Rems-Murr-Kreis

Hilfe für Esel und Hängebauchschweine

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Martina Theurer mit Henne "Frau Groß". © ZVW/Sarah Utz
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Die Esel auf dem Hof lassen sich gerne kraulen. © ZVW/Sarah Utz
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Hängebauchschwein Hanni. © ZVW/Sarah Utz
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Nanni erkennt man ihrem weißen Bauch. © ZVW/Sarah Utz
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Mit ihren Tieren ist sie glücklich. © ZVW/Sarah Utz
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Ein neugieriger Blick über den Zaun. © ZVW/Sarah Utz
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Lotte ist ein Straßenhund aus Rumänien. © ZVW/Sarah Utz
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Die Gänse machen Alarm, sobald man sich dem Garten nähert, in dem sie leben. © ZVW/Sarah Utz
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Frau Groß ist ein richtiges Schoßhuhn und posiert auch elegant für die Kamera. © ZVW/Sarah Utz
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"Kommet, kommet, kommet!" ist das Signal für die Schafe, wenn es Futter gibt. © ZVW/Sarah Utz
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Platz für ganze Schulklassen gibt es auf dem Heuboden. © ZVW/Sarah Utz
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Hanni und Nanni müssen schon lange nicht mehr an der Kette leben.
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In Heu gebettet: Eines der Zimmer im Heuhotel.

Vorderwestermurr. Hanni und Nanni brauchen Hilfe. Die beiden Hängebauchschweine wohnen auf einem Gnadenhof – gerettet aus der Dreizimmerwohnung eines 19-Jährigen, der die zwei als vermeintlich lustiges Geburtstagsgeschenk erhalten hatte. Doch ihr inzwischen idyllisches Landleben ist in Gefahr: Der Betreiberin des Hofs, Martina Theurer, fehlt das Geld, denn die Besucher des dazugehörenden Hotels und Gasthofs bleiben aus.

Hinter dem wilden Gebell, das die Besucher des „Gnadenhofs am Heuhotel Murrquelle“ begrüßt, stecken ganz harmlose verschmuste Gesellen: Der größte der drei Hunde ist kniehoch und hat bereits 15 Jahre auf dem struppigen Buckel. Einer der jüngsten Zugänge ist Wuschel. Die Hündin war mit einer Drahtschlinge um den Bauch gefunden worden, die ihren Körper in der Mitte fast durchtrennte. Inzwischen konnte sie aber mit der Hilfe des Tierarztes wieder aufgepäppelt werden:

Wuschel (Hope)ist ne ganz liebe. Wir bekommen das hin.

Gepostet von Martina Theurer am Samstag, 21. April 2018

Martina Theurer hat 2013 damit begonnen Tiere aufzunehmen, die keiner mehr wollte. Zwei Hähne machten den Anfang, später kamen Schafe, Esel, verschiedenste Vögel, Hunde und die beiden Hängebauchschweine dazu. „Hanni und Nanni waren als Ferkel in einer kleinen Wohnung an die Heizung gekettet“, erzählt Theurer. Die Freunde des 19-jährigen Besitzers fanden es wohl witzig ihm die beiden Schweinchen zum Geburtstag zu schenken. Später wusste er nicht wohin damit.

 

Leere in Hotel und Gaststube

Damit der Platz für alle reicht, kaufte Theurer die Nachbargrundstücke ihres einstigen Elternhauses in dem 105-Seelen-Dorfs direkt am Ursprung der Murr. Und stürzte sich dafür in Schulden. Die Erfüllung ihres Traums vom Haus mit vielen Tieren war ihr diese Last wert. Sie steckt all ihre Energie in Pflege und Gehege für die Tiere, „aber wir sind auf Hilfe angewiesen, damit wir hier weitermachen können“, denn das Geld reicht hinten und vorne nicht. Tierarzt, Futter, Renovierungsarbeiten - das alles kostet Geld. Martina Theurer musste nun sogar einen Aufnahmestopp verhängen, damit die knappen Ressourcen alle ernähren können. "Wir müssen auch irgendwie überleben. Ich will ja nicht betteln."

