Rems-Murr-Kreis

Gisela Mayer zum Amoklauf in Winnenden

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Gisela Mayer © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Maischberger. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Gesprächsrunde. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Prof. Dr. Britta Bannenberg. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Pascal Mauf. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Arbnor Segashi. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)
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Gesprächsrunde. © Laura Edenberger (Online-Praktikant)

Es soll ja noch Menschen geben, die sich von einer Talkshow Aufklärung versprechen, Erkenntnis. Diesmal war's der Fall. Sandra Maischberger musste nicht die Domteusen-Peitsche schwingen, um sich im Stimmengewirr Gehör zu verschaffen. Das Thema war ja aber auch zu ernst: Warum greifen junge Menschen immer wieder zur Waffe, um andere wie in einer Art Entladung binnen Minuten zu töten. Es ging um die Amokläufe in Erfurt, in Winnenden und jetzt in München.

Video: Die Zusammenfassung von Maischberger am Dienstag.

Opfer haben Angehörige. Sie kamen zu Wort. In langen bewegenden Schilderungen, wie sie überhaupt zur Nachricht kamen und wie sie später dann die Nachricht verarbeiteten, verkrafteten. Gisela Mayer hatte das nicht Fassbare zu begreifen, dass ihre Tochter, eine angehende Lehrerin, zu den Opfern von Tim K. in Winnenden gehört. Ohne dass ihre Tochter ihn je vorher gesehen oder gar unterrichtet hatte.

Wenn wir unvermeidlich bald bei der Frage sind, was wir alle denn tun können, damit die Kette nicht immer neue Glieder bekommt, dann gibt einem eine Wendung im Leben von Gisela Mayer Hoffnung. Jugendstrafrichter schicken jetzt junge Täter zu ihr, für eine Stunde, einfach damit sie sehen, was sie anrichten mit ihren Taten. Es können auch Jungs sein, die nur Absichten verlauten lassen, die ihre Umgebung alarmiert haben. "Sie sind dazu verurteilt worden, mit mir konfrontiert zu werden". Ihr Eindruck, soweit sie binnen einer Stunde ein Psychogramm erstellen kann: Es sei ein ganz großer Unterschied, was im virtuellen Raum sich abspielt bei diesen auffälligen Jungs und was dann Realität bedeuten könnte. Viele würden am Ende der Stunde sagen: "Bisher war's für mich wie Kino". Aber sie erlebt auch Jungs, die auf sie wie abgekapselt wirken, an die sie nicht heran kommt. Im Bericht an das Jugendgericht spielt das dann eine Rolle.

Wahrlich hilfreich auch die Einordnungen der Amokforscherin Prof. Britta Bannenberg. Es gibt Muster des Verhaltens, die allen Amokläufern eigen sind. Sie haben entweder die Schule gehasst oder Mitschüler, denen "scheinbar alles so leicht gelingt, was ihnen nicht gelingt." Sie sind ständig der Meinung, ihnen geschehe Unrecht, sie sind extrem kränkbar. Narzissten. Durch Alltagsbegebenheiten können sie sich zutiefst gedemütigt fühlen.

Sie kommen paradoxerweise alle aus der Mittelschicht. Bei keinem fehlt es materiell. Sie sind von den Elten auch nicht geschlagen oder misshandelt worden. Bei 21 von ihr untersuchten Fällen wurde nur ein junger Täger objektiv gemobbt, die anderen meinten nur, sie würden gedemütigt. Und dann haben sie noch nicht einmal jene erschossen, die sie angeblich gedisst haben. Die Taten werden lange vorher geplant. Der Amoklauf von zwei Tätern in Columbine, USA, diente allen als Art Blaupause. Sie streben nach dem Ruhm, es allen gezeigt zu haben. Hassgedanken lassen sich finden, im Computer, in Briefen. Das heißt: Mitschüler können Hinweise erkennen. Auch Eltern. Und Psychologen oder Jugendpsychiater, denn oft waren sie vorher schon in Behandlung.

Ach ja, vor dem Maischberger-Talk gab es einen Film. Ein hochemotionales Drama. Bei dem man auch deshalb weinen kann, weil es so wenig Erkenntnis brachte. Titel: "Die Stille danach". Ein Drama, bei dem sich die Eltern beständig fragen, wie konnte ihr Sohn so etwas machen, zur Waffe greifen und schießen. Die im Film gelieferte Erklärung war dann allerdings zum Schießen. Felix, der Attentäter, ist nicht dadurch aufgefallen, dass er Ego-Shooter-Spiele auf dem PC hatte oder Anlass gehabt hätte, ständig gekränkt zu sein. Nein, der Kunstlehrer sorgte für das große Aha: Felix hat, wenn die Aufgabe hieß, eine Blumenwiese zu fotografieren, das Dunkel des Erdreichs in sein Makro gezogen. Komposthaufen statt Blumen. Eine Künstlerseele also. Mit seherischen Qualitäten. Er konnte, so schildert es der Kunstpädagoge, "Dinge sehen, die andere nicht sehen konnten"

Ja wenn das so ist, dann sind alle Darkwaver und Gothic People gefährdet. Die mögen auch keine bunten Farben. Und machen wohl so zehn Prozent ihrer Generation aus. Die lassen sich schlecht präventiv in Schutzhaft nehmen. Es muss also schon noch mehr dazukommen. Der Film blieb an der dunklen Oberfläche.

 

Sendetermine:

Wiederholt wird die Talksendung am:

  • 13.10.16 (01:50 Uhr/Das Erste)
  • 13.10.16 (08:50 Uhr/WDR)
  • 13.10.16 (21:02 Uhr/tagesschau24)
  • 14.10.16 (01:55 Uhr/MDR)
  • 15.10.16 (23:45 Uhr/3sat)
  • 03.11.16 (08:05 Uhr/WDR)
  • 05.11.16 (23:00 Uhr/3sat)
  • 10.11.16 (08:05 Uhr/WDR)
  • 10.11.16 (21:02 Uhr/tagesschau24)
  • 12.11.16 (23:35 Uhr/3sat)