Rems-Murr-Kreis

Hitzerekorde zum Ferienstart

1/5
Sommerwetter_0
Wenn wie jetzt Sommerferienbeginn und Hitzerekord zusammenfallen, sind auch die Schwimmmeister der Region am Rotieren. © ZVW/Danny Galm
2/5
_1
Eiszeit im Café Roma in Waiblingen.
3/5
_2
Ein heißer Arbeitsplatz in Werners Händlbude in Grunbach.
4/5
_3
Ein kühler Kopf braucht vor allem kühle Füße.
5/5
_4
Am Eisenbachsee auf dem Welzheimer Wald. © Privat

Welzheim. Für die einen ist Hoch Helmut schlichtweg der „Feind“, die anderen können nicht genug von seinen „Mitbringseln“ – den superheißen Tagen – bekommen. Ein Stimmungsbild am Wasser, am Zapf, am Beckenrand und an der Eisbox.

Es ist heiß, die Hitzerekordwoche des Jahres treibt uns in Eisdielen und Biergärten, unter schattige Bäume in Parks. Mindestens der Zeh will ins kalte Nass und zieht uns in Freibäder und an Seen. „Ein Tag hitzefrei und am See liegen würde uns auch gut tun“, meint fröhlich Rosalia Moriello vom Eiscafé Dolomiti in Backnang, die natürlich weiß, dass ein freier Tag zurzeit ein Wunschtraum ist.

„Bis in die Nachtstunden wird Eis bestellt, aber es gehört dazu, uns macht es Spaß.“ Mit Ritualen motivieren sie sich für die Arbeit, Eisbecher durch die Hitze zu balancieren. „Ab und zu spritzen wir uns etwas Wasser ins Gesicht oder lutschen Eiswürfel, dann geht’s weiter.“

Wenn wie jetzt Sommerferienbeginn und Hitzerekord zusammenfallen, sind auch die Schwimmmeister der Region am Rotieren. Achim Mackert vom Freibad im Weinstädter Teilort Strümpfelbach schwimmt morgens kurz vor Badöffnung eine kurze Runde, das motiviere für den Tag, der „klar mehr Arbeit“ bedeute. „Wir spülen öfter die Filter, füllen mehr Frischwasser nach, um das Wasser bei der starken Belastung in Ordnung zu halten.“

Im Korber Bädle herrscht seit Wochen Ausnahmezustand

Die Badegäste strömen, in Korb herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. „Wir hatten Mitte Juli mehr Badegäste als in den vergangenen Jahren jeweils zusammengerechnet“, sagt Albert Heinrich, Erster Vorsitzender des Bädlesvereins, der nur noch „zufällig“ mal nicht im Freibad ist. „Daheim ist grad nur noch mein Schlafplatz.“ Alle Aushilfen treten täglich an - ohne Diskussion. „Schon der Wahnsinn“, so Heinrich. Macht die Arbeit noch Spaß? „Mit einem kalten Bier abends, wenn Ruhe einkehrt, so kriegen wir das im Team schon hin.“

Das kühle Bier oder die Saftschorle mit schön viel Eiswürfeln steuern auch die Badegäste abends an. Feierabend und „Sperrstunde“ in den Freibädern merken die Biergärten. Dann füllen sich die Tische im Stadtbiergarten Schorndorf: „Abends werden wir überrannt“, so Betriebsleiter Frank Zienicke. Die Sitzdauer verlagere sich in die späten Abendstunden. „Klar, bei dem Wetter will niemand heim.“ Beliebteste Tätigkeit an diesen Hundstagen: „Der Gang ins Kühlhaus, Pommes holen“, lacht Zienicke. Sein Personal habe er aufgestockt: „Für die heißen Tage sind wir gut gerüstet“.

Ohne volle „Manpower“ ist der Andrang auch bei Michael Sprenger, geschäftsführender Gesellschafter und Betriebsleiter der Schwaneninsel in Waiblingen, nicht zu stemmen. „Wir fahren personell am Limit, aber wir leben davon und freuen uns über den schönen Sommer“, sagt er. Am Zapf und in der Küche brummt’s, alle Mitarbeiter müssen nach Möglichkeit ran.

