auf dem Waiblinger Wochenmarkt, im kühlen Schatten unter dem Rathaus, hat der Familienbetrieb Obst- und Weinbau Medinger aus Kernen seinen Stand aufgebaut. „Bis jetzt hatten wir gedacht, 2003 wäre der schlimmste Sommer gewesen“, aber dieses Jahr sei alles noch einmal extremer, sagt Reiner Medinger.

Zum einen sei 2002 ein Jahr mit so vielen Niederschlägen gewesen, dass der Grundwasserspiegel gestiegen sei und man 2003 auf ganz andere Reserven zurückgreifen konnte. Zum anderen sei der Sommer 2003 zwar noch heißer, die Dürreperiode jedoch kürzer gewesen. Zudem befürchtet der Landwirt, der auch ein Weingut besitzt, dass die Trockenheit genau zur Traubenernte vorbei sein könnte und dass der dann kommende Regen ihm die Ernte verdirbt.

In neues Bewässerungssystem investiert

Dieses Jahr hat Reiner Mediger in Tropfschläuche für seine Obst- und Gemüsefelder investieren müssen. Die Schläuche sind teuer, haben eine begrenzte Haltbarkeit und mit ihnen ein Bewässerungssystem aufzubauen ist sehr aufwendig – doch ohne die zusätzliche Wasserzufuhr geht es diesen Sommer nicht. Die Bewässerung sei eine enorme finanzielle Belastung, viel Unterstützung vom Land Baden-Württemberg gebe es leider nicht. „In Bayern ist das zum Beispiel anders, aber da hat die Landwirtschaft auch einen ganz anderen Stellenwert“, sagt Medinger.

Den Grund für das extreme Wetter sieht der Landwirt im spürbar werdenden Klimawandel. Traubensorten gediehen, die in unserer Gegend früher nie gewachsen wären. Der Austrieb sei in den vergangenen Jahren merklich früher als sonst gekommen, was für den Betrieb auch immer wieder zu Verlusten wegen Spätfrost im April und Mai geführt hatte. Die Temperaturen selbst seien ja gar nicht so ungewöhnlich, früher sei es zu dieser Jahreszeit schließlich genauso heiß gewesen.

Arbeit in der Sommerhitze - Trauben mit Sonnenbrand

Nur die Hitze dauert jetzt an: „Waren es früher vier oder fünf Stunden über den Mittag mit extremer Hitze, dann sind es jetzt manchmal zehn oder sogar zwölf Stunden. Die Arbeit fällt schon schwer bei dieser Hitze“. Gerade für einen reinen Familienbetrieb wie diesen, der außer bei der Traubenernte keinerlei zusätzliche Arbeitskräfte beschäftigt, bedeutet das eine enorme Belastung.

Dazu kommt ein Verlust von etwa 15% der Ernte bei Trauben und Äpfeln wegen Sonnenbrands, sagt Medinger. Gerade alte Apfelsorten wie Boskoop, Gewürzluiken und Brettacher seien betroffen. „Der Klimawandel hat fatale Folgen“, sagt Reiner Medinger, „die Sachen, die man bei uns anbaut, sind nicht mehr ans Klima angepasst und sie passen sich auch nicht von allein an. Man muss Mittel und Wege finden.“

Kleine Früchte

Von all diesen Sorgen und Belastungen ahnt der Kunde nichts, das Obst und Gemüse in der Auslage sieht aus wie immer. Manchmal frage ein Kunde nach, warum das Obst ein bisschen kleiner sei, so Reiner Medinger. Einige Kunden hätten selbst Bezug zur Landwirtschaft und würden ihn deshalb auf das Thema Dürre ansprechen, aber das seien nur sehr wenige.

Familie Medinger wartet jetzt sehnsüchtig auf Regen. Mehr Regen als dieser Tage. Nur bitte nicht zu viel und zu keinem ungünstigen Zeitpunkt, sonst könnte die Nässe genauso viel Schaden anrichten, wie die aktuelle Dürre. Bis dahin gelte die Devise: Gießen, gießen, gießen, möglichst im Schatten bleiben und auf das Beste hoffen.

Pflege- und Gieß-Tipps

Auch im Gewächshaus haben Gärtner mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Denn hier herrscht Treibhausklima: „Wenn es draußen 30 Grad hat, sind es innen gefühlte 45 Grad. Deshalb muss praktisch pausenlos bewässert werden“, sagt Monika Kuhrt. Dieses warmfeuchte Klima bildet ein Umfeld, in dem Pilze sich wunderbar vermehren können. „Nützlinge bringen viel gegen tierische Schädlinge, aber bei Pilzen ist es schwieriger. Wir benutzen hier keine chemischen Hämmer, aber ganz ohne Spritzmittel geht es nicht“.

Hätte man selbst erkrankte Pflanzen zuhause, so wäre es immer empfehlenswert, zuerst die befallenen Stellen zu entfernen. Wenn das Problem aber fortbesteht, sollte man sich unbedingt informieren, mit was man es zu tun hat und dann dementsprechend behandeln. „Grundsätzlich ist zur Zeit regelmäßiges Gießen wichtig, morgens oder abends, nicht über den Mittag. Auch wenn die Pflanze gut wächst, kann man mal nachdüngen, schon wegen der Blüte.“

Wichtig sei auch, pflanzengerecht vorzugehen. Nicht alle Pflanzen reagieren gleich auf das momentane Wetter, wie die Geranien gibt es auch andere Pflanzen, die die Hitze mögen. Monika Kuhrt zeigt auf ein Pfirsichbäumchen in ihrem Garten, das dieses Jahr voller Früchte hängt. „Letztes Jahr gab es wenig Obst, die Bäume haben sich nicht so verausgabt. Dieses Jahr gibt es eine große Obsternte, aber die einzelnen Früchte sind etwas kleiner.“