Rems-Murr-Kreis

Hohe Auszeichnung für Journalisten: Theodor-Wolff-Preis in Berlin verliehen

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Die Trophäe. © Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)

In Berlin ist am Mittwochabend einer der renommiertesten Preise für Journalisten in Deutschland verliehen worden, der Theodor-Wollf-Preis. Frank-Walter Steinmeier sprach ein Grußwort und kritisierte darin auch  die Berichterstattung zur Schauspieler-Aktion #allesdichtmachen.

Unter den Nominierten war auch ein Redakteur des Zeitungsverlags Waiblingen gewesen: Reinhold Manz aus der Schorndorfer Lokalredaktion in der Kategorie „Thema des Jahres: Corona – Leben im Ausnahmezustand“ für seinen Artikel "Auch seine Frau und sein Bruder starben an Covid-19: Die tragische Geschichte des ersten Corona-Toten in Deutschland".

Mit viel Empathie und Feingefühl

In seinem Artikel erzählt Reinhold Manz mit viel Empathie und Feingefühl die Geschichte des ersten Corona-Toten in Deutschland, Rolf Föll aus Remshalden. Dessen Frau und Bruder waren wenige Tage nach ihm ebenfalls an Covid-19 gestorben. 

Den Preis in dieser Kategorie erhielt am Mittwochabend im Berliner Radialsystem allerdings Elisa Schwarz (Süddeutsche Zeitung) für ihren Beitrag "Der Riss". Der Artikel  beschreibt einer Pressemitteilung zufolge das Auseinanderbrechen einer Freundschaft. "Diese Geschichte weist in die Zukunft", urteilt die Jury, die der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zusammengestellt hatte. Die Problematik, dass "Wissenschaftsfragen im pandemiebedingten Ausnahmezustand zu Glaubensfragen" würden, werde die Gesellschaft noch lange begleiten. Hier spiegele der Konflikt engster Freundinnen über die Einschätzung der Virusgefahr "in der Nussschale die große Politik".

In der Kategorie Reportage zeichnet die Jury Wolfgang Bauer (Zeit Magazin) aus. Sein Beitrag "Unter Taliban" eröffne als "klassische Auslandsreportage" ganz neue Blickwinkel auf Afghanistan.

Menschengeschichte und Kommunalwahl

Die Würdigung in der Kategorie Bestes lokales Stück erkennt die Jury Anna Petersen (Landeszeitung für die Lüneburger Heide) mit "Chaos im Kopf" zu. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau mit Fetalem Alkoholsyndrom, die ihr Leben in die eigenen Hände nehmen will.

Erfolgreich in der Kategorie Bestes lokales Digitalprojekt sind Jeanne Jacobs, Sophie Anfang, Emily Engels, Felix Müller, Paul Nöllke und Lukas Schauer (Abendzeitung, München) mit "München hat die Wahl". Das Digitalangebot zur zurückliegenden Kommunalwahl in München sei "ein gutes Konzept für die Vorbereitung von Wahlen", "spielerisch und ideenreich", "zum Nachmachen einladend", heißt es dazu von der Jury.

Frank-Walter Steinmeier: Kritik an Twitter und Co.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bescheinigte in seinem Grußwort allen Nominierten und Preisträgern, sie seien bei ihrer Arbeit nicht an Ruhm und Ehre, sondern vielmehr „leidenschaftlich an der Sache interessiert, an der Wahrheit, an der Relevanz einer Sache“. Wenn es wahr sei, dass Geschichten auf der Straße lägen, dann müssten Journalisten auf die Straße – sprich: unter Menschen – gehen, um sie zu finden, so Steinmeier. Denn: „Twitter und Co sind keine Straßen des echten Lebens, sondern eher die Highways der Empörung.“

Guter Journalismus schaffe Voraussetzungen dafür, dass der Einzelne und die Gesellschaft sich orientieren könnten. "Dazu braucht es nicht in erster Linie entschiedene Meinungen", die bildeten sich die Menschen gerne selbst, führte der Bundespräsident weiter aus. Vielmehr wünsche sich das Publikum meistens "kritisch geprüfte, verständlich dargestellte Tatsachen: Transparenz im Unübersichtlichen."

Bundespräsident: "Erst Berichterstattung, dann Meinung"

Steinmeier erinnert in diesem Zusammenhang an die Debatte um #Allesdichtmachen. Nach seinem Eindruck seien "die Wellen aus Empörung und Gegenempörung" sehr viel schneller und lautstärker durch die Republik geschwappt, als dass eine nüchterne Antwort auf die Frage gesucht worden sei: Wer hat da eigentlich was und warum gesagt? Sein Vorschlag: "Erst Berichterstattung, dann Meinung, dafür wäre ich nicht nur als Präsident, sondern als Leser gelegentlich sehr dankbar."

Bei der Frage nach größtmöglicher Transparenz, so der Bundespräsident weiter, trügen auch die digitalen Plattformen eine entscheidend große Verantwortung. Dieser würden sie bis jetzt noch nicht gerecht. "Doch auch jede Kontrolle, Filterung, Regulierung funktioniert nicht ohne das einzig wirkliche Gegenmittel: die kritisch geprüfte Darstellung der Wirklichkeit und von Informationen, von denen die Menschen wissen, dass sie ihnen vertrauen können."

Die große Verantwortung der Journalisten

Transparenz und Vertrauen - das sind die Dreh- und Angelpunkte der Gedanken Steinmeiers über guten und an diesem Abend preiswürdigen Journalismus. "Am Ende geht es für die Menschen immer um die gleiche Frage: Können wir dem, was uns gesagt wird, glauben? Das ist die große Verantwortung, in der jede seriöse journalistische Arbeit steht." Er sei froh über die vielen "Journalistinnen und Journalisten, Verlegerinnen und Verleger, die sich dieser Verantwortung mit Stolz und Ehrgeiz stellen".