Rems-Murr-Kreis

Greifvögel greifen Jogger an

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Meistens sind die Angreifer aus der Luft Mäusebussarde. © Bernhard Schindele

Waiblingen. Wer zurzeit in Wald und Flur joggt, muss mit Angriffen aus der Luft rechnen. Die Attacke erfolgt meist lautlos und von hinten. So erging es am Samstag einem unserer Leser beim Joggen am Hörschbach. Er erkannte gerade noch rechtzeitig den Schatten eines Bussards und blieb unverletzt.

Hinter den Vogelattacken, die auch in den vergangenen Jahren schon vorkamen, stecken meist Mäusebussarde. Selten sind die Attacken so heftig, dass die Polizei davon erfährt. Die Angriffe am Samstag hat der Betroffene jedenfalls nicht gemeldet. Im Juli 2008 aber wurde im Kreis Böblingen ein 46-jähriger Jogger so schwer am Kopf verletzt, dass er sich von einem Arzt behandeln lassen musste.

"Beim ersten Mal sah ich gerade noch einen Schatten, konnte schnell noch in die Knie gehen und wurde nur von einem Flügel am Kopf gestreift. Der zweite Angriff ließ sich auch nicht durch schreien und schneller laufen verhindern.," schrieb unser Leser am Samstag nach seiner Joggingrunde. Bei der zweiten Attacke konnte er sich nur noch mit einem Schlag retten. Der Bussard drehte ab und flog auf eine hohe Tanne.

 

"Das kommt bundesweit, ja weltweit vor", sagt Daniel Schmidt, der Leiter des Vogelschutzzentrums Mössingen. Der Diplom-Biologe kennt das Problem der Angegriffenen: "Man merkt es oft nicht rechtzeitig". Dabei gibt es durchaus Warnsignale, doch "die meisten Menschen kennen sie nicht". Es sind "die Rufe der Jungen, die um Futter betteln". Anfangs, wenn sie noch ganz klein sind, ein helles piij piij", später ein tieferes biijüüi. Mäusebussarde schlüpfen meist im Mai und sind Ende Juli oder Anfang August groß genug, um sich selbst zu versorgen. Dann gibt es für die Vogeleltern nichts mehr zu verteidigen und Jogger können wieder ungestört ihre Runden drehen.

Bis dahin allerdings ist Vorsicht angebracht. Wer ganz sicher sein will, meidet bekannte Brutgebiete von Greifvögeln. Damit tut er sich und den Tieren einen Gefallen.

Ein Mann aus Urbach mag allerdings nicht auf seine Lieblingsparcours verzichten. Bereits im jahr 2009 hat er ein probates Mittel gefunden, um sich zu schützen. In einem Leserbrief, nach einem Bussardangriff auf eine Joggerin im nahe gelegenen Schorndorf, schrieb er: "Normalerweise fliegen Bussarde nur dicht über den Kopf hinweg, um den Störenfried zur Flucht zu bewegen." Der einfachste Schutz vor diesen Angriffen sei der Einsatz einen kleinen Astes, so in der Hand mitgeführt, dass er etwa zehn Zentimeter über den Kopf hinausragt. Das störe beim Laufen in keiner Weise und verhindere jeglichen Angriff der Bussarde.