Rems-Murr-Kreis

Gesundheits-Check-up nur noch alle drei Jahre

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Symbolbild. © Pixabay (Public Domain CC0)

Schorndorf/Leutenbach. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – dieses Sprichwort sollte besonders bei der eigenen Gesundheit gelten. Auch unser Leser Hans Hutt aus Schorndorf wollte dies befolgen und bat bei seinem Arzt um einen Termin für einen Gesundheits-Check-up. Er blitzte ab. Von April an gelten neue Regelungen für die Vorsorgeuntersuchung.

Hans Hutt wurde von seinem Arzt vertröstet: Es könne ihm kein Termin für dieses Jahr angeboten werden, da sich die Intervalle zwischen den Untersuchungen vergrößern würden. Ab April 2019 werden die Check-ups nur noch alle drei Jahre und nicht mehr alle zwei Jahre von den Krankenkassen getragen.

Die Änderung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Er legt fest, welche Leistungen die Krankenkassen tragen, und ist dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellt. Beide Institutionen sollten sich um ihre Patienten sorgen. Die Aufgabe von den Check-ups definiert das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Website: „Die Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten sind oftmals besser, wenn eine Krankheit zu einem frühen Zeitpunkt erkannt wird. Früherkennungsuntersuchungen sind ein wesentlicher Teil der Prävention.“ Würde heißen: Je kürzer die Abstände zwischen den Check-ups, desto früher werden Krankheiten erkannt und desto besser sind ihre Heilungschancen.

Theoretische Kostensenkung

„Das Strecken der Abstände senkt theoretisch die Kosten“, sagt Dr. Markus Schuler, Vorsitzender der Ärzteschaft Waiblingen. Nämlich die Kosten der Krankenkassen, die das Beschlussorgan finanzieren. „Dem steht der Schaden gegenüber, der entsteht, wenn eine Erkrankung gegebenenfalls ein Jahr später entdeckt wird“, sagt Schuler weiter. Der G-BA widerspricht dem in seiner Begründung der Entscheidung. Darin heißt es, dass innerhalb des einen Jahres sich keine Krankheit so massiv verschlechtert, dass ein früheres Eingreifen den Verlauf verändern würde.

Vor einem Monat fand zum Weltkrebstag eine Infoveranstaltung an der Winnender Klinik statt. Krebserkrankungen nehmen zu, 2500 Menschen erhalten im Rems-Murr-Kreis jährlich ihre Erstdiagnose. Früherkennung ist auch hier das Stichwort. Dass es bei schweren Krebserkrankungen auch um Wochen gehen kann, ist jedem bekannt.

Was beinhaltet der Check-up?

Der Check-up ab 35 Jahren dient besonders dem Erkennen von Herz-Kreislauf- und Organ-Erkrankungen. Blutuntersuchung, Ultraschall und ein ausführliches Gespräch über erbliche Vorbelastungen gehören dazu. Hier werden bei der Änderung der Intervalle parallel auch Erweiterungen vorgenommen: Besonders das Anamnesegespräch soll ausführlicher werden, auch die Blutwerte nehmen eine größere Bedeutung ein, um genauere Ergebnisse zu erhalten. Auch mit diesem Ausbau sieht Dr. Schuler eine eindeutige Verschlechterung durch den Beschluss: „Der, den dann doch im dritten Jahr der Schlag trifft, wäre auch mit einem ,besseren’ und nicht nur einem ,deutlich besseren’ Ergebnis zufrieden“ – soll heißen: Wenn die Untersuchung Unregelmäßigkeiten aufweist, geht es vor allem um ein frühes Erkennen und erst nach der Diagnose um Genauigkeit.

Im Jahr 2018 produzierten die Krankenkassen einen Überschuss von zwei Milliarden Euro – dennoch wird eingespart. Dies kritisiert auch Hans Hutt: „Ich habe den Verdacht, dass man lieber eine teure Krebsbehandlung bezahlt als eine günstige Vorsorgeuntersuchung.“

„Unterm Strich halte ich diese Änderung für unnötigen Quatsch. Der Aufwand toppt die Einsparungen“, sagt Schuler. Viel Zeit würde zukünftig auch dafür investiert werden müssen, die neuen Regelungen den Patienten zu erklären. Wie eben auch Hans Hutt am Telefon vertröstet werden musste, der sich mit seinem Anliegen an die Kassenärztliche Vereinigung und unsere Zeitung wandte.

Wem zahlt die Krankenkasse die Vorsorge?

Kinder: Insgesamt werden sechs Termine bis zum sechsten Lebensjahr getragen, die die Entwicklung des Kindes eng begleiten. Außerdem Impfungen und für Kinder bis zu 72 Monate Untersuchungen im Zahn-, Mund und Kieferbereich.

Jugendliche: Zwei Vorsorgeuntersuchungen, die J 1 findet zwischen 12 und 14 Jahren statt, die J 2 zwischen dem 17. und 18. Lebensjahr. Für Mädchen wird auch die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs übernommen.

Ab dem 18. Lebensjahr kann nach der neuen Regelung einmalig ein Check-up im Umfang einer großen Vorsorgeuntersuchung vorgenommen werden.

30 bis 40 Jahre: Hier ist der Check-up ab dem 35. Jahr einzuordnen. Er dient dem Erkennen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebsfrüherkennung. Blutwerte lassen Rückschlüsse auf Blutzucker- und Cholesterinwerte zu. Dieser Check-up kann künftig alle drei Jahre – und nicht nach zwei Jahren – wiederholt werden. Außerdem wird alle zwei Jahre zu einem Hautkrebs-Screening und einer Tastuntersuchung der Lymphknoten geraten.

Ab dem 50. Lebensjahr: Zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr wird eine Dickdarm- und Enddarmuntersuchung von der Kasse zur Krebsfrüherkennung übernommen. Ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung zur Diagnostizierung von Darmkrebs. Diese wird maximal zweimal innerhalb von zehn Jahren durchgeführt.

Männer werden von den Kassen ab dem 45. Lebensjahr bei ihrer Prostata-Gesundheit unterstützt. Schon vorher wird Männern zu dieser Untersuchung auf eigene Kosten geraten, im Jahr erkranken sieben von 100 000 Männern an Prostatakrebs.

Frauen können bis zum 25. Lebensjahr einen Test auf Chlamydien auf Kosten der Krankenkasse machen. Diese bakterielle Infektion kann zu Unfruchtbarkeit führen. Ab dem 30. Lebensjahr geht es um Früherkennung von Brustkrebs: Tastuntersuchungen an Brust und Achselhöhlen werden ab dem 30. Lebensjahr gezahlt, ab dem 69. Lebensjahr auch regelmäßige Mammografien. Diese werden jedoch ab 50 Jahren empfohlen.