Rems-Murr-Kreis

Hochwasseralarm an Rems und Murr

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Der Grillplatz am Aichstrutsee bei Welzheim. © Stütz/ZVW
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Bis Montagmittag war die Remsbrücke an der Hegnacher Mühle gesperrt.
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Land unter bei der Vogelmühle. Die Brücke zwischen Hegnach und Hohenacker war am Montag zeitweise gesperrt.

Waiblingen/Schorndorf. Das ganze Wochenende über hat es in Strömen geregnet. Die Pegelstände an Rems und Murr stiegen und stiegen. Gegen 17 Uhr ist in Schorndorf der Krisenstab einberufen worden. Der Pegelstand in Schorndorf hatte die Zwei-Jahres-Marke erreicht. Kurz vor Mitternacht überschritt der Rems-Pegel in Schorndorf vier Meter und näherte sich einem zehnjährlichen Hochwasser. Seit Montagfrüh sanken die Pegel. Die Hochwassergefahr war gebannt.

Hier geht es zu unserem ersten Bericht und mit mehr Bildern vom Hochwasser.

Achim Wieler, Leiter des Betriebshofes in Waiblingen, wurde am Sonntagnachmittag alarmiert, als die Rems die Warnschwelle erreicht hat. Der Pegel in Neustadt schwankt um den Stand von einem Meter. Seit Sonntagmorgen stieg der Pegel kontinuierlich, erreichte am Mittag zwei Meter, gegen Abend drei und überschritt nach Mitternacht die Vier-Meter-Marke. Das zehnjährliche Hochwasser liegt bei 4,66 Meter.

Für die Mitarbeiter des Betriebshofes begann die Hochwasserroutine. Von Überflutungen betroffene Wege an der Rems und Unterführungen mussten gesperrt werden, so auch ein Fußweg am Bürgerzentrum in Waiblingen. Die Talaue, eine sogenannte Retentionsfläche, tat das, was sie tun sollte: Sie lief voll und bildete noch am Montagvormittag eine Seenlandschaft, auf der sich zwei Schwäne tummelten.

Schäden? Keine nennenswerten, sagt Achim Wieler. Bloß müssten nun die Wege von Schlamm und Dreck gereinigt werden. So auch die Brücke an der Vogelmühle, die vorübergehend gesperrt worden war, aber bis zum Montagmittag wieder für den Verkehr freigegeben war. – Wie berichtet, stand am Sonntagabend aufgrund der anhaltenden Niederschläge auch die Kläranlage in Berglen unter Wasser.

Land unter am „Remsstrand“ an der Häckermühle

Ein empörter Leser aus Weinstadt wandte sich an unsere Zeitung, weil die Remsfluten den für die Remstal-Gartenschau geplanten „Remsstrand“ an der Häckermühle in Großheppach weggespült habe. „Rechnung ohne die Natur“, schrieb er über die Abspülungen und befürchtete weitere Verwüstungen und schlimme Schäden. Die Stadt Weinstadt gab Entwarnung und spricht allenfalls von Abschwemmungen und kleineren Schäden, die das Hochwasser in Großheppach angerichtet habe. Der weitere Baufortschritt sei nicht gefährdet, der Remsstrand ist voll im Zeitplan, so Pressesprecher Holger Niederberger.

Auch flussaufwärts hat das Hochwasser Gartenschau-Projekte in Mitleidenschaft gezogen, stellt Hans-Peter Sieg, der Technische Geschäftsführer des Wasserverbandes Rems, fest. So die beiden Gartenschau-Renaturierungsmaßnahmen Schorndorf (Baurenwasen) und Winterbach, wobei Schorndorf stärker betroffen ist, weil es bei einer parkähnlichen Anlage, wie in Schorndorf im Werden, natürlich mehr Zwangspunkte aufweist, die Schaden nehmen können. „Da ist gleich das ganze Bild zerstört“, sagt Sieg. Er kündigt für die nächsten Tage, wenn das Wasser wieder zurückgegangen ist, einen Vororttermin an, bei dem geklärt wird, ob und wie die beschädigten Bereiche wiederhergestellt werden.

Grundsätzlich solle es schon so sein, dass sich die Natur ihr Gleichgewicht in diesen renaturierten Bereichen selber schafft, aber zu diesem frühen Zeitpunkt seien solche Unwetter natürlich ein echtes Problem. In Winterbach, wo die Rems im Bereich des Überlaufbauwerks aufgestaut, aber nicht auf die Überlaufflächen ausgelassen worden ist, sind die Schäden im Bereich der Remsrenaturierung geringer. Allerdings habe sich gezeigt, dass im westlichen Bereich die Deiche erhöht werden müssten, weil da ein Aufstau entstanden sei, der so nicht berechnet gewesen sei.

In Schorndorf wurde gegen 17 Uhr Hochwasseralarm ausgelöst

Laut Hans-Peter Sieg war in Schorndorf am Sonntag gegen 17 Uhr der Krisenstab einberufen worden. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Remspegel beim Bauhof 2,62 Meter (HQ 2) erreicht. Sieg und ein paar andere waren die ganze Nacht durch im Einsatz, um die verschiedenen Becken und Wasserstände zu beobachten und regulierend einzugreifen. Sieg sagt, dass es zwischen Mitternacht und 2.30 Uhr schon einigermaßen dramatisch war und dass da regenmäßig nicht mehr viel hätte passieren dürfen.

Grundsätzlich habe es sich im Raum Schorndorf/Winterbach um ein Hochwasser der Klassifizierung HQ 10 gehandelt. Das Problem war zunächst, das im Bau befindliche Überlaufbecken bei Plüderhausen zu schützen, weshalb das Becken in Waldhausen aufgestaut worden ist. Hat aber nur bedingt geholfen, weil das Wasser trotzdem in die Baustelle eingedrungen ist und auch einige Baucontainer überschwemmt hat. Sieg sprich von „Land unter“.

In den vergangenen Jahren haben die Hochwasserrückhaltebecken entlang der Rems ihren Zweck mehrmals erfüllt und das mittlere und untere Remstal von Überschwemmungen verschont. Drei Becken des Wasserverbandes Rems sind bereits fertig, zwei weitere sind in Bau beziehungsweise geplant. Der Verband war nach einem Remshochwasser im Februar 1990 mit Schäden von mehr als zehn Millionen Euro gegründet worden mit dem Ziel, solche Katastrophen zu verhindern. Verglichen mit 2011 war das Hochwasser am Wochenende harmlos. Die Feuerwehren im Rems-Murr-Kreis verzeichneten 23 Einsätze, so Kreisbrandmeister René Wauro. Zumeist kleinere Einsätze wie Wasser in Kellern, über die Ufer getretene Bäche und Flüsse oder Treibgut in der Wieslauf, das beseitigt werden musste.