Während andere ihren Feierabendimbiss auf dem Grill oder sich selbst in der Sonne brutzeln, stehen sie am heißen Flammkuchenofen. Gute Laune bei Temperaturen über 300 Grad, wenn von vorne die Grills strahlen? „Wir unterstützen uns gegenseitig an allen Positionen“, so Sprenger. Der Teamgeist und „die positive Rückmeldung von Kunden“ hielten sie bei Laune. Auch privat hat Sprenger nichts an der Hitze auszusetzen: „Klar, wenn man Zeit hat, kann man das Sommerwetter schön genießen.“

Ausgiebig Zeit, Sonne zu tanken, haben Besucher an den Badeseen. Am Eisenbachsee sticht man mit Schlauchboot oder auf einer grünen Luftmatratze in Muschelform in See. Gebräunt wie nach wochenlangem Strandurlaub dösen Badegäste am Ufer. „Man muss es ausnutzen, alles ist besser als Kälte“, sagen Alfred Lenz und Anja Gerick aus Göppingen. Schon bald werden wieder die Stimmen zu vernehmen sein, die den Sommerfans den Herbst und Winter schönschwätzen wollen. Davon wollen sie nichts wissen.

„Ich bin mehr der südländische Typ, die Hitze vertrag’ ich gut“, meint relaxt Alfred Lenz. Neben ihm bejaht Anja Gerick, macht das verstärkende Daumen-hoch-Zeichen: „Wir wollen nicht stöhnen, wir haben genug gefroren im Winter.“ Bei der Hitze steigen sie am liebsten auf ihre Roller: „Der Fahrtwind ist schön kühl“, meinen sie. Ihr Ziel ist das Wasser, drei Seen im Welzheimer Wald fahren sie an. „Sightseeing an Seen ist unser Rezept an Hitzetagen.“

Studentin Seline aus Welzheim trotzt in den Semesterferien der Hitze mit „viel Zitronen-Minz-Wasser“. Die Hitze sei super: „Abends länger draußen sitzen, den ganzen Tag an der frischen Luft, grillen, immer wieder unter die Gartendusche springen und so oft wie möglich baden gehen.“ Ihre Mutter Sabine Josenhans sucht mit der Tochter nach der Arbeit noch ein schattiges Plätzchen. „Einmal schön abkühlen, das Wasser ist erfrischend, ich genieße es.“

„Ich find’s richtig klasse, mir ist’s gar nicht so heiß“

Vom sicheren Schattenplatz aus linst Marianne de Wit aus Schwäbisch Gmünd hinter den Buchseiten ihres dicken Schmökers hervor: „Ich find’s richtig klasse, mir ist’s gar nicht so heiß.“ Die Briefträgerin hat ihre freie Woche - besser hätte sie es nicht erwischen können. „Wenn ich Post austragen müsste, würde ich vielleicht anders drüber denken“, meint sie. Unter ihrem Sonnenschirm sei es sehr gut auszuhalten. „Ich geh’ immer wieder mal ins Wasser und kühle mich ab.“

„Baden, Wasser, Sonnencreme und Eis, damit geht’s gut“, meinen Susanne und Wolfgang Maier aus Göppingen. Auch sie sind Fans von Hoch Helmut. „Mit leichtem Wind ist’s herrlich“, sagt sie. „Besser als jedes Bad“, jubiliert Wolfgang Maier, der am Eisenbachsee das Schwimmen gelernt hat und in Pfahlbronn aufgewachsen ist.

Mit dabei sind die zwei Enkeltöchter Jule und Mara (8 und 10 Jahre alt). „Wir haben sie von der Schule abgeholt, am letzten Schultag machen wir was Besonderes“, sagt die Oma. Beide schwimmen gern, das Seepferdchen haben sie seit kurzem, wobei sie nicht ganz mit den Temperaturvorlieben der Großeltern übereinstimmen: „Den Winter mag ich, weil ich da Geburtstag hab’“, meint Jule. „Ich fahre gern Ski“, sagt Mara. Mit etwas Kaltem können Opa und Oma aber auch am heißesten Sommertag des Jahres dienen: „Wir gehen nachher noch Eis essen“, kündigen sie an.


Es bleibt sommerlich

Es bleibt übers Wochenende hinaus sommerlich. Nur hin und wieder schieben sich im Remstal ein paar Wolken vor die Sonne, heißt es auf wetteronline.de. Am Samstag können auch Gewitter auftreten. Mit Höchstwerten um 32 Grad wird es im Remstal heiß. Am Samstag weht ein teilweise böig auffrischender Wind aus westlicher Richtung. Und nächste Woche geht es mit dem heißen, teils gewittrigen Sommerwetter weiter.