Eigentlich sollte ein Hotel mit Gaststube die finanziellen Mittel für den Hof einbringen, doch das will irgendwie nicht so recht laufen. Woran das liegt? „Ich weiß es nicht“, sagt Theurer, „am vergangenen Wochenende waren nicht einmal 30 Gäste hier.“ Besonders für Kinder seien Übernachtungen in diesem Hotel spannend: Man schläft nicht in Betten sondern im frischen Heu – mäusefrei, wie die Eigentümerin versichert - in der großen Scheune neben dem Gnadenhof. „Morgens werden die Gäste von Eseln am Fenster geweckt, tagsüber können sich alle auf dem umzäunten Grundstück frei bewegen.“

Um Geld aufzutreiben vergibt der Gnadenhof inzwischen auch Patenschaften für alle Tiere. Außerdem gründete Theurer zusammen mit Helfern des Hofs einen gemeinnützigen Verein, "der steckt aber noch in den Kinderschuhen und braucht Mitglieder." Doch keine der Aktionen hat bislang den erhofften Erfolg gebracht. Dabei änderte Theurer sogar den Namen der Auffangstation in "Gnadenhof", um ihn im Internet auffindbar zu machen. Ein Wort mit dem sie sich erst anfreunden musste – denn Tieren zu helfen ist für sie selbstverständlich. Genauso, wie sich um ihre Gäste zu kümmern. Für die Gaststube kocht sie schwäbische Hausmannskost und backt Kuchen. In letzter Zeit vergebene Mühe. Das Essen endet in letzter Zeit häufig als Hühnerfutter.

Hilferuf über Facebook

Doch nun gibt es neue Hoffnung: Auf Facebook ließ Martina Theurer ihrem Frust freien Lauf und erregte mit einem Beitrag, den sie in mehreren Gruppen teilte, ziemlich viel Aufmerksamkeit. Darin heißt es unter anderem: „Scheinbar machen wir irgendetwas falsch, nur was? […] Wenn einer von Euch einen Rat für mich hat, nur her damit, auch mit ehrlicher Kritik kann ich umgehen, nur so kann ich etwas ändern. Gebt uns einfach eine Chance!“

Knapp 3000 Mal wurde ihr bislang Beitrag geteilt, mit dem Beantworten der privaten Nachrichten kam sie am Tag nach der Veröffentlichung kaum hinterher. Nur eines fehlt noch immer: Die Gäste. Martina Theurer ist aber voller Hoffnung, dass sich das Blatt doch noch wendet und die vielen Rückmeldungen auf Facebook nur der Anfang sind. Denn mit den Tieren ist sie glücklich, das spürt jeder, der sie beim Schmusen mit den Eseln beobachtet, sieht wie die Schafe auf Zuruf angestürmt kommen und erlebt, wie sie die beiden zugegebenermaßen etwas zu wohlgenährten Hängebauchschweine Hanni und Nanni aus dem Stall lockt.

Unterstützer gesucht

Wer Martina Theurer und ihren Gnadenhof unterstützen möchte kann das auf verschiedene Weise tun. Sie benötigt zum einen tatkräftige Hilfe. Ständig müssen Tiere versorgt, Zäune erneuert und neue Gehege gebaut werden. Dafür sucht die Betreiberin ehrenamtliche Helfer. Zwar hilft ihr Mann, doch den beiden wachsen die vielen notwendigen Arbeiten über den Kopf hinaus. Deshalb ist die Betreiberin froh über jeden, der ein paar Stunden erübrigen und zupacken kann.

Finanzielle Hilfe, die direkt bei den Tieren ankommt, würden Patenschaften bringen. Die sind noch für alle Tiere zu vergeben. Der Mindestbetrag ist fünf Euro pro Monat und Tier. Außerdem hat sie einen Verein gegründet, der noch Mitglieder sucht.

Es gibt auch ein Spendenkonto: Förderverein Gnadenhof Murrquelle e.V., Kreissparkasse Waiblingen: IBAN DE06 6025 0010 0015 1514 49 BIC: SOLADES1WBN, oder über Paypal : Foerdervereingnadenhofmurrquelle@gmx.de